Fahrradmesse in Friedrichshafen Eurobike zeigt die Fahrradtrends für 2017

1350 Aussteller aus 48 Nationen mit 280 Weltpremieren: Die Eurobike in Friedrichshafen ist die wichtigste und größte Messe der Fahrradbranche. Vom 31. August bis 4. September zeigt sie Trends und Maßstäbe für das kommende Fahrradjahr. Zentrales Thema für die nächste Saison bleibt die Elektronik am Fahrrad. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat sich auf der Leitmesse am Bodensee umgeschaut.

Marco-Tobias Arnold

Großes Trendthema für 2017 sind weiterhin die elektrischen Antriebe. Dabei spiel die Systemintegration eine große Rolle. Beim „ST2“ von Stromer erkennt man nicht direkt, dass es ein E-Bike ist. - © Marco-Tobias Arnold

Im kommenden Jahr steht dem Fahrrad ein großer Geburtstag bevor: 1817 erfand Karl Drais seine Laufmaschine – ein Vorgänger des heutigen modernen Zweirads. Seit dem hat sich viel getan, das Fahrrad hatte durchschlagenden Erfolg und Zeiten, in denen es nahezu totgesagt wurde. Die 25. Ausgabe der Eurobike in Friedrichshafen zeigt in diesen Tagen aber, dass die Fahrradbranche lebendiger denn je ist und mit seinen zahlreichen Trends ganz unterschiedliche Nutzergruppen anspricht – und damit so viel Erfolg hat wie nie.

Elektronik beim Fahrrad weiter auf dem Vormarsch

Elektrische Antriebe bleiben im kommenden Jahr das ganz große Thema. 2015 wurden in Deutschland 535.000 E-Bikes verkauft, die Branche rechnet auch für 2016 mit einem Absatz auf ähnlich hohem Niveau – trotz wetterbedingt schwierigeren Rahmenbedingungen. Wenig überraschend, dass Fahrradhersteller und E-Bike-Ausrüster für das kommende Modelljahr viel Zeit und Energie in die Entwicklung neuer Technologien gesetzt haben. Besonderes im Fokus stehen die sportiven E-Bike-Modell, deren Absatzanteil in den letzten zwei Jahren rasant gewachsen ist. "E-Bikes sind der Verkaufsschlager und sprechen zunehmend Jüngere an, denn die Räder sehen toll aus und bieten eine starke Systemintegration. Akku und Motor werden statt Andockelementen nun wirklich Teil des Fahrrads und die Leistungsperformance verbessert sich unglaublich", schwärmt Stefan Reisinger,  Bereichsleiter für die Eurobike bei der Messe Friedrichshafen.

Trend E-Mountainbikes

Besonders Mountainbikes mit elektronischer Unterstützung haben einen Boom erfahren, den kaum jemand in dieser Form vorhergesehen hatte. Noch vor zwei Jahren gab es eine Grundsatzdiskussion, ob eine solche Modellart überhaupt einen Markt hat. Inzwischen wurden die Skeptiker überzeugt und es gibt in dieser Klasse schon deutliche Trends zu sehen. Der Fokus für das kommende Jahr liegt bei E-MTBs darin, den Nutzern noch mehr Spaß und ein noch sichereres Fahrgefühl zu vermitteln, sowie effizienter und intelligenter zu werden.

Die fortschreitende Digitalisierung bietet dabei neue Möglichkeiten und Lösungsansätze. Schon heute existieren elektronische Schaltungen, verschiedene Leistungsmesssysteme oder Navigationsgeräte. Der nächste Schritt ist es, diese verschiedenen Systeme am Fahrrad zusammenwirken zu lassen. Ein Beispiel für die digitale Zukunft des Fahrrads zeigt Winora auf der diesjährigen Eurobike. Dem Branchenmagazin "Velobiz" erläuterte Geschäftsführerin Susanne Puello das Haibike eConnect System, mit dem Winora eine technologische Basis zur Vernetzung der E-Bikes geschaffen hat: "Eine integrierte Onboard-Unit bietet neue, smarte Services und intelligente Funktionen, die gerade E-Mountainbikes noch benutzerfreundlicher und sicherer machen." Über eine Cloudbasierte Kommunikation werden damit GPS-gestützte Diebstahlsicherungen, Tracking oder eine automatische Notruf-Funktion möglich. Die Daten sind dann über ein Online-Portal und eine App jederzeit abrufbar.

Im Fokus vieler E-Bike-Ausrüster steht die Vergrößerung der Reichweite mit einem Akku. Bei den gängigen Modellen kann man den Herstellerangaben allerdings durchaus Vertrauen schenken und für die meisten Radfahrer reicht eine Akkuladung für eine normale Tour völlig aus. Dennoch geht Marktführer Bosch einen Schritt weiter. Das neue "Dual Battery Concept" des schwäbischen Elektronikkonzerns verdoppelt die Reichweite eines E-Bikes kurzerhand. Dies kann besonders bei Lastenrädern oder Fernradlern Sinn machen.

Im Fokus vieler E-Bike-Ausrüster steht die Vergrößerung der Reichweite mit einem Akku. Bei den gängigen Modellen kann man den Herstellerangaben allerdings durchaus Vertrauen schenken und für die meisten Radfahrer reicht eine Akkuladung für eine normale Tour völlig aus. Dennoch geht Marktführer Bosch einen Schritt weiter. Das neue "Dual Battery Concept" des schwäbischen Elektronikkonzerns verdoppelt die Reichweite eines E-Bikes kurzerhand. Dies kann besonders bei Lastenrädern oder Fernradlern Sinn machen.

Lastenräder werden für Handwerksbetriebe interessanter

Apropos Lastenräder: Beim Rundgang über die Eurobike sind sie nicht zu übersehen: Die sogenannten Cargo Bikes erobern das urbane Radfahren. Gerade staugeplagte Städter setzen beim Kindertransport oder dem Einkaufen auf diese Art von Fahrrad – denn man spart sich die Parkplatzsuche und kann direkt vor den Laden fahren. Aber auch für Handwerksbetriebe werden Lastenräder immer attraktiver. In vollgestopften Innenstädten ist man mit dem Rad meist schneller und flexibler unterwegs. Dies schätzt nicht nur die DHL, sogar der ADAC setzt in ausgewählten Projektstädten auf die Autohilfe per Lastenrad. Auch die Anbieter von Lastenrädern tragen diesem Trend bereits Rechnung. Sie schneiden ihre Cargo Bikes verstärkt auf die Wirtschaft zu. Das neue E-Cargo-Rad des Darmstädter Herstellers Riese & Müller bietet mit dem neuen Modell "Packster" eine ebene Ladefläche in der XL-Ausführung. Pfiffig: Das neue Lenkgestänge verläuft mittig geschützt und vereinfacht damit das Rangieren.  Auch bei Transportanhängern stehen 2017 die Zeichen auf größeres Volumen. So bietet der Anhängerspezialist Croozer mit dem "Cargo Touring Cover" eine Ladevolumenerweiterung für den Cargo-Hänger an. Das Volumen beträgt dadurch 110 Liter.

Besonders clever sind Fahrräder mit Elektrounterstützung dann, wenn sich Ihre Anwendung im Alltag mit anderen Verkehrsmitteln kombinieren lässt. "Der Transport mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln stellt bei E-Bikes häufig ein Problem dar", erläutert Josh Hon, Gründer des Faltradherstellers Tern. Denn aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts sind sie nur bedingt transportabel. Mit dem neuen Modell Elektron stehen bei den Taiwanesen besonders die Pendler im Fokus. Das mit Bosch-Antrieb und 300-Wh-Akku ausgestattete E-Faltrad ist laut Hersteller der weltweit kompakteste Vertreter seiner Art. Und: Überraschte Blicke in Bus und Bahn sind garantiert.

Trends beim Fahrradzubehör: Sicherheit und Radreisen

Ob Helm, Klingel oder Packsysteme: Neben den unzähligen Fahrrädern haben auch die Zubehörhersteller wieder jede Menge Neuheiten für das kommende Jahr im Gepäck. Dabei zeigen sich besonders die Trends zu sicherem und entschleunigtem Fahrradfahren.

Um mit dem Fahrrad sicher unterwegs zu sein, ist es vor allem in der dunklen Jahreszeit wichtig gut gesehen zu werden. Daher ist Rad- und Regenbekleidung immer häufiger mit großflächigen Reflektoren ausgestattet. Auch der Helm wird einbezogen: So bietet der amerikanische Hersteller Lumen Labs einen Helm in den ein großflächiges Front- und Rücklicht sowie gelbe Abbiegeblinker integriert sind. Übersehen fast ausgeschlossen. Mindestens genauso wichtig ist eine solide Lichtanlage. So bietet das junge Fahrradzubehör-Label Voxom erstmals die StVZO-gerechten Akku Frontscheinwerfer "LV1" und "LV2" an – letzterer kann auch gleichzeitig als Powerbank zum Laden von Smartphone und Co. dienen. Mit einem der begehrten Eurobike-Awards wurde die Klingel „Oi“ des australischen Herstellers Knog ausgestattet, die nicht nur schick sondern auch wirkungsvoll daher kommt: Sie schmiegt sich schmal und schlank um den Lenkerholm, nur ein kleiner Hebel lugt hervor.

Mehr Sicherheit für den Mountainbiker im Falle eines Sturzes verspricht der erste Protektorenrucksack von Vaude. Der Rucksack hat einen Rückenprotektor "Moab Pro"  vom süddeutschen Spezialisten Ortema namens "Central Back" integriert und verhindert Verletzungen.

Statt immer neuer Geschwindigkeitsrekord und Zeitenjagd, setzt sich bei den Radbegeisterten das sogenannte Bikepacking durch. Es übersetzt die Idee des Backpackings beim Wandern auf das Radfahren: Touren mit leichtem Gepäck in jedem Gelände. Die Nutzer eint dabei, dass sie abseits vom Alltagsstress das Radfahren in seiner ursprünglichen Form erleben wollen. Dabei kommt denn Taschen eine besondere Bedeutung zu, sie sollen eng und schlank am Rad verzurrt werden, den Bikepacker kommen meistens auch ohne Gepäckträger aus. Eine eigene " Bikepacking-Serie" bietet der deutsche Hersteller Ortlieb.

Eurobike 2016 mit neuem Konzept: Mehr Zeit für Besucher

Doch nicht nur der Fahrradmarkt sondern auch seine Leitmesse befindet sich im stetigen Wandel. So verändert sich das diesjährige Konzept der Eurobike. Erstmals gibt es mit den sogenannten „Festival Days“ gleich zwei Tage, die allen Interessenten offen stehen. „Prinzipiell wollen wir mit den beiden Tagen die Begeisterung für das Fahrrad steigern und aufzeigen, welche Möglichkeiten es bietet“, erklärt Stefan Reisinger. Am Wochenende des 3. und 4. Septembers können Rad-Enthusiasten, Hobby-Biker oder Neueinsteiger die Fahrrad-Welt in allen Facetten kennenlernen und ausgiebig testen. Außerdem bieten elf verschiedene „Areas“ jede Menge Unterhaltung rund ums Bike. Zum Beispiel in speziellen Kinder- oder Frauen-Bereichen. Die Eurobike öffnet am Samstag und Sonntag um 9 Uhr. Weitere Informationen unter http://www.eurobike-festivaldays.de