Sieben Jahre hat sich Mercedes-Benz Zeit gelassen, um seinem kleinen Transporter eine grundlegende Frischzellenkur zu verabreichen. In der dritten Oktoberwoche soll der neue Vito beim Händler stehen. Am Antrieb und am Fahrwerk haben die Ingenieure die größten Eingriffe vorgenommen. Von Ulrich Steudel
Eingriffe unterm Blech
Insgesamt 250 Millionen Euro seien in die Entwicklung des neuen Vito und seines Pkw-Bruders Viano sowie in den Ausbau des spanischen Werkes Vitoria geflossen. Das Ergebnis kann sich nicht nur sehen lassen, wie sich bei ersten Probefahrten durch den Hamburger Hafen zeigte. Bei der Optik hat sich Mercedes-Benz mit Veränderungen zurückgehalten. Lediglich die Abgrenzung zum Viano soll deutlicher werden, was allerdings nur in der Frontpartie zum Ausdruck kommt (Stoßfänger und Scheinwerfer). Die großen Unterschiede zur Vorgängergeneration befinden sich unter dem Blech.
Besonders überzeugen konnte dabei Blue-Efficiency – ein Technikpaket, das unter anderem eine Start-Stopp-Funktion für alle Modelle mit Schaltgetriebe beinhaltet. Die 250 Euro Aufpreis sind gut angelegt, denn die Start-Stopp-Funktion funktioniert nicht nur tadellos, sondern hilft Kraftstoff zu sparen. Sobald im Leerlauf das Kupplungspedal losgelassen wird, schaltet der Motor ab. Schon beim kleinsten Tipp auf die Kupplung, springt der Motor wieder an. Zusammen mit rollwiderstandsoptimierten Reifen und einer Schaltpunktanzeige, die dem Fahrer den für den Verbrauch optimalen Gang signalisiert, verhilft Blue-Efficiency zu einer Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs von 0,2 bis 0,3 l pro 100 km oder 6,75 g weniger CO2/km.
Vier verschiedene Motoren
Die neuen Dieselmotoren des Vito erreichen alle die Abgasnorm Euro 5 und sind mit einem Partikelfilter ausgestattet. Zur Verfügung stehen drei Vierzylinder (95, 136 und 163 PS) sowie ein Sechszylinder mit einer um zehn Prozent auf 224 PS angehobenen Leistung, die den Vito in 9,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h ermöglicht.
Alle Vierzylinder sind mit Sechs-Gang-Getriebe gekoppelt, deren große Spreizung dafür sorgt, dass das maximale Drehmoment schon bei kleineren Drehzahlen anliegt. Den Sechszylinder gibt es ausschließlich mit Automatikgetriebe ebenso wie den einzigen Benziner im Vito-Portfolio, der 258 PS leistet.
Allradantrieb im Angebot
Von Beginn an im Angebot ist ein Vito mit Allradantrieb, während die Kraftübertragung bei allen anderen Modellen wie gewohnt auf die Hinterachse erfolgt. Sonst ist am Fahrwerk allerdings wenig beim Alten geblieben. Vor allem an der Einstellung der Achsen und der Lagerung der Lenker haben die Entwickler eingegriffen, um das Fahrverhalten zu verbessern. Zudem ist es gelungen, je nach Modell die Zuladung um bis zu 100 kg zu erhöhen. Angeboten wird der Vito weiterhin in drei Karosserielängen (4.763 mm kompakt, 5.008 mm lang und 5.238 mm extralang) bei zwei Radständen. Mit einer Höhe von 1,9 m passt jeder Vito mit Heckantrieb und Normaldach in alle Tiefgaragen und Parkhäuser. Hochdach gibt es nur in Verbindung mit dem Vito lang.
Besonders stolz sind die Mercedes-Benz-Ingenieure auf das gesunkene Geräuschniveau in der Fahrerkabine. Dazu wurden unter anderem wieder Dämmungen eingebaut, auf die gerade bei den Kastenwägen in jüngster Vergangenheit gern verzichtet wurde.
Eine offizielle Preisliste lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Bei Mercedes-Benz spricht man davon, dass die Preise im Durchschnitt 1,5 Prozent über denen der Vorgängergeneration liegen werden.