Von Erhard bis Merkel: Politische Prominenz war immer dabei. Vor 65 Jahren zeigte die Handwerksmesse in München erstmals das Können der Branchen. Heute ist sie ihrem Ursprungsgedanken wieder ganz nah.
Barbara Oberst

Drei Messehallen, ringsum Zerstörung, kaum Infrastruktur: Die Geburtsstunde der Handwerksmesse fiel in eine schwere Zeit. 1949 dominierten die Folgen des Zweiten Weltkriegs noch das Bild von Deutschland. Aber es kam auch viel in Bewegung. Das Jahr, in dem die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde, war auch das Jahr, in dem das Handwerk die Ärmel hochkrempelte.
Lesen Sie hier den Artikel zur Handwerksmesse in der Deutschen Handwerks Zeitung von 1949.>>>
Was jetzt fehlte, waren mehr Absatzmöglichkeiten, damit sich das Handwerk erholen konnte. Deswegen initiierten das bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und die Handwerkskammer für München und Oberbayern eine erste Handwerksausstellung auf der Münchner Theresienwiese. Hier wollten sie der Branche eine Verkaufsplattform bieten. Bis heute verfolgt die Messe ähnliche Ziele: "Wir wollen den Betrieben die Gelegenheit geben, sich selbst zu präsentieren. Hier können sie Kunden generieren, aber auch potenzielle neue Mitarbeiter und Auszubildende finden", sagt Patrik Hof, Sprecher der GHM Gesellschaft für Handwerksmessen.
Beinahe von Anfang an war die Handwerksmesse aber auch politisch ausgerichtet. Schon im Jahr 1950 übernahm der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, die Schirmherrschaft und hielt die Eröffnungsrede. Fortan gaben sich die Politiker die Klinke in die Hand. Der größte Gönner in der politischen Geschichte war wohl Ludwig Erhard, zunächst Bundeswirtschaftsminister und dann Bundeskanzler. Kein anderer Politiker nahm sich so viel Zeit für den Messerundgang – drei ansehnliche Zigarren verrauchte er während seiner langen Visite.
Mittlerweile rauchfrei ist die Internationale Handwerksmesse bis heute der wichtigste handwerkspolitische Treffpunkt des Jahres mit Vertretern aus Handwerk, Industrie und Politik. Auch in diesem Jahr wird das Spitzengespräch der Wirtschaft mit Bundeskanzlerin Angela Merkel stattfinden.
Handwerk als Gesprächsthema Nr. 1 in Deutschland
Der Weg hierhin war nicht immer einfach. Die Stadt München verweigerte der Messe in ihren Anfängen jegliche Unterstützung, es wurde keine Infrastruktur für Messen geschaffen.
Weil die drei nach dem Krieg verbliebenen Hallen auf der Theresienhöhe für die Aussteller schnell nicht mehr ausreichten, ließ der Verein für Handwerksausstellungen und Messen in seiner Not von Zimmerleuten Holzhallen aufbauen. Ein weiterer Hemmschuh in der Entwicklung der Messe waren Vorstöße anderer deutscher Regionen, die konkurrierende Messen ins Leben rufen wollten.
Dennoch behielt die Münchner Handwerksmesse ihre Spitzenrolle, wuchs stetig weiter und entwickelte sich zu einer Veranstaltung, mit einer Strahlkraft, die in jedem Jahr weit über Deutschland und das Handwerk hinausreicht. Für Patrik Hof ist die Internationale Handwerksmesse von heute eine Art Spiegel des gesamtdeutschen Handwerks. "Wir verkörpern die Botschaft der Imagekampagne des Zentralverbands des Deutschen Handwerks live und in Farbe", sagt er und nennt sein Ziel für die Zukunft: "Wir wollen, dass an diesen sieben Messetagen das Handwerk Gesprächsthema Nr. 1 in Deutschland ist."