Im Berufspendler- und Dienstwagenverkehr können Elektrofahrzeuge schon wirtschaftlicher und umweltfreundlicher betrieben werden als Autos mit Dieselmotor. Allerdings nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Im Projekt Rhein-Mobil konnten Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nachweisen, dass E-Autos nach einer Laufleistung von rund 200.000 Kilometern ihre Investitionskosten eingefahren haben, weil ihre Betriebskosten geringer sind als die ihrer Pendants mit Verbrennungsmotor.
Hohe Laufleistung und Ökostrom entscheidend
Klimafreundlicher durch weniger Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Schadstoffen sind die Elektroautos bereits ab einer Laufleistung von rund 30.000 Kilometer, wenn der gesamte Lebenszyklus des Fahrzeugs betrachtet und ein Betrieb mit 100 Prozent Ökostrom angenommen wird. Wird der Strommix des deutschen Stromnetzes als Grundlage genommen, müssen E-Autos rund 100.000 Kilometer fahren, ehe sie umweltfreundlicher sind als Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb.
„Für die Wirtschaftlichkeit von Elektrofahrzeugen sind hohe Fahrleistungen entscheidend. Und wirklich nachhaltig ist die Elektromobilität nur dann, wenn das Elektroauto mit 100 Prozent Ökostrom geladen wird“, schlussfolgert Olaf Wollersheim, der das Projekt Rhein-Mobil am KIT leitet.
Testbetrieb bei Michelin und Siemens
RheinMobil ist ein gemeinsames Projekt von Michelin, Siemens, dem KIT, dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI sowie dem Mobilitätsdienstleister E-Motion Line und wird über das Schaufenster Elektromobilität vom Bund gefördert. Für die Studie wurden bei Dienst- und Pendlerfahrten im deutsch-französischen Grenzgebiet rund 300.000 elektrisch gefahrene Kilometer analysiert.
Dazu waren täglich sechs siebensitzige Kleinbusse Firma Michelin im Pendelverkehr zwischen Karlsruhe und dem Elsass sowie ein Kompaktklasse-Pkw von Siemens im Dienstwagenverkehr unterwegs. Die monatliche Fahrleistung pro Fahrzeug wurde im Laufe des Projekts auf mittlerweile durchschnittlich 3.500 Kilometern gesteigert.
Vorstellung auf der IAA in Frankfurt
Nach mehr als 30 Monaten Projektlaufzeit können jetzt Kriterien für eine ökonomisch und ökologisch erfolgreiche Elektrifizierung formuliert werden, die das KIT zur Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt präsentieren will: Benötigt werden hohe Fahrleistungen, die aus gut planbaren Einzeltouren von maximal 100 Kilometern bestehen sollten.
Dazu sind eine hohe Zuverlässigkeit der Fahrzeuge und Ladepunkte sowie eine genaue vorherige Analyse des realen Energieverbrauchs und Ladeverhaltens erforderlich. Schnellladung sollte nur dann eingesetzt werden, wenn dies aus Zeitgründen zwingend erforderlich ist. Auf diese Weise lasse sich vermeiden, dass die Batterie vorzeitig altert, so das KIT.