Damit leichte Nutzfahrzeuge in Zukunft weniger CO2 emittieren, sollen die Hersteller Geschwindigkeitsbegrenzer einbauen
Ulrich Steudel
EU will Transporter drosseln
Seit Kleintransporter der so genannten Sprinter-Klasse locker mit 160 Sachen über die Autobahn rasen, gibt es die Diskussion um eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die typischen Handwerkerfahrzeuge. Jetzt will das Europäische Parlament die Hersteller per Verordnung zwingen, die Motoren der Transporter zu drosseln.
Wie aus einem Berichtsentwurf des Ausschusses für Umweltfragen hervorgeht, sollen ab dem Jahr 2015 alle neuen Transporter mit einem Geschwindigkeitsbegrenzer ausgerüstet werden, der die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge auf 120 km/h abregelt. Hintergrund der Vorgabe ist das Ziel, die CO2-Emissionen aus Gründen des Klimaschutzes zu senken. Demnach sollen ab 2020 Pkws nur noch 135 g Kohlendioxid je Kilometer ausstoßen dürfen. Für leichte Transporter hat der Umweltausschuss diesen Wert auf 150 g Kohlendioxid je Kilometer nach oben korrigiert, weil die gewerblichen Fahrzeuge - im Gegensatz zu Pkws - „weniger Möglichkeiten zur Änderung ihrer Form oder ihres Gewichts“ bieten. Und Änderungen am Motor und an der Mechanik seien langwieriger und teurer. Eine technisch einfache Lösung zur Reduzierung der CO2-Emissionen seien Geschwindigkeitsbegrenzer. „Dies wäre ein billiges und wirksames Mittel zur Emissionssenkung“, heißt es in der Begründung.
Bei der Autoindustrie hält man wenig von dem Vorschlag des britischen Europaabgeordneten Martin Callanan. „Die Klimaschutzeffekte von Tempolimits für Transporter sind marginal. Unabhängig davon sind Entscheidungen über Geschwindigkeitsregeln ausschließlich Sache der Mitgliedsstaaten und nicht der EU. Brüssel darf hier das Subsidiaritätsprinzip nicht durch die Hintertür aushebeln“, sagte Martin Wissmann, Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie. Die Höchstgeschwindigkeit sei kein Wettbewerbsfaktor bei leichten Nutzfahrzeugen. Das schließe aus, dass die Hersteller Kapazitäten und finanzielle Ressourcen darauf verwenden, das Tempo der Fahrzeuge zu erhöhen. Ähnlich sieht es der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller. „Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt ohnehin deutlich unter 120 km/h. Auch die meisten Unfälle passieren nicht bei den hohen Geschwindigkeiten“, erklärte Verbandssprecher Thomas Böhm.
Das Handwerk kritisiert vor allem die stetig zunehmende europäische Regelungsdichte im Verkehrsbereich. „Wir müssen darauf achten, dass die Vorgaben zur CO2-Reduzierung nicht zu starken Preissteigerungen bei den Neufahrzeugen führen“, meint ZDH-Verkehrsexperte Carsten Benke. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage der Deutschen Handwerks Zeitung hatte sich eine Mehrheit der Handwerker für ein Tempolimit ausgesprochen, allerdings meist aus Gründen der Verkehrssicherheit, weniger wegen des Umweltschutzes.
Nach EU-Angaben machen leichte Nutzfahrzeuge rund zwölf Prozent der Autoflotte in Europa aus. Zwischen 2002 und 2007 habe die durchschnittliche Reduzierung der CO2-Emissionen von leichten Nutzfahrzeugen 0,4 bis 0,5 Prozent pro Jahr betragen. Die Verbesserung der Kraftstoffeffizienz sei durch den Zuwachs des Verkehrsaufkommens und der Fahrzeuggröße wieder wettgemacht worden.