Internationale Handwerksmesse Exempla 2023: Bootsbau im Mittelpunkt

Die Sonderschau "Exempla" präsentiert auf der Internationalen Handwerksmesse in München (8. bis 12. März) wieder Spitzenleistungen. Diesmal bietet sie Einblicke in die kreativsten Werkstätten rund um den Bootsbau. Zu den Highlights zählen Elektroboote aus glasfaserverstärktem Kunststoff, Birkenrindkanus und die Kunst der Seilfertigung.

Geschulter Blick: Segelmachermeister Felix Ertel beim Anbringen eines Segels. - © Lothar Adamczyk


Seit drei Generationen werden in der Frauscher Bootswerft in Ohlsdorf in Österreich Motor- und Elektroboote gebaut, bei denen neben den Fahreigenschaften auch das Design eine große Rolle spielt. Gegründet wurde die damals an der Alten Donau in Wien gelegene Werft 1927 von Engelbert Frauscher.

Der Bootsbauer konstruierte Jollen für den Österreichischen Segelverein, die bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin zum Einsatz kamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er mit seiner Familie nach Gmunden an den Traunsee. Nachdem Boote mit Verbrennungsmotor auf dem Traunsee verboten wurden, verlegte man sich auf den Bau von Elektrobooten aus glasfaserverstärktem Kunststoff.

2008 baute Frauscher das weltweit erste Sportboot mit Hybrid-Motor und 2009 auch das erste zertifizierte mit Wasserstoff betriebene Boot. 2012 wurde eine neue Werft auf einem 35.000 Quadratmeter großen Gelände in Ohlsdorf eröffnet. Auf der "Exempla" in Halle B1 zeigt die Frauscher Bootswerft das Motorboot "Alessio".

Nachhaltige Kanus aus Birkenrinde

Birkenrindenkanus kommen vor allem in Sibirien und Nordamerika vor. Artem Lemberg, der aus einem Dorf in der sibirischen Taiga stammt, hat während eines Freiwilligenjahres in Deutschland sein Faible für die leichten und doch robusten Boote entdeckt. Im Gegensatz zu den meisten modernen Booten wird das Kanu von außen nach innen gebaut. Die äußere Form wird aus Birkenrinde gefertigt und mit Fichtenwurzeln vernäht; dann wird ein Gerüst aus gespaltenem Holz in die Rindenform eingekeilt.

Für die Abdichtung werden natürliche Materialien verwendet: Aus Kiefernharz, Holzkohle und Fett entsteht eine wasserabweisende Paste. Somit ist ein Birkenrindenkanu absolut nachhaltig und kann bei entsprechender Pflege über mehrere Generationen genutzt werden. Mit seiner Frau Alena möchte Lemberg auf der Sonderschau dazu beitragen, Birkenrindenkanus wieder bekannter zu machen.


Zukunft Handwerk
Parallel zur Internationalen Handwerksmesse (8. bis 12. März 2023, ihm.de) findet das Live-Event Zukunft Handwerk statt:
Mit Expo-Bereich, Live-Vorträgen und ­Podiumsdiskussionen soll das neue Format ein Treffpunkt für ­Meister und ­Macher aus dem Handwerk
sein: 8. bis 10. März 2023, ICM Internationales Congress Center München, zukunfthandwerk.com

Nautische Präzisionsinstrumente aus Deutschland

1902 von Kapitän Tanne Janssen Cassens in Bremen gegründet, sitzt Cassens und Plath seit 1972 in Bremerhaven. Heute beschäftigt der Betrieb, der auf nautische Präzisionsinstrumente wie Magnetkompasse oder Sextanten spezialisiert ist, über 30 Mitarbeitende. Produziert wird ausschließlich in Deutschland. Alle Messgeräte werden in Handarbeit montiert, justiert und geprüft. Im gesamten Produktionsprozess wird soweit wie möglich auf Kunststoff verzichtet. Die professionellen Magnetkompasse mit Rosenkarten von bis zu 180 Millimeter Durchmesser sind schon seit Gründung der Firma auf den sieben Weltmeeren im Einsatz. Auf der "Exempla" zeigen Cassens und Plath eine Auswahl aktueller Präzisionsinstrumente und deren Funktionsweise.

Segelmachermeister Felix Ertel aus Tettnang am Bodensee

Segelmacher verarbeiten schwere Materialien wie Segeltuch und beschichtete Stoffe. Immer häufiger werden auch synthetische oder ultraleichte Hightech-Materialien verwendet, beispielsweise für die Spinnaker von Rennbooten. Segelmachermeister Felix Ertel aus Tettnang am Bodensee hat sich 2012 selbstständig gemacht. Mit seinem Team fertigt er neue Segel, nimmt Reparaturen vor und rüstet in seiner Werkstatt unter anderem Reffs nach. Bei der Neuanfertigung von Segeln kooperiert er mit der dänischen Firma Elvstrøm Sails, die ebenfalls auf der "Exempla" zu sehen ist. Elvstrøm fertigt mit sauber produziertem Strom und hat als erste Firma ein Segel hergestellt, das aus bis zu 97 Prozent recycelten PET-Flaschen besteht. Felix Ertel führt auf der Sonderschau in die Kunst der Segelfertigung ein.

Ein gespleißtes Seil bleibt stets geschmeidig

Seit ihrer Gründung im Jahr 1854 produziert die Liros GmbH aus dem oberfränkischen Berg Seile aus allen bekannten Fasern. Mit 140 Mitarbeitenden gehört die Firma zu den weltweit führenden Herstellern von Seilen, Leinen, Tau- und anderem Flechtwerk. Das in einer der größten und modernsten Flechtereien Europas produzierte Sortiment umfasst unter anderem Expander, Motorstarterseile, Feuerwehrleinen bis hin zu säure- und hitzefesten Flechtschnüren für die Industrie.

Im Yachtsport sind Liros-Seile international im Einsatz. Auf der "Exempla" demonstriert das Unternehmen das Spleißen von Seilen: Der Spleiß schafft eine bruchfeste, nicht lösbare Verbindung des Tauwerks, indem einzelne Kardeele verflochten werden. Ein gespleißtes Seil bleibt, anders als bei einem Knoten, geschmeidig. Das ist besonders wichtig, wenn es ständig auf- und abgewickelt wird.