"Die meisten freuen sich und winken" - Microsoft startet Aufnahmen für seinen Online-Kartendienst Erste "Streetside"-Autos fahren durch Nürnberg

Zum Start der Filmaufnahmen für seinen Online-Kartendienst "Streetside" hat der US-Konzern Microsoft am Dienstagnachmittag in Nürnberg die Presse eingeladen. Zu dieser Zeit sind kaum Fußgänger in der Wohn- und Bürogegend im Osten der fränkischen Stadt unterwegs.

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Erste "Streetside"-Autos fahren durch Nürnberg

Nürnberg (dapd-bay). Zum Start der Filmaufnahmen für seinen Online-Kartendienst "Streetside" hat der US-Konzern Microsoft am Dienstagnachmittag in Nürnberg die Presse eingeladen. Zu dieser Zeit sind kaum Fußgänger in der Wohn- und Bürogegend im Osten der fränkischen Stadt unterwegs. Unbehelligt fährt der Spezialwagen der Firma Navteq mit seiner auffällig auf dem Dach montierten 360-Grad-Kamera die Bartholomäusstraße mehrmals auf und ab. Begleitet wird er von etwa zwei Dutzend Fotografen und Kamerateams - von wütenden Anwohnern keine Spur.

"Die meisten freuen sich und winken, wenn sie uns sehen", berichtet Antonio Radic. Der 29-jährige Geologe aus München ist der Fahrer des Spezialfahrzeugs, eines Golf-Kombi, und seit dem Morgen im Stadtgebiet unterwegs.

Sein deutlich älterer Beifahrer, ein Geograf, der Namen und Alter nicht nennen will, ist für die Filmaufnahmen zuständig. Er habe in der komplizierten Technik geschult werden müssen, sagt er. Über eine Tastatur auf seinen Oberschenkeln und einen größeren Monitor, der wie bei einem Navigationsgerät an der Windschutzscheibe angebracht ist, verfolgt er die Route und bedient die schwenkbare Kamera auf dem Dach. Störende Zwischenfälle durch aufgebrachte Einwohner hätten sie bisher nicht erlebt, erzählen die beiden. Manche hätten halt abgewunken.

"Heute haben wir südlich vom Flughafen gefilmt", sagt Radic. Gutes Wetter vorausgesetzt, werden er und sein Kollege in den nächsten Wochen etwa sieben Stunden täglich fahrend und filmend in Nürnberg unterwegs sein, wo Microsoft mit seinen Deutschlandaufnahmen begonnen hat.

"Wir bilden vor allem touristisch interessante Gebiete ab", betont Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner. Neben Sehenswürdigkeiten wie der Kaiserburg seien auch Hotelketten oder die Messe für Kunden interessant - wirtschaftliche Ziele eben, erläutert er.

Derzeit ist neben Radic und seinem Kollegen noch ein zweites Zweier-Team in Nürnberg unterwegs, in der kommenden Woche sollen bis zu zwei weitere Spezialwagen folgen. Sie haben bis Ende Juni Zeit, Nürnberg abzufilmen. Danach sind die angrenzenden Städte Fürth und Erlangen an der Reihe.

Zwar will Microsoft bei "Streetside" vor allem Metropolen mit mehr als 100.000 Einwohnern zeigen. Aber auch ländliche Gebiete werden einbezogen - sofern es dort touristisch interessante Ziele gebe, sagt Baumgärtner und beruhigt sofort: "Bevor die Daten ins Internet kommen, werden wir Gesichter, Autokennzeichen und alle peinlichen, heiklen oder nach Gewalt aussehenden Szenen unkenntlich machen."

Wem das nicht reiche, der könne sein Haus ganz aus dem Dienst löschen, sobald es im Internet stehe. Hierfür müsse er aber seine E-Mail-Adresse angeben, um zu vermeiden, dass jeder einfach so das Firmengebäude seines ungeliebten Konkurrenten verschwinden lassen könne. Sollte doch mal ein Objekt irrtümlicherweise gelöscht werden, könne es wieder sichtbar gemacht werden. "Wir dürfen die Originaldaten zwölf Monate lang aufbewahren", erläutert der Microsoft-Sprecher.

"Ich verstehe die ganze Aufregung um die Daten überhaupt nicht", sagt die Inhaberin einer edlen Boutique auf der Route des Navteq-Autos. Es sei doch egal, ob jemand persönlich an einem Haus vorbeifahre, um es sich genau anzusehen, oder ob er das im Internet mache. "Mich stört das jedenfalls nicht, wenn hier gefilmt wird", betont sie. Die ganze Diskussion sei wieder typisch für die spießigen Deutschen.

dapd