Der Ölmarkt fährt Achterbahn
Es geht wieder Richtung 100 Dollar
„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ ist das passende Etikett des Rohöljahres 2008. So kletterte der Preis im ersten Halbjahr auf 147 Dollar. Der Glaube an die vom Konjunkturzyklus der Industrienationen entkoppelten aufstrebenden Volkswirtschaften, ein schwacher US-Dollar, ein Tsunami an institutionellem Anlagekapital und geopolitische Konflikte in wichtigen Rohölstaaten waren die Hauptzutaten des Preiscocktails. Die Wende begann mit der Aufwertung des Dollars, der ab Mitte Juli zunehmend davon profitierte, dass auch Europa in den Strudel der Finanzkrise geriet. Der Absturz des Ölpreises ging in den freien Fall über, als sich der Kapitalmarkt angesichts der Wachstumsabschwächungen in den Schwellen- und Entwicklungsländern auch von der Entkopplungstheorie verabschieden musste und der Risikoappetit der Investoren nach der „Lehman-Pleite“ auf einen Tiefpunkt fiel. Fokussierte der Markt im ersten Halbjahr viel zu eindimensional die vermeintlich zu knappe Angebotsseite, so engstirnig konzentriert er sich im zweiten Halbjahr auf die scheinbar endlose Schwäche der Nachfrageseite. Natürlich wird die Weltrezession 2009 den Rohölkonsum belasten. Doch fällt diese Belastung bei Preisen um 50 Dollar geringer aus, als wenn Rohöl weiterhin dreistellig notierte. Zudem wirken die gesunkenen Preise als nicht zu unterschätzender Konjunkturstimulus. Auch die angebotsseitige Reaktion der OPEC wird dafür sorgen, dass sich die Angebot-Nachfrage-Relation im zweiten Halbjahr wieder anspannt. Unsere Diagnose lautet: So kurzlebig die Preisspitze im Frühsommer gewesen ist, so flüchtig wird auch das aktuelle Preistief sein. Mittel- bis langfristig wird sich der Rohölpreis wieder in Richtung der 100-Dollar-Marke bewegen.
