Die Geschlechterverteilung in dualen Ausbildungsberufen hat sich in den vergangenen Jahren nur minimal verändert. Frauen entscheiden sich eher für gestalterische Berufe, Männer für Mechanisches. Den Betrieben geht damit Fachkräftepotenzial verloren. Kleine Ausnahmen gibt es aber.

Männer werden Mechaniker und Frauen Friseurinnen: So war das auch im Jahr 2012. Trotz Maßnahmen wie den "Girls' and Boys' Day", um die Ge schlechterverteilung in dualen Ausbildungsberufen aufzulösen, ist in den vergangenen Jahren nur wenig passiert. Das geht aus neuen Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor.
Seit der letzten Erhebung des BIBB im Jahr 2005 hat sich kaum etwas verändert. Unter den insgesamt 600 dualen Ausbildungsberufen gibt es fast 60, bei denen 2012 der Männeranteil immer noch bei über 80 Prozent liegt. Für 14 Ausbildungsberufe ent schieden sich hingegen fast nur Frauen.
Mehr Bäckerinnen, mehr Flei scher
Dabei ist jedoch eine leichte Tendenz zu erkennen: Frauen wagen es eher, klassi sche Männerberufe zu ergreifen als anders herum: In sieben Berufen ist der Anteil der weiblichen Auszubildenden seit 2005 um mindestens 4 Prozentpunkte gestiegen. Unter Fertigungsmechanikern waren 2012 rund sechs Prozent mehr Frauen als noch 2005 zu finden. Unter Bauten- und Objektbe schichtern lag der Anteil um 5,6 Prozent höher, gefolgt von Bäckern (plus 5,3 Prozent), Malern und Lackierern (plus 5,1 Prozent) Fluggerätemechaniker (plus 5,1 Prozent), Fahrzeuglackierer (plus 4,9 Prozent)und Holzmechanikern (plus vier Prozent).
Nur in einem der weiblich dominierten Ausbildungsberufe stieg dagegen der Männeranteil um mindestens vier Prozentpunkte: Die Männer ent schieden sich, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk zu werden.
Bei einigen Berufsgruppen, wie den Dachdeckern, Stuckateuren oder den Schornsteinfegern ist der ohnehin schon niedrige Frauenanteil im Vergleich zu 2005 dagegen nochmals gesunken.
Schon im Kindergarten ansetzen
"Man kann die jungen Leute nur ermutigen, sich für Berufe zu interessieren, die bislang eher dem anderen Ge schlecht vorbehalten waren, um so ihr Spektrum an Ausbildung schancen zu erweitern"; sagt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. Aber auch Betriebe sollten "stärker über den Tellerrand schauen. Nur so er schließen sie sich alle Potenziale, um die dringend benötigten Auszubildenden zu finden."
Dass gerade Handwerksbetrieben dadurch einiges an Potenzial verloren geht, sieht auch Rudi Baier von der Handwerkskammer für München und Oberbayern. "Betriebe können da aber leider nicht viel daran ändern." Die klassi sche Rollenverteilung müsse schon im Kindergarten aufgelöst werden. "Denn aus einer Jugendlichen, die sich in den Kopf gesetzt hat, in der Tourismus-Branche zu arbeiten, wird keine Stahlarbeiterin mehr."
Wichtiger, als Frauen an klassi sche Männerberufe heranzuführen, ist es laut Baier daher momentan, schlecht Qualifizierte männliche Jugendliche ausbildungsreif zu machen. sch