Grüne Jugend war die Partei vor "Beliebigkeit" "Es darf nicht nur um Stimmenmaximierung gehen"

Die Grüne Jugend warnt angesichts des Höhenflugs der Partei vor einer Verwässerung der eigenen Inhalte. Es sei richtig, die Umfragen im Auge zu behalten, "aber es darf nicht nur um Stimmenmaximierung gehen", sagte die Sprecherin der Grünen Jugend, Gesine Agena, im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd in Berlin.

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"Es darf nicht nur um Stimmenmaximierung gehen"

Berlin (dapd). Die Grüne Jugend warnt angesichts des Höhenflugs der Partei vor einer Verwässerung der eigenen Inhalte. Es sei richtig, die Umfragen im Auge zu behalten, "aber es darf nicht nur um Stimmenmaximierung gehen", sagte die Sprecherin der Grünen Jugend, Gesine Agena, im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Die Grünen müssten offen diskutieren, was der Erfolg mit der Partei mache. Der Grünen-Nachwuchs will am Wochenende bei einem Bundeskongress in Würzburg über das Thema debattieren.

Die Diskussion sei dringend nötig, "weil die Grünen vor ganz neuen Herausforderungen stehen", sagte Agena. In Umfragen fährt die Partei seit Monaten Rekordwerte ein. Auch bei den jüngsten Landtagswahlen waren die Grünen zuletzt erfolgreicher denn je. In Baden-Württemberg stellen sie erstmals den Ministerpräsidenten. Die Herausforderung sei, "die Umfragewerte zu halten, aber nicht Grundüberzeugungen aufzugeben", mahnte die Jung-Grüne.

"Wir brauchen gesellschaftliche Visionen und dürfen nicht der Beliebigkeit verfallen", sagte Agena. Trotzdem müssten auch die Grünen ehrlich sein und dürften nichts versprechen, was nicht einzuhalten sei. Aber das Argument, für bestimmte Vorhaben sei kein Geld da, gelte nicht immer. Schließlich könnten auch die Einnahmen gesteigert werden - etwa durch höhere Steuern für Gutverdiener. Auch darüber müssten die Grünen nachdenken.

Die Grünen dürften sich nicht einfach an bestehende Verhältnisse anpassen, sondern müssten den Anspruch haben, diese zu verändern. Die Partei müsse ihre Ideen konsequent in die Gesellschaft tragen, sagte Agena. "Jetzt hören uns deutlich mehr Leute zu als zu Zeiten als Zehn-Prozent-Partei." In der Integrationspolitik etwa müssten die Grünen klar ihre Positionen vertreten und Rassismus und Vorurteilen in der Mitte der Gesellschaft klar widersprechen. "Wenn die Umfragen darunter leiden, dann ist das eben so." Die eigenen Standpunkte dürften nicht untergehen.

"Wir dürfen nicht unser Programm eindampfen, der Mitte hinterherlaufen und so tun, als könnten wir mit allen", betonte Agena. Von der CDU etwa seien die Grünen bei vielen inhaltlichen Stellen meilenweit entfernt, zum Beispiel in der Sozial- oder in der Integrationspolitik. Daran ändere auch eine mögliche Annäherung beim Thema Atom nichts.

Die Grüne Jugend kommt am Freitag zu einem dreitägigen Bundeskongress in Würzburg zusammen. Am Freitagabend diskutieren die Delegierten mit Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke und dem bayerischen Landeschef Dieter Janecek über die Frage, wie die Grünen mit dem aktuellen Hoch umgehen sollen. Ein Schwerpunkt des Kongresses ist das Thema Netzpolitik.

dapd