Betriebsführung -

Tipps und Lösungen für Betriebe Einbruchschutz: Wie sichere ich meinen Betrieb?

Der Morgen danach. Fenster eingeschlagen, Türen aufgebrochen, das Bargeld aus der Kasse futsch. Der Schaden - riesig! Einbruchschutz wird von Betrieben häufig vernachlässigt. Was Betriebe falsch machen, wo sie sparen können und in welche Sicherheitssysteme sie unbedingt investieren sollten.

Schon zur Jahrtausendwende schickte das Berliner Startup Robowatch den Mosro Mini auf Patrouille: einen kleinen Sicherheitsroboter mit Infrarotmeldern und Videokamera, der Einbrecher mit schrillen Alarmtönen in die Flucht schlagen - und im Notfall eine SOS-SMS an den Hausbesitzer verschicken sollte.

Das Unternehmen ist längst pleite, hat 2010 Insolvenz angemeldet. Der Mosro Mini ist auf dem Schrottplatz der Geschichte gelandet. Und das, obwohl die Angst der Menschen vor Einbrüchen laut Umfragen beständig steigt.

"Die Nachfrage ist seit anderthalb Jahren konstant hoch", bestätigt Simon Marschall. Der Schreiner kommt aus dem beschaulichen Kempten im Allgäu. Seit vier Jahren baut er seinen Kunden verstärkt mechanische Sicherheitsvorrichtungen ein. "Ein Mitarbeiter ist das ganze Jahr über damit beschäftigt. Es ist bei uns eine ganz eigene Sparte geworden."

Marschall rüstet hauptsächlich Privatwohnungen auf. Offenbar mit Erfolg. Im Jahr 2016 ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland zum ersten Mal seit zehn Jahren zurückgegangen. Laut Einbruch-Report 2017 des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden insgesamt 140.000 versicherte Einbrüche gemeldet - ein Rückgang um rund zehn Prozent. Daran könnte auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ihren Anteil haben, die ihre Fördermaßnahmen Schritt für Schritt erweitert hat.

Gewerbe: Einbruchzahlen sinken

Im gewerblichen Bereich sinken die Einbruchzahlen sogar schon seit Längerem. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik gab es 1990 in Deutschland exakt 47.389 Fälle von "einfachem Diebstahl aus Dienst-, Büro-, Fabrikations-, Werkstatt- und Lagerräumen". Bis zum Jahr 2000 stieg die Zahl auf 70.396 an, um bis 2016 wieder auf 39.903 zu fallen. Schwere Diebstähle aus Gewerberäumen gab es laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr in 83.214 Fällen - der niedrigste Wert seit 1990.

Ab hier lässt sich nun ein interessanter Gedankengang spinnen: Denn die Zahlen deuten darauf hin, dass immer mehr Menschen ihre Privathäuser und Wohnungen sicherheitstechnisch aufrüsten. Und je schwieriger es wird, in Privatobjekte einzusteigen, desto unattraktiver werden diese für Einbrecher. Richten die ihren Fokus womöglich wieder verstärkt auf Betriebe? Peter Fasold hält diese Überlegung für durchaus plausibel. Fasold war 30 Jahre lang als Kriminalhauptkommissar in der sicherheitstechnischen Prävention der Polizei Bayern tätig. Auch im Ruhestand ist er weiterhin als freier Sicherheitsberater aktiv.

Grundsätzlich gebe es "vielfältige Interessen der Täterschaft", sagt Fasold. Erfahrungsgemäß stehen Betriebe, die über teure Gerätschaften, Anlagen, Maschinen oder Fahrzeuge verfügen, besonders im Blickpunkt der Ganoven. Bei kleineren Betrieben hätten es die Gauner vor allem auf Bargeld abgesehen. "Auch der Bäcker ist gefährdet."

Aber wie schützen sich Betriebe? Fasold kennt die Faustregel eines guten Einbruchschutzes: Erst mechanisch absichern, dann gegebenfalls noch elektronisch draufsatteln. "Gefährdete Bereiche gehören mechanisch grundlegend abgesichert mindestens mit der Widerstandsklasse RC2", empfiehlt er.

"Leider wird der mechanische Einbruchschutz meist sträflich vernachlässigt, obwohl dieser in der Praxis sehr wirkungsvoll ist. Denn jeder dritte Einbruchsversuch scheitert an mechanischer Sicherung", so auch GDV-Präsident Alexander Erdland anlässlich der Vorstellung des Einbruch-Reports 2017.

Einbruchschutz: Mechanik first!

Als mechanische Sicherungsmaßnahmen bieten sich zum Beispiel an:

  • Zweites Türschloss/Kastenzusatzschloss/Querriegelschloss
  • Einsteckschloss an Tür oder Tor
  • Sicherheitsschließbleche/Sicherheitsbeschläge
  • Kette an Eingangstür/Tor
  • Gitter vor den Fenstern
  • Abschließbare Fenstergriffe
  • Zusatzsicherung/Bandseitensicherung/Scharniersicherung für Fenster
  • Schutzzäune
  • Fixierte Gitterroste/Gitter- und Schachtabedeckungen
  • Sicherheitsglas 

Indes: Viele Maßnahmen wirken zwar abschreckend - sind aber nicht mehr als ein Placebo. Ein Test der Stiftung Warentest ergab 2016, dass von 15 getesten Türsicherungen neun mangelhaft - und von Profis kinderleicht zu knacken sind. Die Tester hatten Quer- und Vertikalriegel, Kastenzusatzschlösser und Bandsicherungen unter die Lupe genommen.

Schreiner Marschall aus dem Allgäu hat sich eigens von der Polizei prüfen und zertifizieren lassen. Die Behörden geben regelmäßig aktualisierte Versionen der zertifizierten Betriebe heraus. Diesen Listen seien tatsächlich eine gute und wichtige Orientierungshilfe, meint Peter Fasold. So lassen sich Dienstleister identifizieren, die nachweislich Qualität bieten. Außerdem kann sich jeder Bürger kostenlos - und vor allem unabhängig - von der Polizei zum Thema Einbruchschutz beraten lassen.

Denn: Möglichst viel Geld in Sicherheitsmaßnahmen zu stecken, das ist keine sinnvolle Strategie. "Jedes Objekt ist anders. Jedes Objekt hat auch möglicherweise schon vorhandene Sicherungsmaßnahmen", so Fasold. "Manchmal reicht es, einen Raum besonders zu schützen." Nämlich den, in dem die wertvollen Geräte oder das Bargeld aufbewahrt werden. Und: "Ich würde nicht jede Innentür zusperren, sondern offenlassen, weil ich so den Schaden geringer halte."

Nach Fasolds Erfahrung neigen viele Menschen dazu, unmittelbar nach einem Einbruch zu viel des Guten zu installieren — und zu bezahlen. Eine Art Panikreaktion. Andererseits schwinde die Angst auch wieder, wenn nach einem Einbruch zu viel Zeit vergeht. Dann bleibt es häufig bei unzureichender Sicherung.

Elektronik: Smart-Home-Systeme im Kommen

Wer nachts besser schlafen will, verstärkt die Mechanik noch mit elektronischen Hilfsmitteln. Dazu zählen zum Beispiel:

 
  • Bewegungsmelder/Rauchwarnmelder
  • Alarmanlage/Funkalarmanlage/Smart-Home-Alarmanlage
  • Videokamer/Freigeländeüberwachungsanlage
  • Elektronische Schließanlage
  • Zugangskontrolle per Fingerprint oder Chipkarte

Fasolds Empfehlung: Eine Einbruchmeldeanlage, die den Einbruch so früh wie möglich meldet und das Objekt zudem durch mechanische Widerstände so schützen, dass der Einbrecher mangels Zeit entnervt die Flucht ergreift — oder geschnappt wird. Moderne Smart-Home-Systeme verbinden die einzelnen Elemente, so dass etwa die Sirene anspringt, wenn der Einbrecher sich an der Tür zu schaffen macht - und der Einbruch unmittelbar auf dem Handy angezeigt wird. Auch könnte man mit einem entsprechenden System via Smartphone jederzeit auf die Bilder der Videokamera zugreifen.

Aber auch Sicherheitsroboter sind noch nicht aus der Mode gekommen. Das US-Startup Knightscope etwa will seine rollenden Wachmänner, die mit Sensoren, Kamera und Mikrofon ausgstattet sind, als digitale Sicherheitslösung für Unternehmen etablieren. Auch die Berliner Firma Robozän experimentiert mit vollautomatischer Security. Vielleicht sieht man die Sicherheitsleute 2.0 in einigen Jahren auch vor deutschen Betrieben - oder direkt neben dem Mosro Mini auf dem Schrottplatz der Geschichte.  

7 Tipps zum Einbruchschutz

- Prävention ist besser als Reaktion: Ergreifen Sie frühzeitig Maßnahmen, nicht erst nach einem Einbruch.

- Sichern Sie Türen und Fenster mindestens mit der Widerstandsklasse RC2 ab - die Skala reicht von RC1 bis RC6.

- Achten Sie bei der Wahl des Dienstleisters auf eine Zertifizierung durch die Polizei. Die Liste der zertifizierten Firmen finden Sie im Internet, zum Beispiel bei der Polizei Bayern.

- Lassen Sie sich (kostenlos) von der Polizei zum Thema Einbruchschutz beraten.

- Machen Sie es dem Einbrecher so schwer wie möglich: am besten durch eine Kombination aus mechanischen und elektronischen Mitteln.

- Lassen Sie so wenig wertvolle Geräte, Anlagen, Maschinen, Wertgegenstände, Bargeld wie möglich über Nacht im Betrieb zurück.

- Locken Sie Täter nicht leichtfertig an, durch gekippte Fenster oder dunkle Hintereingänge zum Beispiel.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten