Wie Handwerksbetriebe Facebook nutzen "Es muss authentisch rüber kommen"

Vor einigen Jahren war Orgelbaumeister und Betriebswirt Oliver Schulte froh, überhaupt Westfalen als Geschäftsfeld zu erreichen. Heute importiert er Orgeln aus England und den USA, um sie zu restaurieren und anschließend anderswo wieder aufzubauen und käme ohne eine englische Website nicht mehr aus. Ein Erfolgsfaktor der Firma Orgelbau Schulte im Bergischen Land: Facebook.

Heidi Roider

Oliver Schulte hat ein Facebook-Profil angelegt über das er seine Kontakte knüpft. - © dhz

Oliver Schulte war anfangs skeptisch, wie er erzählt. "Ein befreundeter Konzertorganist, Paolo Oreni, drängte mich aber immer wieder dazu, doch bei Facebook einzusteigen. Irgendwann habe ich nachgegeben." Das war vor etwa zweieinhalb Jahren. "Am Anfang hatte ich auch keine echte Strategie. Aber es gibt in Facebook eine sehr lebendige Orgelszene, in die ich mich schnell einklinken konnte", erzählt Schulte. So entstand ein reger Austausch und viele hilfreiche Kontakte für seinen Betrieb. "Organisten und Orgelbegeisterte aus der ganzen Welt treffen sich über das Soziale Netzwerk."

Die Firma Orgelbau Schulte in Kürten im Bergischen Land hat sich auf die Restaurierung von anglo-amerikanischen Orgeln spezialisiert. - © Orgelbau Schulte
Orgelbau Schulte

Mittlerweile hat Oliver Schulte knapp 3.200 Bekannte. Sein bisher größter Erfolg für ihn: die Akquirierung eines Projekts über Facebook, bei dem er und sein Team eine Kirchenorgel aus England importierten, sie nun in der Werkstatt in Kürten restaurieren und Ende des Jahres in Portugal wieder aufstellen werden. Facebook alleine hätte aber nicht ausgereicht, um den Betrieb da hin zu bringen, wo er heute steht.

Spezialisierung auf anglo-amerikanische Orgeln

Vor zirka vier Jahren stand der Betrieb kurz vor dem Aus. "Mein Vater Siegfried Schulte hatte noch die Chance, neue Instrumente zu bauen." Er hatte den Familienbetrieb 1955 gegründet. Regionale Aufträge haben damals noch ausgereicht. Bis in die 90er Jahre hinein läuft der Betrieb auch gut. Oliver Schulte macht in dieser Zeit seine Ausbildung im väterlichen Betrieb, absolviert 2004/05 die Meisterschule und übernimmt den Betrieb ein Jahr später.

Die Branche bekommt jedoch die Sparmaßnahmen der Kirche immer stärker zu spüren: immer weniger Gemeinden können sich ein neues Instrument leisten. "Viele meiner Kollegen haben aufgehört", erzählt Schulte. Und auch bei den Schultes blieben die Aufträge aus. "Dann hatten wir 2007 die Möglichkeit, eine Orgel zu restaurieren." Das nötige Know-How hatte sich der Orgelbaumeister in einer Firma im Schwarzwald angeeignet, bei der er gleich nach seiner Lehrzeit ein Jahr lang gearbeitet hatte.

Eine Bonner Kirchengemeinde hatte "einen Haufen unsortierter Orgelteile" über einen Zwischenhändler gekauft und suchte einen Handwerksbetrieb, der daraus wieder ein Instrument baute. "Wir haben den Auftrag bekommen und schnell festgestellt, dass es im Kern noch eine tolle Substanz war", erzählt Schulte. Für diese Restaurierung war er sogar in England, um sich Rat bei Kollegen zu holen. "Heute ist sie die größte englisch-romantische Orgel auf dem europäischen Festland."

Nach dieser Restaurierung spricht sich das Know-How der Firma Orgelbau Schulte schnell rum. "Darüber haben wir allmählich eine Nische für uns gefunden", sagt Schulte. Er und seine vier Mitarbeiter restaurieren heute in der Werkstatt im Bergischen Land fast ausschließlich anglo-amerikanische Orgeln. Facebook hilft dabei, das Unternehmen noch bekannter zu machen und wichtige Kontakte zu knüpfen.

Entweder mit Engagement oder gar nicht

Bei Facebook einzusteigen, empfiehlt er aber nur Kollegen, die sich damit auch gern beschäftigen. "Man sollte schon einen Draht zum Computer haben, ansonsten sollte man es lassen", sagt Schulte. Denn nur wer auch was Vernünftiges poste, bekomme etwas zurück und es müsse auf jeden Fall authentisch sein. Für ihn sei es eine Art Hobby, auch seine Homepage hat er selbst gestaltet.

Nacheifern tun ihm bisher aber nur wenige. Schulte: "Ich denke sagen zu können, dass ich, vielleicht sogar mit Abstand, der Aktivste meiner Zunft in Deutschland im Bereich Social Media bin. Vielleicht manchmal belächelt, aber mit messbarem Erfolg."

Auch die neuesten Zahlen des Hightech-Verbandes Bitkom zeigen, dass sich vor allem kleinere Unternehmen immer noch schwer tun. Laut einer Umfrage haben Unternehmen, die nicht in Sozialen Medien aktiv sind, zum Beispiel rechtliche Bedenken oder der Aufwand ist ihnen zu hoch. Allerdings entwickle sich Social Media zu einem wichtigen Wertschöpfungsfaktor. Nach Ansicht von Bitkom werden Kontakte in sozialen Netzwerken Teil des alltäglichen Kundenservice. Jedes Unternehmen sollte daher den Einsatz von Social Media gewissenhaft prüfen, um seine Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden.

Oliver Schulte hat mittlerweile etwas Neues für sich entdeckt. Wer ihm bei der Arbeit zusehen möchte, kann dies bei Youtube tun. Wer von seinen Erfahrungen lernen möchte, kann das Anfang Juni in dem Workshop "Soziale Medien und Handwerk" der Handwerskammer Köln tun.

Die Homepage von Orgelbaumeister und Betriebswirt Oliver Schulte ist unter orgelbau-schulte.de erreichbar. Über seine Homepage sind auch Bildergalerien über seine Projekte verfügbar.