Bislang steckt das Elektroauto im Stau. Die Absatzzahlen hierzulande sind miserabel. Doch das soll sich nun ändern, wie Autopräsident Matthias Wissmann im Club Wirtschaftspresse München sagte. Die Autohersteller haben für 2013 und 2014 zahlreiche neue E-Modelle angekündigt. Allerdings räumt Wissmann ein, dass die Anreize für den Verbraucher erst noch geweckt werden müssten.
Burkhard Riering
Für Matthias Wissmann ist die Elektromobilität keineswegs am Ende. " 2013 und 2014 werden 15 neue Elektroauto-Modelle auf den Markt kommen, die die Nachfrage und das Vertrauen in die Elektromobilität stärken werden", sagte der Chef des Verbands der Automobilindustrie VDA im Club Wirtschaftspresse München. Einerseits sei es vor zwei, drei Jahren übertrieben gewesen, von einem bevorstehenden Elektro-Hype zu sprechen. Andererseits sei das Totreden des Elektroautos jetzt genauso falsch. Unter anderem hatte der Hersteller BMW in dieser Woche seine Skepsis in den E-Markt zum Ausdruck gebracht.
Drei Hoffnungsträger hat Wissmann ausgemacht: Erstens das Car-Sharing, das vor allem in den Großstädten "in" ist und zumeist auf Elektrobasis läuft ("Car2go"). Zweitens große Flotten öffentlicher Institutionen von Bund, Ländern und Gemeinden sowie großer Konzerne wie der Deutschen Post. Und drittens der Privatkunde, dessen Interesse geweckt wird.
Anreize für den Verbraucher schaffen
Allerdings, so räumt Autolobbyist Wissmann ein, müssten für den Verbraucher die Rahmenbedingungen stimmen. Preis, Ladestationen und eventuelle Anreize durch den Staat nennt er. Die Frage sei, ob zum Beispiel steuerrechtliche oder verkehrstechnische Vorteile helfen könnten. Staatliche Kaufanreize in Form von Schecks seien aber nicht das Ziel. Wichtiger wäre ihm, wenn der Bund die kostenintensive Batterieforschung unterstütze.
Ob 2020 tatsächlich eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren, wie die Bundesregierung vor Jahren prognostiziert hat, vermag Wissmann nicht zu sagen. Doch sei entscheidend, dass es jetzt einen "Hochlauf" gebe. "Wenn 2020 In Deutschland 600.000 E-Autos fahren, ist das auch schon gut." Hierzulande wurden 2012 genau 4.157 Elektrofahrzeuge zugelassen (Batterie, Range-Extender und Plug-in-Hybrid). Zum Vergleich: In Frankreich waren es 6.323. "Das Bild wird sich von nun an schneller wandeln in Deutschland", ist sich der einstige Bundesverkehrsminister und CDU-Politiker sicher.
Unter "E-Autos" fallen laut Wissmann nicht nur reine Elektroautos, sondern auch Plug-in-Hybrids und Range Extender. Ein Plug-in-Hybrid ("Steckdosenhybrid") hat eine Strom-Batterie und einen Verbrennungsmotor. Als Range Extender ("Reichweitenverlängerer") bezeichnet man zusätzliche Aggregate in einem Elektrofahrzeug, die die Reichweite des Fahrzeugs erhöhen - wiederum per Verbrennungsmotor.
Hersteller kommen voran
Die Hersteller haben ihre Ankündigungen jüngst gemacht: BMW bringt bis Ende 2013 den i3 auf den Markt. Von Juni 2013 an ist das Elektroauto Renault ZOE (auf Basis des "Clio") bei deutschen Händlern zu haben. In diesem Jahr kommt auch die neue Version des Nissan Leaf. Opel kommt mit dem viel gelobten Ampera in einer neuen Variante. Von den 15 neuen Modellen in den nächsten zwei Jahren sind 13 Plug-in-Hybride.
Bisher waren die Autohersteller sparsam, wenn es um die Produktion von Elektrofahrzeugen geht. Wissmann hat eine Vermutung, warum die Konzerne mittlerweile mehr Gas geben bei der Elektromobilität: Sie müssen in ihren Modell-Flotten die Grenzwerte der Europäischen Union für Kohlendioxid-Ausstoß einhalten. Und so ein E-Auto hilft da natürlich ungemein.
