Die Talsohle scheint durchschritten: In der Frühjahrskonjunkturumfrage von Creditreform im deutschen Mittelstand zeigt sich eine konjunkturelle Erholung. Allerdings scheint der Aufschwung noch kraftlos zu sein.
Erwartungen im Mittelstand hellen sich auf
Gut ein Drittel der befragten 4.100 kleinen und mittleren Unternehmen antwortete auf die Frage nach der aktuellen Geschäftslage mit sehr gut oder gut. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Anteil leicht erhöht. Die Noten mangelhaft oder ungenügend wurden seltener vergeben als 2009. Allerdings sind noch immer 10,8 Prozent der Unternehmen mit der Geschäftslage unzufrieden (Vorjahr: 13,8 Prozent).
Bessere Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe
Die Einschätzungen der Geschäftslage in den einzelnen Wirtschaftsbereichen zeigt ein ambivalentes Konjunkturbild des deutschen Mittelstandes: Eine bessere Geschäftslage als vor einem Jahr melden Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes und Dienstleister. Schlechter als 2009 sind die Bewertungen im Handel und im Baugewerbe.
Die Auftrags- und Umsatzlage des Mittelstandes bessert sich: 22,0 Prozent der Unternehmen konnten steigende Auftragseingänge verbuchen – doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Bei jedem dritten Befragten gingen die Aufträge zurück. Steigende Auftragseingänge melden per Saldo die Firmen des Kredit- und Versicherungsgewerbes, der Elektrotechnik, der Informations- und Kommunikationstechnik, der Chemiebranche sowie des Grundstücks- und Wohnungswesens. Ein überdurchschnittliches Minus verzeichnen Einzelhandel, Ausbaugewerbe, Verkehr/Logistik sowie Nahrungs- und Genussmittelhersteller.
Die Hälfte des starken Umsatzeinbruchs im vergangenen Frühjahr konnte 2010 wieder wettgemacht werden. Jedes fünfte Unternehmen verbuchte einen Umsatzanstieg; 37,7 Prozent der Befragten berichten von Umsatzrückgängen. Im Vorjahr musste jeder Zweite ein Umsatzminus hinnehmen, lediglich 10,7 Prozent der Unternehmen konnten damals einen Zuwachs melden. Ein hoher Anteil an Unternehmen mit Umsatzrückgängen findet sich aber weiterhin im Einzelhandel und im Ausbaugewerbe.
Stabilität auf dem Arbeitsmarkt
Der Mittelstand sorgt für Stabilität auf dem Arbeitsmarkt: Fast zwei Drittel der Unternehmen (63,7 Prozent) hat die Mitarbeiterzahl im Verlauf der vergangenen sechs Monate unverändert gelassen. 15,0 Prozent (Vorjahr: 11,1 Prozent) der Mittelständler haben zusätzliches Personal eingestellt, 20,9 Prozent waren zu Entlassungen gezwungen. Bei ihren Neueinstellungen setzen die Unternehmen verstärkt auf flexiblere Beschäftigungsverhältnisse: 15,6 Prozent der Betriebe stellten Mitarbeiter auf Teilzeitbasis ein, jeder Zehnte (10,2 Prozent) schuf 400-Euro-Jobs. Drei Viertel der Unternehmen (74,2 Prozent; Vorjahr: 78,8 Prozent), die aufgestockt haben, verstärkten sich mit Vollzeitkräften.
Erwartungen hellen sich auf
Die Umsatzerwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich deutlich aufgehellt. Knapp ein Drittel der Unternehmen (31,0 Prozent) rechnet mit einem Umsatzanstieg – im vergangenen Jahr waren nur 17,2 Prozent der Befragten optimistisch. Der Anteil der Firmen, die Umsatzrückgänge befürchten, sinkt von 38,2 Prozent im Frühjahr 2009 auf aktuell nur noch 17,5 Prozent. In allen Wirtschaftsbereichen sind die Unternehmen zuversichtlicher geworden. Am optimistischsten sind derzeit die Wirtschaftsbereiche Chemische Industrie sowie IKT-, Finanz- und Personendienstleistungen. Mit weiteren Umsatzeinbußen rechnen dagegen der Einzelhandel und die Holz- und Papierbranche.
Der Umfrage zufolge werden die mittelständischen Unternehmen in den kommenden Monaten mehr Neueinstellungen vornehmen: 18,2 Prozent der befragten Unternehmen (Vorjahr: 10,5 Prozent) planen, die Beschäftigtenzahl aufzustocken – einen Stellenabbau sehen 10,4 Prozent der Mittelständler vor (Vorjahr: 17,2 Prozent).
Der Anteil der investitionsbereiten Unternehmen im Mittelstand steigt auf 44,3 Prozent (Vorjahr: 41,4 Prozent). Dabei bleibt der aktuelle Wert aber um 4,7 Prozentpunkte hinter dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre zurück. Anders als im vergangenen Jahr (46,9 Prozent), planen die Unternehmen im Frühjahr 2010 wieder mehr Erweiterungsinvestitionen. 50,3 Prozent der Befragten wollen zusätzliche Fertigungskapazitäten schaffen. Zudem erhöhen die Mittelständler den Umfang ihrer Investitionsausgaben: Wenn investiert wird, dann in 86,5 Prozent der Fälle mit einem höheren oder zumindest gleichgebliebenen Budget (Vorjahr: 78,2 Prozent der Fälle).
Kreditbedingungen weiter restriktiv
Für den Mittelstand ist es schwieriger geworden, Kredite zu bekommen. Jedes sechste Unternehmen (16,7 Prozent), das Verschärfungen beim Kreditzugang erlebte, berichtet im Frühjahr 2010 von einer Ablehnung des Kreditgesuchs. Hiervon überdurchschnittlich betroffen sind Bauunternehmen (19,6 Prozent) sowie junge Firmen. Fast 30 Prozent der 2008 und 2009 gegründeten Betriebe wurde der Kredit verweigert. Etablierte Unternehmen, mit mehr als zehnjähriger Marktzugehörigkeit, trifft es weniger (13,3 Prozent).
Ohne hohe Sicherheiten gibt es keinen Kredit – 84,4 Prozent der Unternehmen nennen die gestiegenen Anforderungen der Banken bezüglich der zu stellenden Sicherheiten als problematisch. 35,3 Prozent mussten höhere Risikoaufschläge in Kauf nehmen. Eine grundlegende Entspannung der Finanzierungssituation zeichnet sich aus Sicht der befragten Unternehmen nicht ab. 91,4 Prozent der Mittelständler rechnen bei der künftigen Kapitalaufnahme mit Schwierigkeiten. Vor einem Jahr waren erst 84,6 Prozent der Befragten skeptisch.
dhz