Die Zahl der Elektroautos ist im August deutlich gestiegen – vor allem im Gewerbe. Fast jeder dritte neu zugelassene Pkw hatte einen batterie-elektrischen Antrieb. Das dürfte sich aus Sicht der Experten schon bald wieder ändern.

Der Anteil reiner Elektroautos an den Neuzulassungen in Deutschland hat im August den zweithöchsten jemals in einem Monat gemessenen Wert erreicht. 86.649 batterieelektrische Fahrzeuge kamen im vergangenen Monat neu auf die Straße, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Damit waren knapp 32 Prozent aller neu zugelassenen Pkw elektrisch unterwegs. Das ist mehr als das Doppelte des Vorjahreswertes und laut KBA der zweithöchste je in einem Monat erreichte Anteil.
Beim Gesamtmarkt sorgten die vielen neuen E-Autos für ein deutliches Wachstum. Insgesamt 273.417 Pkw wurden im August laut KBA neu zugelassen. Das waren mehr als 37 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
Zuletzt war der Anteil er Elektroautos im vergangenen Dezember mit rund einem Drittel etwas höher gewesen. Damals waren besonders viele Stromer neu zugelassen worden, um noch in den Genuss der höheren Förderung zu kommen, die zum Jahreswechsel geändert wurde.
Das steckt hinter den hohen Zulassungszahlen
Laut EY steckt auch aktuell ein ähnlicher Effekt hinter dem Schub: Das starke Wachstum sei in erster Linie auf Last-Minute-Neuzulassungen gewerblicher Halter zurückzuführen. Zum 1. September war die staatliche Förderung für sie ausgelaufen.
Das starke Wachstum bei den Elektroautos sei deshalb "nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht", teilte EY-Experte Constantin Gall mit. Fast 70 Prozent der neu zugelassenen Elektroautos entfallen auf gewerbliche Halter. "Wenn die Anschaffung eines Elektroautos für diese wichtige Kundengruppe ab September deutlich weniger attraktiv ist, wird sich das in den kommenden Monaten in den Neuzulassungen widerspiegeln. Dann kommt das große Erwachen."
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) spricht schon jetzt von deutlich rückläufigen Auftragseingängen bei den E-Fahrzeugen. Der Verband rechnet bis Jahresende zwar nicht mit einem Einbruch der Neuzulassungen. Das hänge aber weniger mit dem Hochlauf der E-Mobilität zusammen, als mit dem nach wie vor hohen Auftragsvorlauf der Hersteller. ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn erwartet zudem, dass einige Hersteller bis zum Jahresende noch Fahrzeuge zulassen werden, um Flottengrenzwerte oder Jahresziele zu erreichen. Auch der ab 1. Januar 2024 reduzierte Umweltbonus könne in diesem Jahr noch für Zuwächse bei den vollelektrischen Fahrzeugen sorgen.
ZDK begrüßt neues Förderprogramm zum Ausbau des Ladenetzes
Positiv bewertet der ZDK ein neues Förderprogramm zum Ausbau des Ladenetzes in privaten Wohngebäuden. Wer Ladestationen, Solarstromanlagen und Speicher im Paket komplett neu installiert, kann dafür ab Ende September eine Förderung beantragen. Eine Voraussetzung dafür ist ein bereits vorhandenes oder bestelltes E-Fahrzeug. "Wer sich jedoch für das volle Programm inklusive Fahrzeugkauf entscheidet, muss mit einem bis zu sechsstelligen Investitionsvolumen rechnen und über die notwendigen Flächen verfügen", so ZDK-Vizepräsident Peckruhn. Zielführender wäre es aus seiner Sicht, die Einzelkomponenten zu fördern. dpa/fre