Tischlerlehre in Dresden Elbflorenz statt Toskana: Zur Ausbildung nach Deutschland

Felizia Weidensdörfer ist mit ihren gerade einmal 23 Jahren schon viel in der Welt herumgekommen. Für eine Tischlerlehre ist sie jetzt nach Dresden gezogen. Ihr Gesellenstück hat aber wieder etwas mit Italien zu tun.

Tischlerin zeigt Intarsienbild
Felizia Weidensdörfer mit ihrem Intarsienbild, das sie im ÜLU-Lehrgang zur Oberflächenveredelung hergestellt hat. - © Handwerkskammer Dresden

Nach der Schule zog es Felizia Weidensdörfer zunächst für ein Jahr nach Neuseeland, danach weiter nach Peru. Dort wollte sie nur einen Monat bleiben und arbeite in einer Berghütte im Freiwilligendienst. Aus einem Monat wurde ein Jahr. Auf etwa 4.000 Meter Höhe kümmerte sie sich mit ihrer Organisation um Bildung für Jugendliche. Felizia Weidensdörfer führte 13- bis 18-jährige Peruaner an die Arbeit im Tischler- und Steinmetzhandwerk heran und begeisterte sie dafür.

Um für sich selbst und ihre weitere berufliche Karriere das Tischlerhandwerk von der Pike auf zu erlernen, war für die junge Italienerin klar, dass sie eine Ausbildung in Deutschland absolvieren will. Denn da das Ausbildungssystem in Italien anders strukturiert ist und ihre Eltern gebürtig aus Deutschland kommen, lag die Wahl auf der Hand.

Kletterparadies Sächsische Schweiz

Die 23-Jährige entschied sich für die Region Dresden als neue Heimat. Ihre Lehrstelle fand sie bei der Auerbach und Hahn GmbH in Grumbach bei Dresden. "Ich liebe die Sächsische Schweiz und klettere, seit ich Kind bin", so Weidensdörfer, die hier in der Region das Angenehme mit dem beruflich Nützlichen verbinden kann. Hinzu kommt, dass auch ihr Bruder gerade in der Region ist, um den Beruf des Klempners zu erlernen. Das Handwerk begleitet Felizia Weidensdörfer bereits ihr Leben lang: "Ich bin damit groß geworden. Zu Hause haben wir immer wieder Gesellen auf Wanderschaft aufgenommen", berichtet die angehende Tischlerin. Auch baute sie mit ihren Patenonkeln, von denen einer Tischler und einer Zimmerer ist, schon eine Jurte aus Holz.

Kurz vor Ende der Ausbildung lernte Felizia Weidensdörfer im Rahmen der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung Oberflächenveredlungstechniken in njumii – das Bildungszentrum des Handwerks in Pirna kennen und probierte ihre neuen Fertigkeiten aus. Von der Gestaltung von Platten in Wassertropfen-Optik, verschiedenen Furniertechniken über ein Intarsienbild bis hin zu Glaslackierungen konnten die Teilnehmer des Kurses kreative Motive umsetzen und die Techniken üben.

Ein Tisch aus Olivenholz

Nach drei Jahren Ausbildung im Tischlerhandwerk sagt Felizia Weidensdörfer mit einem breiten Lächeln im Gesicht: "Meine Ausbildung hat super viel Spaß gemacht. Ich gehe gerne auf Arbeit." Wie es nach der Lehre demnächst weitergeht, weiß die junge Tischlerin noch nicht: "Ich bin mit Herz und Seele bei dem, was ich tue, und mein Betrieb möchte, dass ich bleibe, aber ich muss immer zehn Dinge parallel machen. Ich bin eine wandernde Seele." Erst einmal steht für Felizia Weidensdörfer die Gesellenprüfung an. In ihrem Gesellenstück spiegelt sich dann ihre Heimat Toskana wider: Es wird ein Tisch aus Olivenholz, den sie für ihren Vater baut und der im Stile des Biedermeier gestaltet werden wird.