Klimaschutz Energieausweis soll zur Gebäudesanierung beitragen

Der neue Energieausweis für Häuser soll nach dem Willen der Bundesregierung deutlich zur Sanierung bestehender Gebäude beitragen. Die Ausweispflicht beginnt am 1. Juli 2008.

Energieausweis soll zur Gebäudesanierung beitragen

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, Ziel sei es, dass bis zum Jahr 2020 jedes Jahr drei Prozent des Gebäudebestands modernisiert werde. Das entspreche rund 520.000 Häusern pro Jahr.

Der Energieausweis könne dabei als Druckmittel dienen, sagte Tiefensee weiter. So setze sich sein Ministerium dafür ein, dass Mieter die Rechnung über die Heizkosten künftig um bis zu 12 Prozent kürzen könnten, wenn sich der Vermieter energetischen Sanierungen verweigere. Eine Einigung in der Koalition zu dem Thema solle es bis Ende dieses Jahres geben, sagte Tiefensee.

Nach Schätzungen des Bauministers könnten durch umfangreiche energetische Gebäudesanierungen bis zum Jahr 2020 rund 20 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Zugleich könnten die Energiekosten in dem Zeitraum insgesamt um 40 Milliarden Euro gesenkt werden.

Wie viele Energieausweise eine Woche vor Inkrafttreten des Ausweispflicht bereits ausgegeben wurden, sei unklar, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena), Stephan Kohler. Zahlen, wonach bereits 80 Prozent der Haus- und Wohnungsvermieter einen Ausweis besäßen, konnte er nicht bestätigen. Er wisse lediglich, dass in den vergangenen anderthalb Jahren monatlich bis zu 120.000 Anfragen nach einem Energieausweis in seiner Agentur eingegangen seien. Dabei sei die dena nur eine unter mehreren Stellen, die die Ausweise ausgebe.

Die Ausweise kosten laut dena derzeit zwischen 100 und 300 Euro. Sollten Vermieter oder Verkäufer die Pässe nicht vorlegen können, drohen ihnen Strafen von bis zu 15.000 Euro.

Vorsicht bei Schnäppchenpreisen

Unterdessen warnen Verbraucherschützer vor dem Kauf von Energieausweisen über das Internet. Angesichts der nahenden Vorlagepflicht am 1. Juli bieten viele Firmen die Online-Erstellung des vierseitigen Papiers plus Anlagen zu Schnäppchenpreisen an. Die meisten sind jedoch nicht zu gebrauchen, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nach einer eingehenden Überprüfung mitteilte. Lediglich einer von 97 überprüften Ausstellern habe auf seiner Homepage alle 14 gesetzlichen Pflichtdaten vollständig abgefragt, teilten die Verbraucherschützer in Düsseldorf mit.

Von den 29 Verbrauchsausweisen, die im Test gekauft und ausgewertet wurden, seien zwölf schon formal "mangelhaft", achtzehn hätten einer weitergehenden fachlichen Prüfung nicht Stand gehalten. Fehlerhafte Ausweise könnten zum kostenträchtigen Bumerang werden, warnen die Experten. Denn Eigentümer wie Vermieter hafteten, wenn Käufer oder Mieter Schadenersatz fordern, weil sich das ausgewiesene Sparhaus als sanierungsbedürftiger Energiefresser entpuppt.

Die Verbraucherschützer raten Energieausweis-Interessenten, nur solche Online-Verbrauchsausweise zu ordern, die alle 14 Pflichtdaten abfragen. Wer schon einen unvollständigen Ausweis gekauft habe, könne vom Ersteller kostenlose Nachbesserung verlangen und nach Ablauf einer etwa zweiwöchigen Nachfrist gegebenenfalls vom Vertrag zurückzutreten, wenn das Dokument dann immer noch nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Eine Übersicht über die geprüften Energieberater und Handwerker in Ihrer Region finden Sie unter zdh.de .

ddp