Es war um 2.13 Uhr, als am Donnerstag vergangener Woche auf der Ostsee an Bord des italienischen Spezialschiffs "Castoro 6" die Gläser klangen. Mit alkoholfreien Getränken feierte die 330 Mann zählende Besatzung tief in der Nacht im Seegebiet vor der schwedischen Insel Gotland.
Erster Strang der Ostseepipeline komplett verlegt
Lubmin (dapd). Es war um 2.13 Uhr, als am Donnerstag vergangener Woche auf der Ostsee an Bord des italienischen Spezialschiffs "Castoro 6" die Gläser klangen. Mit alkoholfreien Getränken feierte die 330 Mann zählende Besatzung tief in der Nacht im Seegebiet vor der schwedischen Insel Gotland. Kurz zuvor war das letzte, mit einer Endkappe verschlossene Rohrsegment an den Leitungsstrang der Ostseepipeline angeschweißt und auf den Meeresgrund gesetzt worden.
Binnen eines Jahres hatten drei Verlegeschiffe die 1.224 Kilometer lange Trasse von Russland nach Deutschland zusammengesetzt und versenkt. Nun beginnt die Endmontage.
Voraussichtlich im Oktober oder November soll das erste sibirische Erdgas nach Lubmin fließen. Doch bis es soweit ist, werde die neue Leitung noch etlichen Tests unterzogen, sagt Projektleiter Georg Nowack vom Betreiberkonsortium Nord Stream. Denn bislang befinden sich drei separat verlegte und somit voneinander getrennte Trassenabschnitte auf dem Ostseegrund.
Zwei von ihnen, die Leitungen im Finnischen Meerbusen und in der zentralen Ostsee, wurden inzwischen erfolgreich einem ersten 24-stündigen Drucktest unterzogen und dabei gleichzeitig gereinigt. Dazu wurde Meerwasser in die geschlossenen Systeme gepresst. Anschließend wurden vier sogenannte Molche mit einer Geschwindigkeit von zweieinhalb Kilometern pro Stunde durch die Rohrleitung gejagt. Der Drucktest für den dritten Abschnitt vor der deutschen Küste soll Ende Mai beginnen.
Inzwischen begannen auch die Vorbereitungen zum Verschweißen der drei Trassenabschnitte. Etwa 675 Kilometer vor der russischen Küste ankert seit einigen Tagen das norwegische Spezialschiff "Skandi Arctic", um die aufwendige Prozedur in 80 Metern Tiefe vorzubereiten. "Zum ersten Mal überhaupt sollen unter Wasser Rohre mit einem Durchmesser von etwa 1,20 Metern in größerer Wassertiefe automatisch miteinander verbunden werden", sagt Nowack.
Dazu werden zunächst zwei jeweils bis 150 Tonnen hebende Haltevorrichtungen auf die beiden Leitungen gesetzt. Anschließend werden die Rohrenden, überwacht von französischen Spezialtauchern, angehoben, auf Maß gekürzt und zum Verschweißen in Position gebracht.
Die sogenannte goldene Schweißnaht wird dann in einer mit Luft gefüllten Spezialkammer gezogen, die zuvor über die beiden Rohrenden aufgesetzt wird. Im Juni soll in 110 Metern Tiefe vor Gotland auch die Hauptleitung mit der nach Deutschland führenden Trasse verbunden werden.
Anschließend wird der gesamte Leitungsstrang ausgepumpt und getrocknet. Etwa zeitgleich wird am Lubminer Ufer die Ostseepipeline an die ebenfalls fast fertiggestellten Ostseepipeline-Anbindungsleitung (OPAL) angedockt. Bis zu 27,5 Milliarden Erdgas sollen dann jährlich durch diese Leitung nach Europa fließen. Für Ende 2012 ist die Inbetriebnahme des zweiten Strangs vorgesehen. Die ersten 40 Kilometer wurden inzwischen schon verlegt.
dapd
