Handwerk arbeitet online Kein Breitband: Teurer Wettbewerbsnachteil

Ob Meldungen an Behörden oder eine Bestellung – vieles müssen Betriebe online übermitteln. Der neue Mobilfunkstandard LTE soll eine schnelle Internetverbindung nun auch in ländlichen Regionen möglich machen und die Lücken im Breitbandnetz schließen. Aber vielen Betrieben wird auch LTE nichts nützen. Sie sind nach wie vor gezwungen, teure Alternativen zu nutzen, um überhaupt online zu sein.

Heidi Roider

In vielen dünn besiedelten Regionen gibt es immer noch keine schnelle Internetverbindung. Für Handwerksbetriebe ein Wettbewerbsnachteil. - © Stihl024 - Fotolia

Kfz-Mechanikermeister Thomas Lehner hat über Jahre hinweg versucht, einen Breitbandanschluss zu bekommen und hat es nun aufgegeben. Er ist Inhaber eines Autohauses in der Nähe von Schwandorf in der Oberpfalz. "Ich brauche aber eine schnelle Internetverbindung, jede Bestellung und jeder Kontakt mit den Autoherstellern geht heute übers Netz", sagt Lehner. "Fünf Jahre lang habe ich versucht – auch über die Gemeinde – einen Anschluss zu bekommen. Alles vergebens."

Lehner geht nun über eine Standleitung seines Anbieters ins Netz und zahlt dafür das Mehrfache, was ein normaler Anschluss kosten würde. Lehner: "Für die Standleitung zahle ich jeden Monat etwa 1.000 Euro." Einer von vielen Betrieben, die immer noch auf einen Breitbandanschluss warten. Für den Netzanbieter ist der Ortsteil Altfalter, wo Lehner sein Autohaus hat, schlichtweg nicht rentabel genug.

Übertragungsraten zu gering

Dabei ist die Oberpfalz nicht die einzige Region mit weißen Flecken. In vielen kleinen Ortschaften bestehen immer noch große Lücken – vor allem mit Anschlüssen, mit denen auch große Datenmengen übermittelt werden können. Es zeigt sich auch, dass es selbst in weitgehend gut versorgten Gebieten weiterhin unerschlossene Flächen gibt. Handwerksbetriebe brauchen aber hohe Übertragungsraten, etwa für die Übermittlung betrieblicher Daten an Finanzämter oder technischer Daten wie Konstruktionszeichnungen.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) schreibt zwar in seinem aktuellen Bericht zur Breitbandversorgung, dass mittlerweile 98,5 Prozent der Haushalte einen Breitbandanschluss haben, jedoch nur mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von einem Megabit pro Sekunde. Viel zu wenig für ein Unternehmen. "Betriebe brauchen ein viel größeres Transfervolumen", sagt Josef Bierler, Leiter des Bildungszentrums von der Handwerkskammer Schwandorf.

Über ein schnelles Breitbandnetz mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde verfügen jedoch noch nicht einmal die Hälfte der deutschen Haushalte. In dünn besiedelten Gebieten gibt es nach wie vor gar keine Anbindung ans Kabel.

Um das zu ändern, gab es in der Bundesregierung Ende 2011 zwar die Pläne, eine Universalverpflichtung durchzusetzen. Der Versuch, die Anbieter zu verpflichten die nötigen Anschlüsse bereit zu stellen, scheiterte jedoch an der FDP. Auch die Branche selbst hält eine solche Universalverpflichtung, wie sie zum Beispiel für Strom- und Telefonanschlüsse besteht, für einen unverhältnismäßigen Markteingriff. "Der Breitbandausbau in Deutschland ist ein Erfolgsmodell und funktioniert aus dem Markt heraus. Es besteht keine Notwendigkeit für einen so schweren Eingriff in die marktwirtschaftliche Organisation der deutschen Wirtschaft", sagte etwa Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer.

Nun soll es der Mobilfunkstandard LTE richten, der seit 2010 in Deutschland eingeführt wird. Das mobile Breitbandnetz soll die Lücken schließen, vor allem in ländlichen Regionen. 13 Millionen Haushalte können den Mobilfunkstandard LTE mittlerweile nutzen. Die beiden Regierungsbezirke Chemnitz und Dresden beispielsweise sollen nun ebenfalls mit der Mobilfunktechnik LTE versorgt werden. Für Torsten Gerlach eine "Hoffnung". Er ist Beauftragter für Innovation und Technologie der Handwerkskammer Chemnitz.

Weiße Flecken auf dem Breitbandatlas

Denn von einer flächendeckenden Breitbandversorgung sind auch diese beiden Bezirke weit entfernt. Eine Universallösung sei LTE jedoch auch hier nicht. Gerlach: "In grenznahen Orten kommt diese Technologie schon wieder nicht mehr in Frage. Zu nah an der Grenze verletzt ein solcher Mast bilaterale Verträge, weil die Funkfrequenzen im Nachbarland gestört würden." Nach Ansicht von Gerlach müssten neue Technologien her, um dieses Problem in Zukunft zu lösen.

Denn auch für LTE gilt das gleiche wie für den Kabelanschluss: die Netzanbieter schließen nur dann an, wenn es sich rechnet.

Zudem hat auch der neue Funkstandard LTE Nachteile. Die Nutzer teilen sich die verfügbare Datenrate. So kann es passieren, dass die mögliche Datenrate von 100 Megbit pro Sekunde dadurch merklich schrumpft und so die Übertragungsrate wiederum zu gering ist, um damit vernünftig zu arbeiten. Hinzu kommt, dass für LTE neue Empfangsgeräte gekauft werden müssen, zum Beispiel ein LTE-fähiges Modem, und ein solcher Anschluss ist ebenfalls teurer, als ein schneller Internetzugang über Kabel. Über LTE sollen zukünftig zwar einmal Downloads von über 1.000 Megabits möglich sein. Aber der Ausbau dieser Giga-Technologie soll laut Bitkom erst in etwa fünf Jahren beginnen.

Eine andere derzeit bestehende Möglichkeit ist zum Beispiel der sogenannte Richtfunk. Aber auch diese Möglichkeit, mit Funkwellen große Datenmengen von A nach B zu schicken ist nicht überall einsetzbar. Damit eine störungsfreie Übertragung funktioniert, müssen sich Sender und Empfänger sehen.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat kürzlich noch einmal bekräftigt, das Breitbandnetz bis 2018 flächendeckend ausbauen zu wollen. Bis 2014 sollen zumindest 75 Prozent der Haushalte über einen Anschluss mit einer Übertragungsrate von mindestens 50 Megabit pro Sekunde verfügen. Ob sich allerdings die Lage für die Betriebe in ländlichen Regionen verbessert, muss sich erst noch zeigen.

Denn die Bundesregierung hat auch in ihrem neuesten Bericht zur Breitbandstrategie klar gemacht, dass sie beim Ausbau in erster Linie auf den freien Wettbewerb setzt. "Öffentliche Fördermittel sollen lediglich ergänzend und insbesondere für den Ausbau in ländlichen Regionen herangezogen werden."