Zwischenbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität Elektromobilität wichtiger Markt für das Handwerk

Wenn Deutschland auf dem Zukunftsmarkt Elektromobilität eine führende Rolle spielen möchte, muss es sich kräftig anstrengen. Das Ergebnis des Zwischenberichts der Nationalen Plattform Elektromobilität nimmt das Handwerk zum Anlass, seine wichtige Rolle bei Elektroautos zu betonen. Von Patrick Choinowski

Elektromobilität wichtiger Markt für das Handwerk

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, im Jahr 2020 der weltweite Leitmarkt für Elektroautos zu sein. Eine Million Fahrzeuge sollten bis dahin auf den Straßen unterwegs sein. "Wir haben das Auto vor 125 Jahren erfunden. Wir sind dabei, das Auto neu zu erfinden“, betonte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

Doch muss sich Deutschland dem aktuellen Zwischenbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) zufolge kräftig anstrengen, um tatsächlich eine Vorreiterrolle auf dem Zukunftsmarkt Elektromobilität spielen zu können. "Bei der Analyse der Wettbewerbsposition ist klar geworden, dass Länder wie China, Japan, Korea, die USA oder Frankreich frühzeitig ambitionierte Programme aufgesetzt haben, um eine führende Rolle im internationalen Wettbewerb einzunehmen“, heißt es in dem Zwischenbericht der NPE. Deutschland müsse zur Erfüllung der eigenen Zielsetzung "schnell, geschlossen und zielgerichtet“ handeln. Laut NPE schlagen Industrie und Wissenschaft für Forschung, Entwicklung und Qualifizierung Ausgaben von rund vier Milliarden Euro bis 2013 vor. Die Industrie leiste schon jetzt einen "signifikanten Beitrag“, erklärte die NPE.

Handwerk will seine Innovationskraft und Leistungsfähigkeit einbringen

Auch das Handwerk, das ebenso wie Forschung, Industrie und Bundesregierung an der NPE beteiligt ist, betont seine "wichtige Rolle" beim Ausbau Deutschlands zum Leitanbieter und Leitmarkt für Elektromobilität. "Das deutsche Handwerk wird seine Innovationskraft und Leistungsfähigkeit in die Entwicklung und Einführung dieser wichtigen Technologie einbringen", erklärte Handwerkspräsident Otto Kentzler. Im Rahmen der Elektromobilität öffnen sich für das Handwerk neue Geschäftsfelder in den Bereichen der Fahrzeugwartung und Ladeeinrichtungen sowie bei der Integration neuer dezentraler Quellen der erneuerbaren Energien. "Eine schnelle und erfolgreiche Umsetzung elektromobiler Konzepte, ein flächendeckender Service und eine zukunftsfähige Anpassung von bestehenden Netzstrukturen sind nur mit dem Handwerk möglich“, erklärte Kentzler.

E-Handwerke geben Autos Strom

"Die E‑Handwerke werden ihren Teil dazu beitragen, dass Deutschland auf dem Gebiet der Elektromobilität eine Führungsposition einnimmt“, sagte ZVEH-Hauptgeschäftsführer Ingolf Jakobi. Die E-Handwerke seien prädestiniert da­für, Verbraucher und andere Endkunden zur Ladetechnik zu beraten. "Wir haben festgestellt, dass die Betriebe mit ihrem hohen Qualifizierungstand bereits heute die Grundvoraussetzungen zur Beherrschung der Technik erfüllen. Selbstverständlich werden wir die Markteinführung durch Weiter- und Fortbildung begleiten“, erklärte Jakobi.

Kaufprämien für Elektroautos wie sie Frankreich zahlen möchte, schlossen Wirtschaftsminister Brüderle und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) aus. Beschlusslage seien die 500 Millionen Euro Förderung für die Forschung von 2009 bis 2011, sagte Brüderle.

Laut NPE sollte die Entwicklung zunächst für ein vollelektrisches Stadtfahrzeug, ein Familienfahrzeug mit Reichweiten-Verlängerer sowie leichte Nutzfahrzeuge mit elektrischer Reichweite für den Stadtverkehr forciert werden.

Brüderle verwies auf eine kleine Batteriefirma aus Berlin, die erst vor kurzem mit einem Audi 600 Kilometer Reichweite geschafft habe. Sie sei von seinem Ministerium mit 250.000 Euro gefördert worden. Das Unternehmen habe nun aus Korea ein Angebot für sein Patent. Er hoffe aber, dass die Firma in Deutschland bleibe.

Für Deutschland steht beim Thema Elektroauto viel auf dem Spiel. Die deutsche Automobilindustrie sei mit einem Umsatz von über 260 Milliarden Euro einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland und stehe für gut 20 Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie mit einem starken Exportfaktor, heißt es in dem Papier der NPE. Drei von vier in Deutschland gebauten Autos würden im Ausland abgesetzt. Mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze seien in der gesamten Wertschöpfungskette eingebunden, weil neben den Automobilherstellern und der Zulieferindustrien eine große Bandbreite weiterer Industriesektoren beteiligt seien.

mit Material von dapd