Der Chef der Energie Baden-Württemberg (EnBW), Hans-Peter Villis, erwartet im Sommer wegen der Abschaltung von Atomkraftwerken Stromausfälle. "Die für die Stabilität der Netze wichtigen Reserveleistungen sind somit deutlich reduziert, das heißt, Stromausfälle werden damit wahrscheinlicher", sagte Villis der "Wirtschaftswoche". Probleme könnten insbesondere in Süddeutschland auftreten.
EnBW-Chef Villis erwartet Stromausfälle im Sommer
Karlsruhe (dapd-bwb). Der Chef der Energie Baden-Württemberg (EnBW), Hans-Peter Villis, erwartet im Sommer wegen der Abschaltung von Atomkraftwerken Stromausfälle. "Die für die Stabilität der Netze wichtigen Reserveleistungen sind somit deutlich reduziert, das heißt, Stromausfälle werden damit wahrscheinlicher", sagte Villis der "Wirtschaftswoche". Probleme könnten insbesondere in Süddeutschland auftreten.
Bei EnBW sind zwei der vier Reaktoren vom Netz: Im Rahmen des Moratoriums der Bundesregierung wurden Philippsburg I und Neckarwestheim 1 abgeschaltet.
"Ich kann nicht ganz ausschließen, dass wir als EnBW in Ausnahmesituationen kurzfristig nicht in der Lage sein werden, die von den deutschen Netzbetreibern benötigten Strommengen ersatzweise zur Verfügung zu stellen - auch wenn wir noch über Kapazitäten bei alten Kohlekraftwerken verfügen, die wir bei Bedarf mit hohen CO2-Kosten hochfahren", sagte Villis. Er fügte hinzu: "Eine solche Ausnahmesituation in den Netzen würde aber alle Stromerzeuger und alle Netzbetreiber in Deutschland und sogar darüber hinaus herausfordern."
Im ersten Quartal hat der Karlsruher Energiekonzern wegen der Abschaltung zweier Kernkraftwerke weniger verdient als vor einem Jahr. Zwar legten Umsatz und Stromabsatz zu, das operative Ergebnis vor Ertragsteuern, Finanzergebnis und Beteiligungsergebnis ging dagegen um 15 Prozent auf 744,4 Millionen Euro zurück. Der Konzernüberschuss fiel sogar um 52,6 Prozent auf 386,9 Millionen Euro, wie EnBW am Freitag mitteilte.
"Im operativen Geschäft machte sich die Abschaltung der zwei Kernkraftwerke im Ergebnis des ersten Quartals 2011 bereits bemerkbar", sagte Villis bei der Vorlage der Zahlen. Dabei habe auch die Wiederbeschaffung der bereits am Terminmarkt veräußerten Strommengen aus den betroffenen Kernkraftwerken zu Belastungen geführt.
Im Gesamtjahr erwartet EnBW aus dem dreimonatigen Atommoratorium noch stärkere Belastungen. Das bereinigte Vorsteuerergebnis werde um 15 bis 25 Prozent zurückgehen, sagte Villis.
Nach dem Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima fuhr EnBW Neckarwestheim I und Philippsburg I herunter. Weil der Reaktor in Neckarwestheim wegen zu teurer technischer Nachrüstungen nicht wieder ans Netz geht, musste EnBW nach eigenen Angaben 140 Millionen Euro für die Stilllegung zurückstellen.
Ende des vergangenen Jahres hatte das Land Baden-Württemberg die zuvor beim französischen Energiekonzern EDF liegenden EnBW-Anteile in Höhe von 45 Prozent übernommen. Der Konzern lag bislang mit einem Anteil von 51 Prozent Stromerzeugung aus Kernenergie an der Spitze der großen Energieversorger. Unter der designierten grün-roten Landesregierung soll er neu ausgerichtet werden
dapd
