Die von der Bundesregierung geplante Energiewende könnte Bürger und Betriebe pro Jahr mit etwa drei Milliarden Euro belasten. Das haben nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" erste regierungsinterne Berechnungen ergeben.
Energiewende kostet Milliarden
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wollte den Betrag im "Deutschlandfunk" nicht bestätigen. Eine Größenordnung von drei Milliarden Euro sei "spekulativ". Der FDP-Politiker sprach von "ein bis zwei Milliarden Euro". Als entscheidenden Engpassfaktor nannte Brüderle die Stromnetze. Diese müssten wesentlich schneller ausgebaut werden. Regenerative Energie bedeute dezentrale Energieerzeugung. Es fehlten aktuell 3.500 Kilometer Stromleitungen.
Nahles setzt auf Kohle in der Übergangszeit
Zu den entstehenden Kosten als Folge des Atomausstiegs sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles im ARD-"Morgenmagazin", es sei klar, dass eine Stromverknappung zu steigenden Preisen auf dem Markt führen werde. Es könne nicht sein, dass "dieses Hin- und Her der Atomausstiegspolitik der Bundesregierung" einseitig zulasten der Stromverbraucher gehe.
Um den Einstieg in erneuerbare Energie zu schaffen, brauche man deshalb Investitionen, die aus einer von den Bürgern aufgebrachten Steuer finanziert würden. Zugleich sprach sie sich dafür aus, in der Übergangszeit mehr Energie aus Kohle zu produzieren. "Wenn wir die abgeschalteten Atomkraftwerke abgeschaltet lassen, dann müssen wir auch wissen, wie wir den Energiemix der Zukunft gestalten und da ist Kohle für eine Weile noch dabei", sagte sie.
Gipfeltreffen zur Energiewende
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will an diesem Freitag mit den Ministerpräsidenten der Länder über die Energiewende beraten.
Die Koalition will nach dem Unglück im japanischen Atomkraftwerk Fukushima schneller aus der Nutzung der Kernenergie aussteigen als bisher vorgesehen. Dazu ist es notwendig, mehr Geld in den Ausbau alternativer Energien zu stecken. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatten dazu in der vergangenen Woche ein gemeinsames Papier erarbeitet.
Es sieht unter anderem vor, Energie zu sparen, indem die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude deutlich erhöht werden. Sie waren im Zuge der Haushaltssanierung gerade erst reduziert worden. Auch soll der Energie- und Klimafonds, über den der Bund weitere Fördermaßnahmen finanziert, aus dem Haushalt auf eine Milliarde Euro aufgestockt werden. Bisher speist er sich aus Beiträgen der Kernkraftwerks-Betreiber. Angesichts der unklaren Zukunft der Atomkraft haben diese ihre Zahlungen aber einstweilen eingestellt.
dapd
