Bis 2045 schrumpft die Erwerbsbevölkerung bundesweit um 4,7 Prozent – in Thüringen oder Sachsen-Anhalt um bis zu 18 Prozent. Eine neue Regionalstudie zeigt, wo der Wettbewerb um Arbeitskräfte besonders hart wird.

Die Bevölkerung in Deutschland wird sich in den kommenden Jahren regional sehr unterschiedlich entwickeln und insgesamt zurückgehen. "Bis 2045 wird ein moderater Rückgang auf rund 81,8 Millionen Menschen erwartet", sagte Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Das sind rund 1,7 Millionen Menschen weniger als Ende 2025. Besonders betroffen seien ländliche Regionen. Großstädte und ihr Umland legten dagegen eher zu, heißt es in der Studie. Dies hat auch Auswirkungen auf die Zukunftsfähigkeit ganzer Landstriche.
Ostdeutschland driftet auseinander
Besonders in Ostdeutschland gibt es große Unterschiede. Während der Kreis Dahme-Spreewald vor den Toren Berlins bis 2045 voraussichtlich um 17 Prozent wächst und auch Berlin, Leipzig, Potsdam und Dresden zulegen dürften, dürfte Suhl in Südthüringen rund 30 Prozent der Bevölkerung verlieren, hieß es. Unter dem Strich liegen der Untersuchung zufolge 42 der 50 Regionen mit den stärksten Bevölkerungsverlusten in Ostdeutschland.
Große Unterschiede auch im Westen
Dabei ist die Schrumpfung der Bevölkerung durchaus "kein ostdeutsches Phänomen", wie Studienleiter Adrián Carrasco Heiermann betonte. Auch im Westen seien die regionalen Entwicklungen sehr verschieden. "Während das Saarland weiter Bevölkerung verliert, dürften Städte wie Frankfurt am Main oder Düsseldorf wachsen", erklärte er. Auch München und sein Umland sowie weitere Regionen im Süden der Republik legten der Prognose zufolge weiter zu.
Zukunftsfähigkeit: Bayern baut Spitzenstellung weiter aus
Das wirkt sich auch auf die Gesamtbewertung der Zukunftsfähigkeit aus. Im Deutschland-Ranking setzt sich nach den Studienergebnissen Bayern an der Spitze immer deutlicher ab. 18 der 20 bestplatzierten Kreise und kreisfreien Städte liegen heute in Bayern. Dagegen verliert Baden-Württemberg etwas, rangiert aber immer noch unter den stärksten Regionen Deutschlands, sagte Heiermann. Unter den 100 letztplatzierten Regionen finden sich aber auch westdeutsche Großstädte wie Bremen, Duisburg, Lübeck, Salzgitter und Kaiserslautern oder Regionen wie der Kreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen.
Schlechtere Aussichten für manche ostdeutsche Region
Verschlechtert hat sich die Situation in Ostdeutschland. Am unteren Ende der Skala der 20 Kreise und kreisfreien Städte mit den schwächsten Gesamtbewertungen liegen heute zwölf ostdeutsche – darunter etwa die Stadt Suhl und der Kreis Sonneberg. Bei der letzten Untersuchung waren es nur fünf gewesen. Die positive Entwicklung vieler ostdeutscher Regionen setze sich damit nicht gleichermaßen fort, hieß es.
Vielerorts verschärft sich der Wettbewerb um Fachkräfte
Die Bevölkerungsentwicklung beeinflusst auch das Fachkräftepotenzial. "Die Babyboomer gehen, weniger Jüngere rücken nach. So verschärft sich der Wettbewerb um Arbeitskräfte in sehr vielen Regionen", sagte Hinz. Insgesamt werde die Bevölkerung im Erwerbsalter bundesweit um 4,7 Prozent schrumpfen. "In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland beträgt der Rückgang sogar rund zwölf bis 18 Prozent", hieß es mit Blick auf die Prognose.
Für die Studie hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung gemeinsam mit der Wüstenrot-Stiftung zum fünften Mal 400 Kreise und kreisfreie Städte untersucht. Dabei fließen in das bundesweite Bewertungssystem 26 Indikatoren aus Demografie, Wirtschaft, Bildung und sozialen Bedingungen ein.
