Eigener Stil statt Mainstream "Es ist das Schönste für mich, Emotionen festzuhalten"

Mit 16 Jahren kauft sich Isabel Theis ihre erste Spiegelreflexkamera, mit 18 meldet sie ein Gewerbe an. Heute fotografiert sie vor allem Hochzeiten. Dafür reist sie durch ganz Deutschland und sogar ins Ausland. Ihr Anspruch: nicht nur schöne Bilder liefern, sondern magische Momente verewigen.

Hochzeitspaar
Ein besonderer Tag mit besonders intimen Momenten. Isabel Theis fotografiert viele Hochzeitspaare und versucht dabei immer, Erinnerungen zu schaffen, die beim Anschauen der Bilder wieder lebendig werden. - © Isabel Theis

Kann man Glück festhalten? Isabel Theis kann es und sie liebt es. Die Fotografin hat schon viele magische Augenblicke erlebt und für die Ewigkeit auf Fotopapier gebannt. Hochzeiten, Babybäuche, Paar-Shootings – sie wird für Ereignisse gebucht, die einen besonderen Stellenwert im Leben ihrer Kunden haben. Dabei ist sie immer auf der Suche nach diesen besonderen Momenten, in denen sie selbst unsichtbar wird und die Kunden sie nicht mehr wahrnehmen. Genau dann drückt sie den Auslöser. "Es ist das Schönste für mich, Emotionen festzuhalten", erklärt sie.

Erste Schnappschüsse im Garten

Was heute ihre Leidenschaft und berufliche Nebentätigkeit ist, begann schon in jungen Jahren als Hobby. "Mit 12 oder 13 habe ich eine Digitalkamera bekommen und mit meiner Schwester im Garten Fotos gemacht", erinnert sich die heute 27-Jährige, die in Spickendorf aufgewachsen ist und heute in Brehna lebt. Doch beim spielerischen Knipsen bleibt es damals nicht. Im Internet liest sie sich Wissen über das Fotografieren an und kauft sich mit 16 Jahren ihre erste Spiegelreflexkamera. Mit viel selbst angeeignetem Wissen und etwas Erfahrung entschließt sich Isabel Theis mit gerade einmal 18 Jahren für einen großen Schritt und meldet ein eigenes Gewerbe an. Mit diesem handwerklichen Nebengewerbe ist sie in der Familie damals und heute in guter Gesellschaft. "Mein Papa hat eine Autolackiererei und meine Mama arbeitet dort im Büro. Wir waren so stolz, als ich mich selbstständig gemacht habe", berichtet sie.

Shootings in ganz Deutschland

Isabel Theis
Ihre Leidenschaft für das Fotografieren hat Isabel Theis schon in der Kindheit entwickelt. Heute bietet sie unter anderem Hochzeits-, Porträt-, Familien- und Paar-Shootings an. - © Isabel Theis

Auf Facebook beginnt die Schülerin damals, Werbung für sich zu machen, und erhält erste Aufträge. Im Jahr 2019 tut sich für ihr kleines Business einiges. "Ich bin auf Instagram aktiv geworden und dann ging es richtig los. Ich wurde für Familienfotos gebucht und auch für mein erstes Hochzeits-Shooting. Ich wollte immer Hochzeiten fotografieren, aber vor dem ersten Mal hatte ich wirklich Respekt", erinnert sich die Fotografin.

Die Coronajahre laufen schleppend. Trauungen werden verschoben oder in sehr kleinem Rahmen gefeiert, sodass Fotografen kaum gebucht werden. Doch 2024 wird wieder viel geheiratet und Isabel Theis wird für zwölf Hochzeiten gebucht – der Auftakt für ein bis heute gut laufendes Business. Über ihre Webseite, Social-Media-Profile und vor allem über Mundpropaganda kommen viele Aufträge zustande. 2026 stehen neben anderen Buchungen allein 14 Hochzeiten im Kalender der Fotografin. "Die Aufträge kommen aus ganz Deutschland und einer auch aus Liechtenstein. Besonders freue ich mich auf mein erstes Hochzeits-Shooting an der Ostsee und eine Hochzeit am Königsee, die 2030 stattfinden wird", erzählt sie.

Eigener Stil statt Trend

Der Charakter ihrer Fotos hat sich über die Jahre verändert. Dabei geht die Fotografin nicht um jeden Preis mit dem Trend, sondern setzt erfolgreich auf ihren eigenen Stil. Doch nicht nur den hat sie weiterentwickelt. Auch ihr Konzept ist heute sehr professionell. In Verträgen, die sie mit den Kunden durchspricht, ist alles geregelt, sodass keine Missverständnisse entstehen können. Im Krankheitsfall – den es noch nie gab – steht ein Backup-Fotograf bereit. Zudem hat sie über die Jahre ein Netzwerk aus Make-up-Artisten, Deko-Feen, Hochzeitsplanern, Videografen und Floristen aufgebaut und kann Kunden auf Wunsch Kontakte vermitteln.

Bilder in der Holzbox

Isabel Theis’ Tage sind lang. Ihren Vollzeitjob in Leipzig beginnt sie früh am Morgen, damit nach Feierabend noch Zeit für die Fotografie bleibt. Vorgespräche mit Kunden, Vorbereitungen für Shootings, Reiseplanungen, Bildbearbeitungen am Rechner, das Zusammenstellen der Fotoprodukte – das alles gehört dazu, und die Fotografin nimmt sich viel Zeit, um alles besonders persönlich und liebevoll zu gestalten. "Die fertigen Bilder versende ich in einer personalisierten Holzbox, die ein Tischler in Litauen anfertigt. Darin befinden sich entwickelte Bilder und ein USB-Stick mit digitalen Fotos", erzählt sie. Ihr Partner, die Familie und Freunde haben Verständnis dafür, dass für sie oft wenig Zeit bleibt, und unterstützen ihre Isa in stressigen Phasen.

Zwillingsschwester als Model
Um Neues auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln, holt Isabel Theis gern ihre Zwillingsschwester als Model vor die Kamera. - © Isabel Theis

Das sind genau wir

Dass sie mit ganzem Herzen dabei ist, spürt man, wenn Isabel Theis von ihren Shootings erzählt. Sie ist eine "People Person" – jemand, den man zum ersten Mal trifft, der aber so locker, freundlich und natürlich ist, dass man das Gefühl hat, man kennt sich schon ewig. So überrascht es nicht, als sie berichtet, dass sie auf Hochzeiten zumeist wie ein Gast aufgenommen wird und auch nach den Events viel positives Feedback von ihren Kunden erhält. Sie behalte alle Danksagungskarten und wisse es generell sehr zu schätzen, dass sie in so intimen Momenten dabei sein dürfe, so Isabel Theis. Sie freue sich einfach, wenn die Kunden durch ihre Bilder den Tag des Shootings noch einmal erleben können und beim Blick auf die Fotos denken: Das sind genau wir.

Und wie sieht die Zukunft aus? Wird aus einem geliebten Nebengewerbe vielleicht irgendwann ein Vollzeitjob? Für Isabel Theis durchaus vorstellbar: "Noch ist die Zeit nicht reif, aber ich denke es wird irgendwann mal dazu kommen."