Interview Elisabeth Würz: Obermeisterin und Biermodel

Elisabeth Würz ist eine Friseurmeisterin "mit Eiern", Verfechterin des Innungswesens – und neuerdings auch Gesicht einer Werbekampagne für Bier und Fußball. Die Deutsche Handwerks Zeitung sprach mit der umtriebigen 57-Jährigen.

Eines der finalen Bilder: Elisabeth Würz (v.r.) posiert jubelnd mit den anderen 1. FC Nürnberg Fans - © Kulmbacher Brauerei AG

Die oberpfälzische Friseurmeisterin Elisabeth Würz ist eine der Gewinnerinnen der "FCN Cluberer-Kampagne". Die Kulmbacher Brauerei suchte Fans des 1. FC Nürnberg, die als Models für die neue Werbekampagne "Edelherb verbindet" vor die Kamera treten. Würz bewarb sich nach dem Motto "Kannst ja mal mitmachen".

Nach der Bewerbungsphase und einer öffentlichen Online-Abstimmung waren noch 30 Bewerber im Rennen. Eine Fachjury suchte anschließend elf Kandidaten für das professionelle Fotoshooting aus. Eine der Gewinnerinnen war Würz: "Ich habe die Aktion auf Facebook gesehen und mich spontan angemeldet. Ich habe mir eigentlich keine großen Chancen ausgerechnet, zu gewinnen."

Würz ist Obermeisterin der Friseurinnung Neumarkt. Mit Werbekampagnen kannte sie sich als solche schon vor dem Shooting bestens aus. Das bewies sie im November letzten Jahres. Dort startete sie mit ihrer Innung die Initiative "Friseurunternehmen brauchen Eier – die Innung hat sie!".

Im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung spricht sie über das Fotoshooting, die "Eier-Kampagne" und den Mehrwert von Innungen.

Model der Kulmbacher Brauerei und des 1. FC Nürnberg

Die Botschaft der Kampagne lautet "Edelherb verbindet" – wie wurde das in den Plakatmotiven umgesetzt?

Elisabeth Würz: Das Prinzip war einfach: Jung und Alt stehen zusammen und stoßen mit dem Bier an. Das Bild soll verdeutlichen, dass der 1. FCN Fans in jedem Alter hat. Das Gleiche gilt für das Kulmbacher-Bier, dieses wird ebenfalls von verschiedenen Generationen getrunken. Ich posierte sowohl mit einem 76-Jährigen als auch mit einer 20-Jährigen vor der Kamera.

>>> Hier alle Bilder der "FCN Cluberer-Kampagne"

Was verbindet Sie selbst mit dem Kulmbacher Bier und dem 1. FC Nürnberg?

Zum Abendessen trinke ich gerne mal ein Radler. Den 1. FC Nürnberg feuere ich seit elf Jahren kräftig an.

Beim Fotoshooting in München wuselte ein ganzes Team um Sie herum, darunter Stylisten und Make-up Artists. Konnten Sie sich hierbei auch etwas für Ihre eigene Arbeit im Friseursalon abschauen?

Für mich war es eine neue und sehr besondere Erfahrung. Eigentlich stehe ich hinter dem Stuhl und sitze nicht darauf. Meine Haare gemacht zu bekommen, war auch eher ungewohnt. Eine Stylistin hat sich nur um meine Haare gekümmert, die andere um das Make-up. Es war ein sehr professionelles Umfeld. Die Fotografen haben immer geschaut, dass Frisur und Kleidung sitzen. Die Klamotten wurden vor dem Fotografieren sogar noch entfusselt, damit auf dem Foto alles gut rüberkommt. Das Prinzip ist aber das gleiche wie bei mir und meinen Kunden. Ich will auch immer, dass meine Kunden bestmöglich aussehen und happy sind.

Friseurinnung Neumarkt – "Friseurunternehmen brauchen Eier"

In Ihrer Funktion als Obermeisterin der Friseurinnung Neumarkt haben Sie selbst schon Kampagnen ins Leben gerufen. Zuletzt im vergangenen November. "Friseurunternehmer brauchen Eier – die Innung hat sie!" war Ihr provokanter Slogan. Was hatte es damit auf sich?

Das Ziel war vor allem aufzufallen. Ich wollte die Kollegen wachrütteln und darauf hinweisen, dass wir in der Gemeinschaft stark sind. Einzelkämpfer erreichen nicht so viel, wie ein Team, das zusammenhält. Das konnte man auch gut in der Pandemie sehen. Der Spruch war eine spontane Idee von mir. Nach dem Motto "Wir haben die Eier" und mit neuen Mitgliedern werden wir noch stärker und können auch etwas durchsetzen, zum Beispiel in der Politik.

War die Kampagne erfolgreich?

Ja, drei neue Mitglieder konnten wir dadurch gewinnen. Insgesamt konnten wir dadurch auch sehr gut auf uns aufmerksam machen.

Das Engagement in den Innungen ist rückläufig. Was sind die Gründe aus Ihrer Sicht?

Wir hinterfragen das immer wieder. Ich denke, die Kollegen wollen ihre Zeit nicht in irgendwelche Versammlungen investieren. Vielleicht empfinden viele diese auch als fad oder öde. Wir haben vor, Referenten und interessante Themen mit einzubinden. Jeder hat etwas anderes, was ihn beschäftigt. Einer hat Fragen zur Lehrlingsausbildung, der andere Probleme mit seinen Mitarbeitern. Wieder andere interessieren sich für Neuigkeiten aus der Branche. Alle Themen können aber nicht in einer Versammlung besprochen werden. Ein weiterer Grund für die Rückläufigkeit sind die Kosten. Der Beitritt ist zwar nicht kostenlos, aber man muss das Gesamtpaket sehen. Mitglieder müssen sich nicht mehr um alles alleine kümmern, die Innung übernimmt viele Aufgaben. Es gibt zwar einen Jahresbeitrag, aber man kann trotzdem nochmal vieles herausholen. Darüber sind sich viele nicht bewusst, was an einer Mitgliedschaft alles dranhängt. Ich persönlich bin sehr froh, dass ich direkt am ersten Tag, als ich mein Geschäft eröffnet habe, der Innung beigetreten bin.

Gerade jüngere Handwerker fragen sich, welchen Mehrwert die Mitgliedschaft ihrem Betrieb bietet….

Ich denke, viele der ganz jungen Friseure haben nicht das komplette Hintergrundwissen. Sie haben die Einstellung, was ich nicht weiß, ist nicht relevant. Durch eine Mitgliedschaft können wir den Jüngeren unser Wissen weitergeben. Oft werden wichtige Sachen und Fakten verdreht. Alle Mitglieder können jederzeit beim Landesinnungsverband anrufen und alle benötigten Informationen anfragen. Diese sind dann auch zu einhundert Prozent richtig. Halbwissen ist schlimm und Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Auch der Apparat hinter dem Haareschneiden und dem Kundenkontakt ist in einem Betrieb sehr wichtig. Viele junge Friseure wissen das nicht, woher auch?