Der Chef des Energiekonzerns EnBW, Hans-Peter Villis, warnt angesichts der vorübergehenden Stilllegung von mehreren Atommeilern in Deutschland vor Engpässen im Stromnetz. "Erstmals seit Jahrzehnten wird Deutschland ernste Probleme mit der Sicherheit der Stromversorgung bekommen", sagte Villis der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) laut Vorabbericht.
EnBW-Chef erwartet Stromengpässe wegen Atom-Moratorium
München (dapd). Der Chef des Energiekonzerns EnBW, Hans-Peter Villis, warnt angesichts der vorübergehenden Stilllegung von mehreren Atommeilern in Deutschland vor Engpässen im Stromnetz. "Erstmals seit Jahrzehnten wird Deutschland ernste Probleme mit der Sicherheit der Stromversorgung bekommen", sagte Villis der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Neben den ohnehin für drei Monate stillgelegten sieben älteren Kernkraftwerken gingen im Mai und Juni fünf weitere Meiler für Revisionen vom Netz. "Dann werden zeitweise nur 30 Prozent der Atomkapazitäten zur Verfügung stehen", sagte er. Es stehe nicht weniger als die Versorgungssicherheit für Menschen und Betriebe auf dem Spiel.
Villis forderte ein Festhalten an der Atomkraft. "Für einige Jahre ist sie in Deutschland einfach unverzichtbar." Wirtschaft und Verbraucher könne ein rasanter Ausstieg hart treffen. "Wir importieren jetzt Kernenergie aus Frankreich und Tschechien", sagte er, "wir schalten ab und zahlen". Während Atomkonzerne außerhalb Deutschlands davon profitierten, litten Verbraucher und hiesige Unternehmen. Die Großhandelspreise seien nach dem Aus für die ersten Atomkraftwerke in Deutschland bereits um 20 Prozent gestiegen.
Der EnBW-Chef deutete zudem an, dass die Atombranche im Falle eines beschleunigten Ausstiegs die juristische Konfrontation mit der Bundesregierung suchen könnte. Werde der Konzern zum endgültigen Aus für das Kernkraftwerk Philippsburg 1 gezwungen, könne er eine Klage nicht ausschließen, sagte Villis: "Ich bin als Chef von EnBW verpflichtet, das Vermögen der Gesellschaft zu schützen."
dapd
