DDR-Moped wird 50 Jahre Eine Schwalbe macht fünfzig Sommer

Ein besonderes Wochenende für Schwalbe-Liebhaber: Der von Simson produzierte Roller feiert am vierten und fünften Juli sein 50-jähriges Jubiläum in Suhl. Dort werden auch die schönsten Schwalben prämiert.

Melanie Höhn

Die Schwalbe gehört zur Vogelserie von Simson. Insgesamt gab es drei Baureihen mit zusammen neun Modellen. - © Foto: mza-portal

Vor über 50 Jahren wurde eine Legende im thüringischen Suhl geboren. Sie verzaubert noch heute ihre Besitzer in den Farben atlantikblau, lichtrot oder saharagelb: die Schwalbe. Am 1. Februar 1964 begann die Produktion des Rollers mit dem Typ KR 51. Am ersten Juliwochenende 2014 findet deshalb auf dem Platz der Deutschen Einheit in Suhl ein Jubiläumsfest statt.

„Dieses Jubiläum hat für Suhl eine posthume Bedeutung. Es zeigt, dass das, was hier produziert wurde, großen Anklang gefunden hat“, sagt Joachim Scheibe, Leiter des Fahrzeugmuseums Suhl. „Die Schwalbe ist eine Fahrzeugkategorie, die es international nicht gab und gibt. Sie hat einen exotischen Charakter.“ Scheibe weiß um ihr Geheimnis: „Sie ist mit den großen Rädern und dem Mokick-Motor unverwüstlich“.

In der DDR besonders bei Frauen beliebt

Der Roller wurde über eine Million Mal verkauft und galt als Allwetterfahrzeug. Besonders bei Frauen war die Schwalbe beliebt, da die Verkleidung Schmutz abwehrte und sie einen großen Gepäckträger bot. Im Gegensatz zum Vorgänger, der Simson KR 50, hatten auf ihr nun zwei Personen Platz. Dafür musste die Leistung des Rollers enorm gesteigert werden. Simson entwickelte dafür den Motor M53, mit dem die Schwalbe nun eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h erreichte, die jedoch auf 60 km/h gedrosselt werden musste. Es war sogar möglich, einen Kindersitz und einen Anhänger an die Schwalbe zu montieren.

Die Bauteile kamen aus ganz Thüringen und Sachsen: In St. Kilian bei Suhl wurden die Sitzbänke gefertigt, aus dem Erzgebirge kamen die Blechteile und aus Barchfeld wurden Ketten und Speichen geliefert. Heute bekommt man eine Schwalbe nur noch über Beziehungen oder das Internet. „Zwischen 1.000 und 2.500 Euro kostet sie dann in etwa“, weiß Scheibe. Früher musste man dafür etwa 1.200 Ost-Mark berappen.

"Größtes Spielzeug der DDR"

Doch für den, der ein begehrtes Sammlerstück ergattern konnte, bleiben Reparaturarbeiten nicht aus. Schwierigkeiten bereitet das nur wenigen: „Bei Simson wurde alles so entwickelt, dass die jungen Leute selbst Hand anlegen konnten. Die Simson-Kleinfahrzeuge waren das größte Spielzeug der DDR“, erzählt Scheibe. Es kommt vor allem darauf an, die passenden Teile zu bekommen, die sehr rar sind. Doch im Internet gibt es viele Händler, die Ersatzteile verkaufen.

1986 verließ das letzte Exemplar das Werk in Suhl-Heinrichs, wo die Endmontage der Mopeds erfolgte. Doch noch heute fahren Tausende von ihnen auf den Straßen. Zum Festakt in der Waffenstadt werden sich mehr als 1.000 Schwalbefahrer aus ganz Deutschland versammeln. Zu diesem Anlass sollen auch die besten Schwalben prämiert werden: bester Originalzustand, bester Retrolook, die älteste Schwalbe oder die weiteste Anreise. „Einen Damenpokal gewinnt die Dame, die im Outfit der 60er Jahre auf einer Schwalbe fährt“, so Scheibe. Die Schwalbe hat viele Fanclubs: Sowohl Großstädter als auch Landbewohner lieben das Gefährt.

Den Konstrukteuren der Schwalbe war vor allem wichtig, international konkurrenzfähig zu sein: Erhard Werner, Georg Schübel und Karl-Heinz Walther wollten mit dem Modell den Markt aktiv mitbestimmen. Fast drei Millionen Ost-Mark wurden in die Entwicklung der Schwalbe gesteckt. In enger Zusammenarbeit entwickelten sie damals das Design des Klassikers. Alle drei Konstrukteure werden beim Jubiläum vor Ort sein.