Europa muss sich lohnen

Vom Euro hat Deutschland lange profitiert. Jetzt dürfen wir nicht Zahlmeister der EU werden

Europa muss sich lohnen

Das Euro-Problem ist nicht schnell aus der Welt zu schaffen. Der große Befreiungsschlag, auf den so viele gehofft hatten, bleibt aus. Umschuldung? Währungsaustritt? Geordnete Insolvenz? Rauswurf aus der EU? Alle Planspiele sind heikel und gefährlich.

So groß die Aufgabe für die Politik, so überfordert ist sie. Die Regierungen der Staaten können nur noch reagieren, um Zeit zu gewinnen, sie können kaum noch wirklich agieren. Erst in einigen Jahren wissen wir, welche Entscheidungen richtig und welche falsch waren. Zur Finanzkrise von 2008 lässt sich im Nachhinein sagen, dass die damalige schwarz-rote Koalition vieles richtig gemacht hat und Deutschland recht schnell aus der Krise herauskam. Doch für die aktuelle Krise heißt es bis dato: durchwursteln.

Es ist gegenwärtig ein Kampf um das höchste Gut, welches wir im Fiskalischen haben: die Geldwertstabilität. Deutschland hat im vergangenen Jahrhundert mit galoppierenden Inflationen, einem Währungsschnitt und einem Währungswechsel genug gelitten, um zu wissen, was ein stabiler Euro wert ist. Bislang hat sich die Gemeinschaftswährung entgegen anderer Behauptungen auch als hart erwiesen gemessen an der Inflation sogar härter als die gute alte D-Mark.

Vom Euro hat Deutschland in der ganzen Zeit man traut es sich bei all der Euro-Skepsis kaum zu sagen durchaus profitiert. Das Wirtschaftswachstum, der Export, die geringe Inflation das sind die großen ökonomischen Vorteile des Euros. Und auch uns schon so vertraute Dinge wie das einfache Bezahlen im Ausland gehören zu dem, was den Euro ausmacht.

Und dennoch gerät der Euro immer stärker unter Druck, weil einige Länder nicht haushalten können oder wollen. Eine Gemeinschaftswährung darf aber nicht bedeuten, dass auch die Schulden vergemeinschaftet werden. Wer den Euro dauerhaft Gefahren aussetzt, hat ihn nicht verdient.

Sind die Griechen demnach noch zu retten? Oder ist ein Ende mit Schrecken die bessere Lösung? Es ist ärgerlich, dass Länder aus innenpolitischem Kalkül ihre Hausaufgaben nicht machen wollen und andere weiterzahlen sollen. Doch eine Insolvenz Griechenlands könnte weitreichende Folgen auch für den Euro-Raum haben, im schlimmsten Fall eine Kernschmelze im Bankensektor und eine folgende Depression. Dann spätestens geht Griechenland auch jeden einzelnen Betrieb hierzulande an. Zwar steht Deutschland weiter gut da, doch die Probleme der anderen werden die Exporte belasten.

Ein anderes Szenario ist die Rückkehr Griechenlands zur Drachme. Indes könnten andere Länder in den kommenden Jahren genauso in die Bredouille geraten wie Griechenland, und auch dann müsste es heißen: Rauswurf aus dem Euro. Dann würde der Euro-Raum nach und nach rückabgewickelt und das wollen alle Regierenden unbedingt vermeiden.

Europa muss sich lohnen für jedes Land. Und Europa muss gerecht sein. Gerecht bedeutet aber nicht, die Schulden schlecht haushaltender Länder zu begleichen. Das macht man einmal, aber eigentlich kein zweites Mal. Gerecht ist es auch nicht, wenn die EU-Kommission Pläne schmiedet, hinter denen niemand steht. Mit Euro-Bonds und Rettungsschirmen ist sicher der falsche Anreiz gelegt. Dann braucht sich niemand mehr anzustrengen im Schlaraffenland Europa.