ZDH-Forum "Es ist Zeit für Pragmatismus, Realpolitik und echte Reformen"

Nach zwei Jahren Ampel ist die Unzufriedenheit im Handwerk groß, wie beim ZDH-Forum deutlich wurde. Handwerkspräsident Jörg Dittrich forderte die anwesenden Politikerinnen und Politiker auf, ihren Ankündigungen endlich Taten folgen zu lassen.

Die Gäste beim ZDH-Forum: Links: Die politische Bundesgeschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen Emily May Büning und SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert. Rechts (n. li.): Handwerkspräsident Jörg Dittrich, CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann und FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai. - © ZDH/Ronja Schultze

Das Handwerk ist mit der Halbjahresbilanz der Ampelregierung gar nicht bis wenig zufrieden. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer spontanen Umfrage unter den rund 300 Vertretern der Handwerksorganisation beim ZDH-Forum mit dem Titel: "Wie viel Fortschritt hat die Ampel für den Wirtschaftsstandort gewagt?" Nur zwölf Prozent der Befragten zeigten sich zufrieden oder sehr zufrieden. Bei der Opposition sah es nicht viel besser aus. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist, so zeigt sie doch, dass in vielen Handwerksunternehmen angesichts hoher Energiepreise, fehlender Fachkräfte und einer überbordenden Bürokratie der Unmut deutlich zunimmt.

Dittrich: Ankündigungen müssen Taten folgen

Von der Politik fordert Handwerkspräsident Jörg Dittrich denn auch klare Ziele und deren schnelle Umsetzung. "Es ist Zeit für Pragmatismus, Realpolitik und echte Reformen", sagte er. Politischen Ankündigungen müssten endlich Taten folgen. Ziel müsse es sein, die Standortbedingungen in Deutschland langfristig zu verbessern, sagte er in Richtung der Diskutanten auf dem Podium, der politischen Geschäftsführerin der Grünen, Emily May Büning, sowie den Generalsekretären Kevin Kühnert (SPD), Bijan Djir-Sarai (FDP) sowie Carsten Linnemann (CDU).

Handwerk will Weg zu wettbewerbsfähigen Energiepreisen sehen

Angesichts der hohen Energiekosten forderte Dittrich, endlich einen Weg zu wettbewerbsfähigen Energiepreisen aufzuzeigen. "Die Stimmung ist so, dass die Leute das Gefühl haben, dass es keinen umsetzbaren Plan gibt", warnte er die Politiker. Die Menschen wollten wissen, wo die grundlastfähige Energie herkomme. Kühnert verwies auf die Erfolge beim Ausbau der erneuerbaren Energien, ohne zu bestreiten, dass die Preise immer noch hoch sind. Dies hänge aber mit dem Strommarkt-Design zusammen, wonach der teuerste eingespeiste Strom aus fossiler Energie den Preis vorgebe. Deshalb müsse jede Gelegenheit genutzt werden, den Ausbau der Erneuerbaren voranzutreiben. Das ist für CDU-Politiker Linnemann zu wenig: "Es brennt gerade in Deutschland. Die Firmen wandern ab", sagte er und forderte, jede Energiequelle – auch die Atomkraft – wieder in Betracht zu ziehen. Emily May Büning von den Grünen betonte mit Blick auf die Grundlastfähigkeit, die sogenannte Kraftwerkstrategie sei in Arbeit.

Seiger: Lieferkettensorgfaltsgesetz ist Unding fürs Handwerk

Wie viel Ärger das Handwerk mit der Bürokratie hat, machte Willi Seiger, Präsident des Metallhandwerks, am Lieferkettensorgfaltsgesetz deutlich. Die Anforderungen seien für Handwerksbetriebe nicht zu schaffen. Kleinere Betriebe könnten die an sie gestellten Fragen nach Kinderarbeit oder Umweltschutz in der gesamten Lieferkette schlicht und einfach nicht beantworten. Für sie sollte deshalb eine Ausnahme gelten, so die Forderung der Handwerker. Grünen-Politikerin Büning verwies auf die sogenannten Praxischecks, mit denen Bürokratiepflichten vereinfacht werden sollen.

Peteranderl: Endlich mehr Geld für berufliche Bildung

Heftige Kritik äußerte Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, an der Subventionspolitik der Bundesregierung. Während profitable Unternehmen wie Intel bei ihren Investitionen in Deutschland mit Milliardenbeträgen unterstützt würden, werde das Handwerk als Ausbilder der Nation in der beruflichen Bildung mit Almosen abgespeist. Im nächsten Haushalt seien dafür gerade einmal 110 Millionen Euro vorgesehen. Die Universitäten bekämen deutlich mehr. Auch den Nachwuchskräften im Handwerk müsste ein adäquates und attraktives Ausbildungsumfeld geboten werden. Dafür brauche es mehr Geld.

Mit Blick auf den jüngst verabschiedeten 14-Punkte-Plan für mehr Wohnungsbau forderte Dittrich die Politik auf, diesen schnell umzusetzen. "Wir fahren gerade mit Vollgas auf eine Betonwand zu", sagte er. Mehr als 50 Prozent der Betriebe im Handwerk hätten etwas mit dem Bau zu tun, mahnte er.