Schon lange ist sie im Gespräch. Sie soll ein Gegengewicht zu den US-Größen sein und deren Macht auf den Finanzmärkten schmälern: eine eigene Ratingagentur für Europa. Nun ist sie beschlossene Sache, bis Jahresende soll sie erste Expertisen liefern. Doch Kritiker meinen, es würde zu lange dauern, bis sie vertrauenswürdige Urteile abgeben kann.
Ob gegen Standard & Poor's, Moody's oder Fitch – Europa nimmt den Kampf gegen die großen US-Ratingagenturen auf. Noch in diesem Frühjahr soll die eigene europäische Unternehmensberatung an den Start gehen. Konzipert wird sie von der Unternehmensberatung "Roland Berger", die unterstützt von 30 institutionellen Investoren – darunter Banken, Versicherungen und Börsen – noch bis zum Jahresende erste Ergebnisse liefern möchte.
Der Plan ist klar, doch die europäische Börsenaufsicht muss noch zustimmen. Ob sie dazu bereit ist, ist noch offen. Unterschiede zu den US-Agenturen bestehen vor allem darin, dass die europäische Ratingagentur die Form einer Stiftung haben wird, die Investoren wollen rund 300 Millionen Euro Stiftungskapital zur Verfügung stellen und finanzieren damit die Agentur, die sie "unabhängig" bewerten soll.
Probleme mit der Unabhängigkeit
Kritik äußerte deshalb auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Eine von Staaten getragene Agentur hätte nach seiner Ansicht ein Problem mangelnder Unabhängigkeit, berichtet die Tageszeitung "Augsburger Allgemeine". Nur einige wenige Banken könnten dies alleine nicht schaffen, meinte der Bankchef und wies darauf hin, dass es zu lange dauern würde, bis hier eine notwenige Vertrauenswürdigkeit entstehen könne, um wirklich eine Konkurrenz zu den bislang bestimmenden Agenturen zu sein.
Die Unternehmensberater von "Roland Berger" halten an ihrem Ziel fest. Sie wollen bis Ende des ersten Quartals 2012 die ersten Verträge unterzeichnet haben und bis Ende des zweiten Quartals eine "privat finanzierte, nicht gewinnorientierte Stiftung voraussichtlich mit Sitz in den Niederlanden aufbauen, so Markus Krall, Partner von "Roland Berger", gegenüber der Zeitung "Euro am Sonntag". dhz