Mit geschickter Teamzusammenstellung können Betriebe die Leistungen der gesamten Gruppe anheben. Dazu nutzen Ausbilder den Köhler-Effekt. Unterschiedlich starke treiben sich gegenseitig an und stärken das Kollektiv.

Ausbilder schätzen diesen Trick: In gemischten Teams steigern schwächere Auszubildende oft ihre Leistung, um die Gruppe nicht zu enttäuschen. Und, um die Leistung der Gruppe nicht negativ zu beeinflussen. Dieses Phänomen, bekannt als Köhler-Effekt, ist für Betriebsverantwortliche ein gutes Mittel, um die Ergebnisse der gesamten Arbeitsgruppe zu verbessern und die Motivation aller Beteiligten zu erhöhen. Das zeigt ein Beispiel aus einem Gebäudereinigungsbetrieb.
Meisterbetrieb macht gute Erfahrungen
Der besagte Meisterbetrieb bildete schon immer gezielt junge Menschen aus und achtet bis heute bei der Einstellung nicht auf Herkunft oder Bildungsabschluss. Im Laufe der Jahre machte das Inhaber-Ehepaar damit gute Erfahrungen. Durch das unterschiedliche Niveau an Schulwissen und an Verständnis für technische Zusammenhänge, aber auch durch die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse entsteht im Betrieb in jedem Ausbildungsjahr eine Gruppe mit unterschiedlichem Leistungsniveau. Um Schwächere zu fördern und Stärkere zu fordern, achtet der Betrieb darauf, Lernvoraussetzungen regelmäßig zu prüfen und bei Schwierigkeiten gezielte Hilfe anzubieten.
In der Praxis stellt der Betrieb die Teams anschließend gezielt zusammen. In jeder dieser Gruppen finden sich erfahrene Fachkräfte, ein Ausbildungsverantwortlicher sowie Auszubildende aus verschiedenen Lehrjahren. Aufträge und Aufgaben werden jeweils vorbesprochen – im Rahmen der Kundeneinsätze vermitteln anschließend die Ausbilder die im Ausbildungsplan vorgesehenen Kenntnisse und Fertigkeiten.
Unerwartete Leistungssteigerung
Dabei gilt: In kleinen und auf diese Weise zusammengestellten Arbeitsgruppen werden bei Aufträgen die Aufgaben unterteilt. Eine Gruppe kümmert sich um die Unterhaltsreinigung, eine andere um die Pflege von Oberflächen oder die Reinigung von Außenanlagen. Dabei berichten die erfahrenen Kräfte von einer auffälligen Beobachtung: Leistungsschwächere Lehrlinge erledigen anspruchsvolle Aufgaben oft besser, als es aufgrund ihrer bisherigen Leistungen zu erwarten wäre.
Die Psychologie hinter dem Erfolg
Die Ausbilder führen dies auf mehrere Gründe zurück. Offenbar engagieren sich die schwächeren Teammitglieder besondere stark, um das Gruppenergebnis nicht negativ zu beeinflussen. Sie wollen vermeiden, für eine schlechte Gesamtleistung verantwortlich gemacht zu werden. Ein starkes Verantwortungsgefühl für die Gruppe scheint ein zentrales Motiv zu sein.
Gleichzeitig wirken leistungsstärkere Kollegen als Vorbilder. Manchmal steigern sogar diese ihre eigene Anstrengung, um Schwächen im Team auszugleichen. Laut den Beobachtungen des Betriebs stärkt dieses Zusammenspiel den Zusammenhalt und führt zu einem besseren Gesamtergebnis für alle.
Woher kommt der Köhler-Effekt und wie wirkt er am stärksten?
Dieses Phänomen wird als Köhler-Effekt bezeichnet, benannt nach Otto Köhler. Der deutsche Arbeitspsychologe entdeckte und beschrieb diesen Umstand erstmals in den 1920er Jahren. Laut der Beschreibung tritt der Effekt vor allem in Gruppen auf, in denen sich die Leistungsunterschiede in einem gewissen Rahmen bewegen. Der menschliche Ausgleich innerhalb der Gruppe wirkt dann als Motivationsgewinn für alle Beteiligten. Ist der Unterschied in den Fähigkeiten dagegen sehr gering oder sehr groß, fällt der Leistungssprung merklich geringer aus.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.