Europäische Union Europawahl: Das sind die Spitzenkandidaten

Haben Sie sich schon entschieden, wen Sie am Sonntag zur Europawahl wählen? Wir stellen Ihnen nochmals die fünf Spitzenkandidaten der großen Parteien vor.

Im neu gewählten Europaparlament werden 751 Abgeordnete sitzen. - © Foto: Rolf Haid

Knapp vier Monate vor den Wahlen zum Europäischen Parlament haben viele Parteien bereits ihre Spitzenkandidaten gekürt. Erstmals wird die Wahl über die Sitzverteilung im Parlament hinaus ausschlaggebend sein, denn das neue EU-Parlament wird auf Vorschlag des Europäischen Rates den Kommissionspräsidenten wählen.

Nach dem Vertrag von Lissabon (2010) muss der Europäische Rat bei seinem Vorschlag nun die Ergebnisse der Europawahlen berücksichtigen. Der Spitzenkandidat der erfolgreichsten Partei könnte also der mögliche neue Kommissionspräsident sein und José Manuel Barroso auf dem Posten nachfolgen. Die EU-Bürger haben daher durch die Wahl des Europaparlaments erstmals auch Einfluss auf die Besetzung der Kommission.

Die deutschen Kandidaten

Der CSU-Europapolitiker Markus Ferber sorgt sich um die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. - © CSU

Für die CSU geht Markus Ferber ins Rennen. Bei der Delegiertenkonferenz wurde er mit 98,3 Prozent der Stimmen als Spitzenkandidat gewählt. Ferber ist seit fast 20 Jahren Mitglied im Europäischen Parlament und dort seit 1999 Vorsitzender der CSU-Europagrunppe. Seit 2013 ist er zudem Sprecher des Parlamentskreises Mittelstand. Der Diplom-Ingenieur tritt nach eigener Aussage für weniger Bürokratie und eine Pause bei der Aufnahme neuer Mitgliedsländer ein. Außerdem möchte Ferber die Zahl der EU-Kommissare deutlich reduzieren.

Die CSU stellt derzeit acht Abgeordnete im EU-Parlament. Die Partei hat sich der "Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP-ED)" angeschlossen und ist damit Teil der größten Fraktion im Parlament.

Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident ist Spitzenkandidat der CDU. - © Foto: CDU

Der frühere niedersächsische Ministerpräsident David McAllister soll bei der Europawahl als Spitzenkandidat für die CDU kandidieren. Anfang Februar will die Partei den studierten Juristen auf ihrer nachgeholten Klausurtagung in Erfurt offiziell als Spitzenkandidat nominieren und auf dem Parteitag Anfang April wählen.

Der 42-Jährige möchte als Spitzenkandidat der Christdemokraten das EU-Parlament stärken und die Europäische Union in Zukunft transparenter und demokratischer gestalten. Seine Partei stellt derzeit 36 Abgeordnete im Brüsseler Parlament.

Auf europäischer Ebene werden die konservativen Parteien Europas (EVP) ihren Spitzenkandidaten - der dann eine Chance auf das Amt des Kommissionspräsidenten hat - erst im März bestimmen. Als Bewerber wagte sich bislang nur der ehemalige Luxembourgische Premier Jean-Claude Juncker aus der Deckung.

Martin Schulz bleibt EU-Parlamentspräsident. - © Foto: Foto Strauch

Martin Schulz, der derzeitige Präsident des Europäischen Parlaments, ist der Spitzenkandidat der SPD. Er erhielt bei der Delegiertenkonferenz 97,3 Prozent der Stimmen. Im März soll der 58-Jährige bei einem Kongress der europäischen Sozialdemokraten (SPE) auch zum Spitzenkandidaten auf europäischer Ebene gewählt werden.

Auch Schulz ist bereits seit 20 Jahren Abgeordneter im Europäischen Parlament. Die SPD stellt dort derzeit 23 Abgeordnete. Die deutschen Sozialdemokraten hatten bei der Europawahlvor fünf Jahren mit 20,3 Prozent der Stimmen ihr schlechtestes Ergebnis der Geschichte eingefahren.

Die FDP schickt Alexander Graf Lambsdorff ins Rennen um die Europawahl. - © Foto: FDP

Alexander Graf Lambsdorff ist der Spitzenkandidat der FDP. Der 47-Jährige wurde mit 86,2 Prozent der Stimmen gewählt. Seit 2004 ist Graf Lambsdorff Mitglied im Europäischen Parlament.

Der ehemalige Unternehmensberater ist im europäischen Parlament stellvertretender Vorsitzender der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE). Von der EU fordert er mehr Bürgernähe und Realismus und tritt für eine marktwirtschaftliche Stabilisierung des Euros ein. Die FDP hat derzeit zwölf Abgeordnete im Europaparlament.

Die europäischen Liberalen führt der ehemalige belgische Regierungschef Guy Verhofstadt als Spitzenkandidat für die Europawahl an. Diese Entscheidung muss beim ALDE-Parteitag Anfang Februar jedoch noch abgesegnet werden.

Zur Europawahl schicken die Grünen Rebecca Harms ins Rennen. - © Foto: o.H.
Rebecca Harms Europawahl

Rebecca Harms ist die Spitzenkandidatin der Grünen bei der Europawahl. Die 57-jährige Politikerin und Ex-Gorleben-Aktivistin hat sich auf dem Parteitag der Grünen Anfang Februar mit insgesamt 477 Stimmen gegen ihre Gegenkandidatin Ska Keller durchgesetzt, die 248 Stimmen erhalten hat. Harms spricht sich für grundlegende Reformen in der EU aus. Wer Europas Sterne funkeln sehen will, der muss sich auch trauen im Dunkeln rauszugehen", sprach sie den Delegierten auf dem Parteitag zu.

Gabi Zimmer soll als Spitzenkandidatin für die Linke für das Europäische Parlament kandidieren. Die früher PDS-Vorsitzende ist seit 2004 im Europaparlament. Sie ist Vorsitzende der Europafraktion Linken und zugleich Leiterin der deutschen Linke-Delegation im Europaparlament. Die Partei hat momentan acht Abgeordnete im Europaparlament. Die Empfehlung des Bundesausschusses der Linken für Zimmer muss im Februar noch vom Parteitag bestätigt werden.

Für die europäische Linke wird Alexis Tsirpas der griechischen Koalition der radikalen Linken (SYRIZA) als Spitzenkandiat zur Europawahl antreten.

Die Wahlen zum Europäischen Parlament finden vom 22. bis 25. Mai 2014 in allen 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union statt. In Deutschland sind die Wähler am 25. Mai zur Stimmabgabe aufgerufen. Insgesamt werden bei der Abstimmung 751 Sitze vergeben. Deutschland stellt 96 Abgeordnete.