Netzwerk Lebensmittel-Forum Energie versus Nahrungsmittel

Das Netzwerk Lebensmittel-Forum fordert ein Ende der Förderung für Biokraftstoffe. Die weitere finanzielle Unterstützung des Anbaus für Biosprit verschärfe die Konkurrenz zwischen Lebensmitteln und Kraftstoffen. Verknappung und damit Verteuerung der Rohstoffe bedrohe die Existenz der Verarbeiter.

Energie versus Nahrungsmittel

Das Netzwerk Lebensmittel-Forum forderte anlässlich der Grünen Woche in Berlin ein Ende der Förderung für Biokraftstoffe. Die Interessengemeinschaft, zu der auch die handwerklichen Verbände der Bäcker, Müller und Brauer gehören, sehen sich massiv benachteiligt und sogar in ihrer Existenz bedroht.

Hauptproblem für das Lebensmittel-Forum ist die Verschärfung der Konkurrenz zwischen Lebensmitteln und Kraftstoffen. „Durch die Verknappung der Rohstoffe zur Herstellung von Lebensmitteln werden weitere Preiserhöhungen ausgelöst“, sagte Peter Hahn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. Nach Aussage des Forums habe das Ziel der Europäischen Union, den Marktanteil von Biokraftstoffen im Verkehr auf zehn Prozent zu erhöhen, Kosten in Höhe von 65 Milliarden Euro zur Folge.

Zudem werde das eigentliche Ziel, den Ausstoß an Treibhausgasen durch die Produktion von Biokraftstoffen zu verringern, verfehlt. Das Forum verweist auf die Aussage des EU-Umweltkommissars Stavros Dimas, dass Umwelt- und soziale Probleme, die durch Biokraftstoffe hervorgerufen würden, größer seien, als bisher angenommen.

Nach Auskunft des Verbandes Deutscher Mühlen werden derzeit in Deutschland rund acht Prozent der Brotgetreideernte, also Roggen und Weizen, zu landwirtschaftlichem Ethanol verarbeitet. Wenn die im Bau und in Planung befindlichen Ethanolanlagen fertig gestellt sind, werde sich dieser Anteil auf 34 Prozent erhöhen. Konsequenz der Energiepolitik könne nicht sein, dass in Deutschland und Europa Getreide zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln in steigendem Umfang importiert werden müssten, so der Mühlenverband. Die politische Linie fördere jedoch derzeit den Kampf um Ackerflächen und agrarische Rohstoffe.

Verknappung trifft Erzeuger

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks fordert deswegen, zur Erzeugung von Biokraftstoffen und zur Biogasnutzung nur Rohstoffe zum Einsatz kommen zu lassen, die weder für den menschlichen Konsum noch für die Nutzung als Futtermittel geeignet sind.

Die Verknappung der Rohstoffe trifft auch die Brauer seit längerer Zeit direkt. Nach Auskunft des Brauer-Bundes ist seit Jahren der Braugerstenanbau rückläufig. Seit 1990 habe sich die Sommergerstenfläche um 40 Prozent verringert. Trotz Verdoppelung der Preise könne das Angebot an Braugerste nicht angeregt werden. Vor diesem Hintergrund sei es unverantwortlich, wenn durch Subventionen die Konkurrenz für den Anbau dieser Rohstoffe gefördert werde. dhz