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Anlagestrategien Nachhaltige Geldanlagen: Entscheidend ist der eigene Standpunkt

Nachhaltigkeit ist in – auch bei Geldanlagen. Doch was heißt das eigentlich? Und bringen nachhaltige Anlagen auch Rendite?

Bis in die 1990er-Jahre hinein ließ sich die Frage, was eine nachhaltige Geldanlage ist, ganz einfach beantworten. Wer sein Geld mit gutem Gewissen anlegen wollte, investierte in Windkraft und Solaranlagen. Unter nachhaltigen Anlagestrategien wurden vor allem Investitionen in umweltschonende Technik subsumiert. Nicht nur Einzelunternehmen gingen an die Börse, auch zahlreiche Fonds wurden aufgelegt. Und steuerliche Vergünstigungen machten die Sache attraktiv.

Kundeneinlagen

Heute, wissen Experten, ist die Sachlage deutlich komplizierter. Nicht nur, dass einige der bekannten grünen Starunternehmen spektakulär pleitegingen. Insgesamt ist das Angebot an Finanzprodukten, die sich als nachhaltig bezeichnen, dramatisch gewachsen. Allein in den vergangenen zehn Jahren, so eine Erhebung der Global Sustainable Investment Alliance, hat sich das Volumen nachhaltiger Geldanlagen versechsfacht – weltweit auf 23 Billionen Dollar.

Das liegt auch daran, dass heute nicht mehr nur Unternehmen als nachhaltig bezeichnet werden, die Umweltstandards einhalten. Es gibt auch noch andere Kategorien wie zum Beispiel die Beachtung von Arbeits- und Menschenrechten oder soziales Engagement. Für potenzielle Anleger eine unübersichtliche Situation, die dadurch nicht einfacher wird, dass viele Fonds ihr Geld europaweit oder sogar in der ganzen Welt investieren. Allgemeinverbindliche Standards gibt es somit nicht.

Bei Nachhaltigkeit gibt's kulturelle Unterschiede

Diese zu entwickeln, wäre auch schwierig, wie Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar betont, "denn neben individuellen Wertevorstellungen spielen auch kulturelle Unterschiede eine Rolle". So seien Waffenhersteller in den USA keineswegs so verpönt wie in Deutschland und Kernkraft gilt in Frankeich als nachhaltig.
Wenn man dann noch bedenkt, dass die Herstellung von Solarzellen nicht per se den Einsatz von Kinderarbeit ausschließt, wird das ganze Dilemma deutlich. Schon die Beurteilung von Einzelunternehmen ist vielschichtig, bei Fonds wird es schnell unübersichtlich.

Insgesamt gibt es derzeit alleine in Europa rund 1.600 Fonds, die sich selbst als nachhaltig einstufen und schwer miteinander vergleichbar sind, wie auch Roland Kölsch, Geschäftsführer der Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH (GNG), weiß. "Das Angebot reicht von hochkonzentrierten Investments wie ein Fonds für nachhaltige Aquakultur bis hin zu ganz breit aufgestellten Fonds ohne irgendwelche Nachhaltigkeitsauswahl, die aber einen Teil der Verwaltungsgebühren an solidarische Projekte spenden und sich allein deswegen als nachhaltig bezeichnen."

Dennoch gibt Möglichkeiten, Einblicke und Auskünfte zu bekommen (siehe Kasten). Zum einen wurden inzwischen allgemeinverbindliche Nachhaltigkeitskriterien für Konzerne entwickelt, die unter dem Kürzel ESG, also Environment (Umwelt), Social (soziales Engagement) und Governance (Unternehmensführung), zusammengefasst werden. Zum anderen gibt es heute eine ganze Anzahl von Ratingagenturen, die wie Morningstar auch Fonds anhand ähnlicher Kriterien bewerten.

Fondsgesellschaften arbeiten mit dem Ausschlussprinzip

Dabei die gute Nachricht: Unternehmen, die unter ESG-Kriterien hoch eingestuft werden, arbeiten in der Regel solider und unterliegen weniger Schwankungen als andere. Das Investment unter ESG-Gesichtspunkten zu betrachten, kann also auch etwas über die mögliche Rendite aussagen. Die schlechte Nachricht dagegen: Allein die Tasche, dass Fondsgesellschaften bei der Auswahl ihrer Investitionen ESG-Kriterien anwenden, sagt noch nicht, wie nachhaltig ein Fonds tatsächlich ist.

Eigenkapital

Viele Fondsgesellschaften gehen nach dem Ausschlussverfahren vor. Das heißt, sie investieren kein Kapital in Konzerne, die ihr Geld mit Waffen, Atomkraft, Glücksspiel, Kinderarbeit oder Pornographie verdienen. Wobei allerdings keineswegs alle Fonds alle Kriterien anlegen und auch die Schwellen durchaus unterschiedlich hoch sind. So werden beispielsweise einmal alle Waffen, ein anderes Mal nur geächtete Waffen ausgeschlossen.

Andere Gesellschaften arbeiten nach dem sogenannten Best-in-Class-Verfahren. Das heißt, sie investieren in die Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Branche am nachhaltigsten arbeiten. Auch verschiedene Ratingagenturen wie beispielsweise Morningstar, die Fondsgesellschaften bei der Ermittlung ihrer Nachhaltigkeitswerte unterstützen und diese bewerten, gehen nach diesem Prinzip vor. "Schließlich wollen wir niemandem eine Wertevorstellung aufdrängen", so Analyst Masarwah. Was potentielle Anleger hierbei aber wissen müssen: Waffen oder Atomkraft sind bei diesem Vorgehen also keineswegs tabu, die Konzerne müssen nur nachhaltiger arbeiten als die Konkurrenz.

Einzelne Angebote vergleichbar machen

Und schließlich gibt es auch noch eine dritte Methode, die beide Verfahren kombiniert: Erst werden bestimmte Bereiche ausgeschlossen, beispielsweise die Spekulation mit Nahrungsmitteln, und dann werden die jeweils Besten der Branche rausgesucht.

Ein Prinzip, das sich vom Grundsatz her auch die GNG auf ihre Fahnen geschrieben hat. Die GNG wurde vor zwei Jahren vom Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) ins Leben gerufen, das sich seit Jahren mit der Thematik befasst. Seit 2015 führt die GNG ein Nachhaltigkeitsaudit (siehe Kasten) durch. Ziel, so Experte Kölsch, ist es, "Licht in den Nachhaltigkeitsdschungel" zu bringen, einzelne Angebote also vergleichbar zu machen.

Dabei konzentriert sich GNG nicht auf einzelne Fonds, wie Kölsch erläutert, sondern durchleuchtet die Gesamtaktivitäten eines Fondanbieters. In den ersten zwei Jahren haben 38 Unternehmen das mehrstufige Verfahren bestanden. Am 29. November werden in Berlin die Siegel 2018 vergeben. Dann wird die Gesamtzahl wohl die 50 erreichen, vermutet Kölsch.

In der Fachwelt gilt das FNG-Siegel als sehr seriöses Bewertungssystem. Als alleiniges Qualitätskriterium für Anleger taugt es aber dennoch – zumindest heute noch – nicht. Denn die Teilnahme am Audit ist freiwillig und mit Kosten verbunden. Fonds, die kein Siegel tragen, können also durchaus vergleichbar nachhaltig arbeiten. Und letztlich, darin sind sich alle Experten einig, ist das wichtigste Kriterium bei der Auswahl einer Anlage die eigene Einstellung und Anspruchshaltung. Oder wie Ali Masarwah das ausdrückt: "Nachhaltigkeit liegt im Auge des Betrachters."

Wie finde ich eine nachhaltige Geldanlage

  • Eigene Prioritäten festlegen: Auf welches Nachhaltigkeitskriterium kommt es mir an.
  • Bei Unternehmen Geschäftsbericht einsehen. Firmen, die auf dem Kapitalmarkt tätig sind und mehr als 500 Mitarbeiter haben, müssen über die Nachhaltigkeit ihres Geschäfts Bericht erstatten
  • Bei Fonds Ratingeinstufungen überprüfen und auf Transparenz der ESG-Einstufungskriterien achten.
  • Eine gute Orientierung für Fonds aus dem deutschsprachigen Raum bietet das Gütesiegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Außerdem können auf der Internetseite (www.forum-ng.org) umfangreiche Fondsprofile nachgelesen werden.

FNG-Siegel: Mindestanforderungen

Um das Siegel zu erhalten, müssen verschiedene Mindestanforderungen erfüllt sein:

1. Klare und transparente Darstellung des Nachhaltigkeitsansatzes.

2. Nachweis, das 90 Prozent der Titel im Portfolio nach ESG analysiert sind.

3. Keine Investments in Waffen, Atomkraft oder Unternehmen mit schwerwiegenden Verstößen gegen Menschenrechts-, Arbeitsbedingungen, und Umweltschutz. Länder, die Menschenrechte nicht achten oder korrupt sind, dürfen ebenfalls nicht im Portfolio sein.

4. Dann folgt ein umfassendes Bewertungsmodell in Stufen. Kriterien sind unter anderem Glaubwürdigkeit des Fondsanbieters oder Qualität der Produktstandards.

Ergebnis sind 1 bis 3 Sterne.

Den aktuellen Überblick gibt es hier: fng-siegel.org/de/zertifizierte-fonds/fng-siegel-2017.html

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