Der langjährige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), wünscht sich mehr unabhängige Politiker. "Eine gewisse innere Unabhängigkeit sollte man möglichst mitbringen und auch im politischen Geschäft nicht verlieren", sagte Böhmer an seinem letzten Arbeitstag am Dienstag im Deutschlandfunk.
"Eine gewisse innere Unabhängigkeit sollte man möglichst mitbringen"
Köln/Magbeburg (dapd-lsa). Der langjährige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), wünscht sich mehr unabhängige Politiker. "Eine gewisse innere Unabhängigkeit sollte man möglichst mitbringen und auch im politischen Geschäft nicht verlieren", sagte Böhmer an seinem letzten Arbeitstag am Dienstag im Deutschlandfunk. Er selbst habe es immer als "besonderen Luxus" betrachtet, eine eigene Meinung zu haben und sei damit auch nicht schlecht gefahren.
Diese Unabhängigkeit bekomme man beispielsweise durch die Möglichkeit, in einen anderen Job zu wechseln. Dies sei auch der Fall bei ihm als Frauenarzt gewesen, sagte der CDU-Politiker. Wenn man direkt existenziell abhängig sei, "dann ist es mit der Unabhängigkeit meistens nicht weit her".
Zugleich beklagte er, dass man in politischen Gremien kaum noch ein offenes Wort sagen könne, weil das Besprochene oft am nächsten Tag in Zeitungen zu lesen sei. Er habe das immer als ärgerlich empfunden. Als Beispiel nannte er Sondierungsgespräche mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) und dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) zum Thema Hartz-IV. Zwar hätten die Politiker Vertraulichkeit vereinbart, aber "das hat auch nicht gehalten", kritisierte Böhmer.
Böhmer war aus Altersgründen nicht mehr zur Landtagswahl am 20. März angetreten. Langeweile fürchtet der 75-Jährige nicht: "Zunächst mal habe ich zuhause eine ganze Menge aufzuräumen und dann will ich mal einen Teil der Bücher lesen, die ich in den letzten 20 Jahren gekauft habe".
dapd
