Das Vertrauen der Deutschen in den Euro hat aus Sicht des Wirtschaftsexperten Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle gelitten. Im Interview macht der Wirtschaftsforscher eine "angespannte Stimmung" aus.
"Euro vor der Krise überbewertet"
"Die Stimmung dem Euro gegenüber ist hierzulande momentan angespannt", sagte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Eine Währungsreform schließe er jedoch aus.
"Eine zweite D-Mark ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellbar", betonte der Professor. Nur für den Fall, dass EU-Länder mit großen Zahlungsschwierigkeiten nicht bereit wären, ihren Haushalt zu konsolidieren, könne eine Währungsreform denkbar sein.
Keine Gefahr vor Inflation und Deflation
Holtemöller verwies auf die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. "Die Konjunkturindikatoren zeigen nach oben, die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt erholen sich", sagte er. Trotzdem bleibe aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise die Gesamtsituation auch hierzulande "ernst und schwierig". Erst wenn die Kaufkraft des Euro in Deutschland sinke, drohe jedoch eine "große Inflation". Im Moment sehe es danach aber nicht aus.
Auch eine Deflation – ein nachhaltig sinkendes Preisniveau – stehe den Deutschen erst einmal nicht bevor. Jedoch sei es "ein Risiko, das man im Auge behalten sollte". Der Finanzexperte warnte den "kleinen Sparer" davor, aus "Angstmotiven" heraus kurzfristig das Vermögen umzuschichten. "Ich rate streng davon ab", sagte Holtemöller. Erspartes nun noch in Gold anzulegen, sei nicht mehr sinnvoll. Der Preis für eine Unze habe derzeit ein Rekordhoch. "Der Privatanleger kommt da schon zu spät."
Wer die Ersparnisse sicher verwalten will, solle "die Eier in viele Körbe legen", also in mehrere Anlagen investieren. Dass der Wechselkurs des Euro in den vergangenen Tagen sogar unter 1,19 Dollar rutschte, wertete Holtemöller als ein "normales Niveau" für die Währung. Seiner Ansicht nach wurde der Euro vor der Krise "überbewertet".
ddp