iENA: Viele Aussteller aus dem Handwerk Erfindermesse: Das Treffen der Tüftler in Nürnberg

Ein Drittel der Aussteller auf der Erfindermesse iENA kommt aus dem Handwerk, das auch in diesem Jahr seinen Ruf als Ideenschmiede rechtfertigte.

Horst Buchmann

Lothar Rieke (links) und Sohn André vermarkten ihre Stellschraube gemeinsam. Hier zeigen sie Aufsatzmöglichkeiten auf Styropor – als Alu-Fassade oder als Schienenelement z.B. für Solarmodule. - © Horst Buchmann

Vom Farbwalzenreiniger bis zur Energiespar-Schraube, von der Steckdosen-Bohrvorrichtung bis zum Rasenmäher mit Kantenschnittfunktion: Die Nürnberger Fachausstellung iENA steht für „Ideen, Erfindungen, Neuheiten“ und ist eine wahre Fundgrube auch für handwerksrelevante Innovationen.

Reichlich 9.500 Besucher bestaunten Ende Oktober an vier Messetagen mehr als 700 Produktpräsentationen – für den Bau oder die Elektrotechnik, mitdenkende Maschinen oder praktische Helfer für den Haushalt. Unter den Ausstellern aus 28 Ländern stammt traditionell gut ein Drittel aus Handwerksbetrieben.

Zum 68. Mal seit 1948 trafen sich Erfinder aus aller Welt in Franken, wo schon Weltpremieren wie der Autodachgepäckträger für stehende Fahrräder, das Klappfahrrad oder der Sicherheitsgurt gefeiert wurden.

Schraube als Unterkonstruktion

Eine Lösung für das Problem feuchter und verrottender Häuserdämmungen haben Lothar Rieke und sein Sohn André aus Pfaffschwende (Thüringen) ausgetüftelt: eine Stellschraube aus Kunststoff, mit der sich eine hinterlüftete Fassade problemlos z.B. an Dämmstoffplatten aus Styropor befestigen lässt. Das sorge für Schutz vor Regen wie vor Tierverbiss.

Für die 100 mm lange Schraube mit 60 mm breitem Kopf hat der 61-jährige gelernte Betriebsschlosser ein EU-Patent beantragt. Jede Stellschraube halte als Fassadenunterkonstruktionselement einer Belastung von gut 30 kg stand. Alu-Verbundplatten mit 2,6 k/m2 seien damit ebenso gut zu befestigen wie Solarfassaden (mit oder ohne Schienen-Unterbau) oder auch Werbeschilder.

Ein Spezialklebstoff sorgt für die feste Verbindung. Unebenheiten im Sockelbereich können über die Versenktiefe der Schrauben ausgeglichen werden. Für das Eindrehen hat Lothar Rieke, seit 2006 selbstständiger Fassadenbauer, einen eigenen Halbzoll-Vierkant-Aufsatz für Akkuschrauber entwickelt. Kosten soll die in einer Tochterfirma hergestellte Fassadenschraube „unter zwei Euro“ pro Stück.

Dosenfix spart Zeit

Peter Kleinteich hat den „Dosenfix“ erfunden. - © Horst Buchmann

Peter Kleinteich aus Eisfeld (Thüringen) hat eine Bohrvorrichtung für das Elektrohandwerk entwickelt, mit der die Zentrierlöcher von Hohlwanddosen im Trockenbau oder Unterputzgerätedosen im Massivbau passgenau im Abstand von 71 mm gesetzt werden können.

Sein Dosenfix besteht aus einem wasserwaagenähnlichen Aluminiumträger mit zwei Libellen für waage- und senkrechtes Ausrichten, hat einen Arretierungsstift für das erste Loch und vier gehärtete Bohrbuchsen für die weiteren Löcher. „Eine enorme Zeitersparnis“ verspricht der 60-Jährige durch sein Hilfsmittel, das aufwendiges Messen und Anzeichnen überflüssig macht.

Als Zubehör gibt es eine Zentrierscheibe und einen Zentrierstern, womit bestehende Dosen bzw. Dosenlöcher als Basis für eine Anreihung gewählt werden können; außerdem einen Dosenfräser mit Schnellspannadapter als Bohrmaschinenaufsatz, der passgenaues Ausbohren erlaubt. Kleinteich hat seine „in der Praxis geborene“ Erfindung zum Patent angemeldet. Mit Partner Horst Wirschitzer stellt er sie selbst her. Das komplette Set soll ca. 99 Euro kosten.

Fasern messen Verschleiß

Ein absolutes Hightech-Produkt stellte das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK) aus Rudolstadt vor: polymere Textilfasern, die als Sensoren für Reibungsenergie (Körperschall) in Maschinen und Werkzeugen eingesetzt werden und so den Verschleiß des Geräts messbar machen. Diese „Smart-Maintenance“-Methode ist zerstörungsfrei, die Schadensdiagnose sogar online möglich. Ideal für Nutzer im Maschinen- und Werkzeugbau, wo jede Ausfallzeit zu enormen Zusatzkosten und Kundenverärgerung führe, betont das TITK.