Die von der Bundesregierung eingesetzte Ethikkommission will keinen ganz schnellen Ausstieg aus der Atomkraft vorschlagen. "Mit Sicherheit kommen wir nicht zu einer Empfehlung 'Ausstieg sofort'", sagte Kommissionsmitglied Michael Vassiliadis dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe).
Ethikkommission will keinen sofortigen Atomausstieg empfehlen
Berlin (dapd). Die von der Bundesregierung eingesetzte Ethikkommission will keinen ganz schnellen Ausstieg aus der Atomkraft vorschlagen. "Mit Sicherheit kommen wir nicht zu einer Empfehlung 'Ausstieg sofort'", sagte Kommissionsmitglied Michael Vassiliadis dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). Vermutlich werde das Gremium mehrere Szenarien zur Auswahl stellen, "damit die Gesellschaft sich am Ende bewusst ist, welche auch finanziellen Folgen welcher Weg hat".
Vassiliadis kündigte "einen zeitlichen Korridor" für den Ausstieg an. "Für mich war immer der von der rot-grünen Regierung festgelegte Ausstiegstermin 2022 die Referenz", sagte er.
Der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie plädierte für den Neubau von Kohlekraftwerken. "Wenn wir auf Kernkraft verzichten, brauchen wir Ersatz", gab er zu bedenken. "Versorgungssicherheit und einigermaßen Preisstabilität gibt es nicht ohne grundlastfähige Kohlekraftwerke." Derzeit seien drei moderne Kraftwerke genehmigt oder im Bau. "Wenn noch ein oder zwei als Ersatz für alte Braunkohlekraftwerke dazu kämen, dann wäre das auch eine Entlastung für das Klima", sagte Vassiliadis.
Die Ethikkommission stellt ihre Empfehlungen am 28. Mai in Berlin vor. Die Regierung will sich auf dieser Basis ein eigenes Bild machen und dann entscheiden. Für den 6. Juni ist ein Kabinettsbeschluss geplant.
dapd
