Ladenhüter E-Auto? Gegen den Willen Deutschlands verhängt die EU Strafzölle auf Elektroautos aus China. Werden die Modelle dadurch für Kunden hierzulande preislich unattraktiv? Das zumindest befürchtet das Kfz-Gewerbe – und fordert konkrete Anreize.

Das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe befürchtet nach dem Inkrafttreten der EU-Strafzölle auf E-Autos aus China einen noch langsameren Hochlauf der E-Mobilität in Deutschland. "Die Leittragenden sind insbesondere die Kundinnen und Kunden", sagte Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und Sprecher des Fabrikatshandels in Deutschland. Die E-Fahrzeuge aus China würden jetzt deutlich teurer. "Zugleich nimmt der Druck auf die europäischen Hersteller ab, preisgünstige E-Fahrzeuge auf den Markt zu bringen", befürchtet er.
Deutschland befürchtet Vergeltungsmaßnahmen
Die EU hatte zuvor Strafzölle auf die Einfuhr von Elektroautos aus China beschlossen und im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Damit gelten die zusätzlichen Zölle ab sofort. Deutschland hatte gegen eine solche zusätzliche Zoll-Erhöhung gestimmt. Hierzulande befürchtet man einen großen Handelskonflikt und mögliche Vergeltungsmaßnahmen gegen deutsche Hersteller. Andere EU-Länder wie Frankreich oder Italien waren anderer Auffassung.
EU will europäische Autoindustrie schützen
Aus Sicht der EU-Kommission sind die zusätzlichen Zölle notwendig, um langfristig die Zukunft der Autoindustrie in der EU zu sichern. Die Kommission kam bei einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass chinesische Hersteller von unfairen Subventionen profitieren, die ihnen einen erheblichen Vorteil auf dem europäischen Markt verschaffen. Demnach können chinesische E-Autos normalerweise rund 20 Prozent günstiger angeboten werden als in der EU hergestellte Modelle. Bereits im Juli hatte die EU-Kommission deswegen vorläufige Ausgleichszölle eingeführt.
ZDK fordert Maßnahmen zur Stärkung der E-Mobilität
Für Peckruhn muss es angesichts der jüngsten Eskalation im Zollstreit jetzt darum gehen, den Hochlauf der E-Mobilität in Deutschland zu stärken. "Zu den möglichen Maßnahmen aus Sicht des ZDK, das Elektroauto für Kundinnen und Kunden preislich attraktiver zu machen, gehören beispielsweise eine Senkung des Strompreises für Ladestrom und monetäre Anreize wie zum Beispiel eine temporäre Mehrwertsteuersenkung für Fahrzeuge unter 50.000 Euro", sagte er.
CO₂-Bepreisung spült Geld in öffentliche Kassen
Dies gilt nach Auffassung des ZDK umso mehr, da sich ab dem 1. Januar 2025 die CO₂-Bepreisung um zehn Euro pro Tonne erhöht und dem Staat Mehreinnahmen von rund 1,5 Milliarden Euro in die Kassen spült. Geld, das zur Unterstützung der schwächelnden Automobilwirtschaft und damit auch zur Finanzierung des Hochlaufs der E-Mobilität verwendet werden könnte. Angesichts dieser Gemengelage ist es aus Sicht des ZDK unverständlich, dass das jüngste Treffen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit Industrie und Gewerkschaften ohne konkrete Maßnahmen geblieben ist.
Noch hält sich China bedeckt
Wie China auf die endgültigen Zölle reagieren wird, ist noch unklar. Die Regierung in Peking wirft der EU Protektionismus vor und drohte in der Vergangenheit unter anderem mit höheren Zöllen auf den Import von Verbrennern mit großem Hubraum aus der EU in die Volksrepublik. Davon wären besonders deutsche Autobauer betroffen. Manche von ihnen produzieren auch E-Fahrzeuge in China für den europäischen Markt, sind also schon jetzt von den Zöllen betroffen. Als mögliche Vergeltungsmaßnahmen sind auch Zölle auf andere deutsche beziehungsweise europäische Produkte für den chinesischen Markt denkbar. bir/dpa