Der Volkswagen-Konzern hat seine Machtübernahme beim Lastwagenhersteller MAN auf Druck der EU-Wettbewerbshüter vertagt. VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und zwei weitere VW-Vorstände zogen ihre Kandidatur für den MAN-Aufsichtsrat am Montag auf der Hauptversammlung überraschend zurück.
EU bremst VW-Zugriff auf MAN
München (dapd). Der Volkswagen-Konzern hat seine Machtübernahme beim Lastwagenhersteller MAN auf Druck der EU-Wettbewerbshüter vertagt. VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und zwei weitere VW-Vorstände zogen ihre Kandidatur für den MAN-Aufsichtsrat am Montag auf der Hauptversammlung überraschend zurück.
Der VW- und MAN-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech erklärte, nach Auffassung der EU-Kommission sollten Winterkorn und die VW-Vorstände Hans Dieter Pötsch und Jochem Heizmann erst nach der fusionsrechtlichen Genehmigung des Übernahmeangebots von VW in das MAN-Kontrollgremium einziehen. Mit ihnen hätte VW fünf der acht Aufsichtsräte der Kapitalseite gestellt. Um das Genehmigungsverfahren "zügig und reibungslos zu durchlaufen", folge VW aber dem Hinweis aus Brüssel, erklärte der Autokonzern in Wolfsburg.
Winterkorn, Pötsch und Heizmann sind auch Aufsichtsräte des schwedischen Lkw-Herstellers und MAN-Konkurrenten Scania, an dem VW 72 Pozent hält. VW will aus MAN, Scania und der VW-Nutzfahrzeugsparte eine Lkw-Allianz schmieden, hat seinen Anteil an MAN im Mai auf 30,5 Prozent aufgestockt und allen anderen MAN-Aktionären ein Übernahmeangebot vorgelegt, um die kartellrechtlichen Hürden für eine Zusammenarbeit rasch zu beseitigen.
Aktionärsschützer und Fondsgesellschaften warfen Piech wegen seiner Doppelrolle als VW- und MAN-Aufsichtsratschef einen Interessenkonflikt vor, der zulasten von MAN gehe. Bei der Wahl zum Aufsichtsrat erhielt er mit 74,06 Prozent das schlechteste Ergebnis. Die von VW anstelle von Winterkorn, Pötsch und Heizmann nominierten drei Kandidaten - der Rechtsanwalt Matthias Bruse, ThyssenKrupp-Chefjustiziar Thomas Kremer und Audi-Einkaufschef Ulf Berkenhagen - wurden mit über 98 Prozent gewählt.
VW erklärte: "Der bisherige Verlauf des Pflichtangebots entspricht unseren Erwartungen." Das Ziel einer stabilen Hauptversammlungsmehrheit dürfte erreicht werden. Die Annahmefrist für das Angebot endet am Mittwoch.
Der Union-Investment-Manager Ingo Speich warf VW-Patriarch Piech doppeltes Spiel vor. Bei der MAN-Übernahme strebe er einen möglichst niedrigen Preis anstatt eines möglichst hohen, wie er das als MAN-Aufsichtsratschef tun sollte. Deshalb werde den MAN-Aktionären auch die eigentlich fällige Übernahmeprämie vorenthalten.
Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, VW "will hier herrschen und hat schon einen beherrschenden Anteil". Die Aktionärsschützer hätten nichts gegen die Kooperation von MAN mit Scania unter dem Dach von VW, aber MAN dürfe dabei "nicht untergebuttert werden".
Auch MAN-Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen sagte, das Übernahmeangebot sei dem Wert von MAN nicht angemessen. Zugleich warb er aber eindringlich für die Lkw-Allianz mit Scania und VW. Nach der EU-Genehmigung könnten die beiden Lkw-Hersteller endlich bei Einkauf, Forschung, Entwicklung und Produktion zusammenarbeiten und schon im ersten Schritt 200 Millionen Euro jährlich sparen. Identität und Standorte von MAN einschließlich der Maschinenbausparte dürften nicht angetastet werden, sagte Pachta-Reyhofen. Aber der 253 Jahre alte MAN-Konzern werde demnächst wohl "Teil eines größeren Ganzen" werden.
dapd
