Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet das beschlossene Energiekonzept als "revolutionär". Das Gesamthandwerk sieht es auf dem Weg in die "richtige Richtung". Branchen wie das Heizungsbauer- oder das Elektrohandwerk sind nicht ganz vom schwarz-gelben Energiekonzept überzeugt.
"Energiekonzept wenig revolutionär"
"Mit dem jetzt vorgelegten Energiekonzept degradiert die Bundesregierung ihre eigenen ehrgeizigen Klimaschutzziele endgültig zu wohlklingenden Absichtserklärungen“, urteilt Manfred Stather vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Die oberste Interessenvertretung des deutschen Heizungsbauerhandwerks hätte sich vom Energiekonzept deutlich klarere Impulse für Modernisierungen im Wärmemarkt erhofft.: "Das Energiekonzept betont zu Recht die Schlüsselrolle der energetischen Gebäudesanierung für Effizienzsteigerung und CO2-Reduzierung“, sagt Stather. "Es bleibt aber vorwiegend unkonkret wie denn das gewaltige Einsparpotential langfristig gehoben werden soll."
Chance vertan
Nach Ansicht des ZVSHK hat die Bundesregierung eine Chance vertan, Hauseigentümern und Mietern verlässliche Rahmenbedingungen für Modernisierungsvorhaben zu schaffen. "Das Energiekonzept bleibt in diesem Punkt eine reine Wunschliste", betont Stather. Die Bundesregierung belasse es zukünftig bei haushaltsabhängigen Förderinstrumenten, die in der Vergangenheit mit ihren Stop-and-Go-Effekten potentielle Modernisierer eher verunsichert hätten. "Deutsche Immobilienbesitzer wollen sicherlich keine Sanierungs-verpflichtung. Aber sie wollen verlässliche Modernisierungsanreize wie etwa die Möglichkeit der steuerlichen Abschreibung von energetischen Sanierungsmaßnahmen.“
Der ZVHSK vermisse im Energiekonzept "Planungssicherheit durch klare, verlässliche und verbindliche Regelungen“. Stattdessen bekräftige das Energiekonzept die Fortführung einer wenig zielgerichteten Stop-and-go-Förderpolitik. Die zu Klimaschutzzwecken dringend notwendige Erhöhung des Modernisierungstempos im Wärmemarkt werde auf diese Weise nicht erreicht.
Elektrohandwerk: "Aus der Brücke wird ein Umweg"
Wie die Heizungsbauer sind sich die Elektrohandwerker mit dem Energiekonzept nicht zufrieden. Das Konzept sei nur in Teilen erfolgversprechend, verlautet vom Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Insgesamt begrüßt es der ZVEH, dass der Energieversorgung mit Strom ein zentraler Stellenwert eingeräumt wird. "Wir meinen aber, dass die Schwerpunkte nicht richtig gesetzt sind. Aus der ‚Brücke’ Kernkraft droht ein Umweg zu werden", sagt Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer des ZVEH. Der Fokus eines zukunftsweisenden Energiekonzeptes müsse viel mehr auf die dezentrale Energieversorgung ausgerichtet sein. "Mit diesem Dokument hat man stattdessen das Oligopol der vier großen Versorger gestärkt", so Jakobi.
Der ZVEH sieht als Folge eine weitere Verzerrung des Marktes. Die Energieversorgungsunternehmen, so der ZVEH, werden die neuen finanziellen Ressourcen dazu nutzen, den Markt der Energiedienstleistungen zu ihren Gunsten auszuschöpfen. Schon heute versuchten die Großkonzerne, ins lokale Installationsgeschäft einzusteigen. Jakobi: "Das ist das klassische Betätigungsfeld von Handwerksunternehmen.“ Der ZVEH fordert daher gesetzliche Vorgaben, die allen Beteiligten faire Marktzugangschancen eröffnen. Eine Einbeziehung kleinerer Versorger und des Handwerks in die strategischen Gespräche zum Energiekonzept wäre daher sinnvoller gewesen. "Die Umsetzung der klimapolitischen Ziele steht und fällt schließlich mit den gebäudetechnischen Handwerken“, erklärt der ZVEH.
dhz