Im August gibt das mittelständische Geschäftsklima deutlich um 6,3 Zähler nach. Die Unternehmen erwarten nach Angaben der KfW-Bankengruppe ein Ende des Beschäftigungsaufbaus sowie eine wirtschaftliche Abkühlung.
Eurokrise verunsichert Unternehmer
Einen noch stärkeren Klimarückgang gegenüber dem jeweiligen Vormonat hat es bisher nur im Nachgang der Lehman-Insolvenz im November 2008 und zu Beginn der auf den Wiedervereinigungsboom folgenden Rezession im August 1992 gegeben.
Bei den Großunternehmen ging das insgesamt stärker schwankende Geschäftsklima um 8,8 Zähler zurück - der viertgrößte Rückgang seit Beginn der Datenerhebung im Januar 1991.
Einbruch bei den Wirtschaftserwatungen
Der wesentliche Grund für die starke Abkühlung des Geschäftsklimas im August ist der Einbruch der Geschäftserwartungen, was angesichts des aktuellen Umfeldes laut der KfW-Bankengruppe wenig überrascht.
Etwas weniger dramatisch zeigt sich das Bild bei der Einschätzung der aktuellen Lage. Diese gibt sowohl im Mittelstand als auch bei den Großunternehmen zwar ebenfalls spürbar nach, ist aber im Mittelstand und bei den Großunternehmen weiterhin sehr positiv.
Die Entwicklung der Beschäftigungs- und Absatzpreiserwartungen, die bei den Mittelständlern um 3,3 Zähler bzw. 5,4 Zähler und bei den Großunternehmen um 4,5 Zähler bzw. 3,2 Zähler nachgeben, bestätigen das Bild einer abkühlenden Wirtschaft in Deutschland.
Beide Indikatoren liegen laut der KfW allerdings weiter über ihren historischen Durchschnitten und zeigen damit noch immer expansive Beschäftigungspläne sowie eine anhaltende, wenn auch etwas ruhigere Preisdynamik an.
KfW erwartet keine Rezession
Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW: "Im außergewöhnlich starken Rückgang des Geschäftsklimas im Mittelstand, insbesondere im Rekordeinbruch der Erwartungskomponente, spiegelt sich die hohe Verunsicherung über die Eurokrise und die jüngsten Verwerfungen an den Aktienmärkten. Man sollte aber im Blick behalten, dass die Mittelständler ihre Lage immer noch positiver beurteilen als im Boomjahr 2007."
Irsch erwarte deshalb in den nächsten Quartalen lediglich eine Abkühlung der wirtschaftlichen Dynamik in Richtung Potenzialwachstum. "Auch für 2012 gehen wir nicht von einer Rezession aus. Dies setzt allerdings eine gewisse Stabilisierung an den Finanzmärkten voraus sowie eine überzeugende Umsetzung der von der europäischen Politik vorgesehenen Krisenbewältigungsmaßnahmen."
dhz
