Es muss endlich einmal mit dem Irrglauben aufgeräumt werden, dass Madeira zwar eine hübsche grüne Insel ist, dort aber nur ältere Menschen Urlaub machen können. Madeira hat mit Trendsportarten gerade jungen Leuten viel zu bieten. Von Christine Heilmannseder
Ein schwimmender Garten im Atlantik
Ganz sicher werden die Best Ager künftig auch höchst willkommen sein, zumal die meisten von ihnen durchaus sehr aktiv sind, doch für die junge Generation wird auf Madeira sehr viel Abwechslunggeboten. So steht das bekannteste Kind der Insel, der Fußballer Cristiano Ronaldo, für ein modernes Madeira, der immer mehr internationale Stars nach Madeira zieht. Man findet nicht nur moderne Spas, stylische Clubs und Restaurants, sondern auch Sportangebote von Canyoning über Climbing bis Tauchen für die jüngeren Besucher.
Zwar ist Madeira fast nur als Wanderparadies bekannt, aber ebenso beliebt ist eine Entdeckung der Insel mit dem Mountainbike, in einem Oldtimer oder auch bei einer Motorradtour. Die junge Agentur "Lokoloko", was portugiesisch so viel heißt wie "verrückt“ kümmert sich um besonders ausgefallene Aktivitäten, ob abenteuerlich oder spannend und anstrengend bis lustig, manchmal auch ein bisschen "gaga" – "Lokoloko" eben.
Die Madeirer sagen von sich selbst, dass sie von Natur aus glücklich sind. Deshalb gibt es auch das ganze Jahr über viele Feste und Veranstaltungen. Das Blumenfestival ist einer der Veranstaltungshöhepunkte und findet traditionell immer zwei Wochen nach Ostern statt. Farbenprächtig geschmückte Festwagen mit fantasievoll gekleideten Kindern und Erwachsenen verwandeln die Innenstadt Funchals in ein Blumenmeer. Folkloreveranstaltungen und Konzerte bilden den Rahmen des Festivals. Im Juni findet an jedem Samstag das Atlantikfestival statt und im September laden verschiedene Weinfeste ein.
Die Restaurants aller Art, angefangen bei modernsten Spitzenlokalen bis zu gemütlichen Kneipen, den sogenannten "Tascas“, bieten neben internationaler Küche auch die typischen Spezialitäten wie "Espada“– schwarzer Degenfisch mit Banane, "Espetada“ – ein Rindfleischspieß mit Lorbeersalz oder Thunfisch-Steak.
Auch Nachtschwärmer sind auf Madeira gern gesehene Gäste: Bars und Nachtclubs haben bis in die frühen Morgenstunden geöffnet und die Stimmung dort ist ungezwungen und ausgelassen, ebenso wie in den zahlreichen Diskotheken.
Schlittenfahren ohne Schnee
Auf einer Höhe von zirka 600 m liegt oberhalb des alten Kerns der Hauptstadt Funchal der Vorort Monte, die Oberstadt. Er ist mit dem Stadtzentrum durch eine Seilbahn verbunden. Dort locken ein Rundgang durch die Monte-Palace-Gärten oder ein Besuch der Wallfahrtskirche mit dem Grab des letzten Kaisers von Österreich. Für die Rückfahrt bietet sich eine traditionelle Korbschlittenfahrt an: Zwei Männer, die sogenannten "Carreiros“, lenken das Gefährt, ziehen oder bremsen je nach Bedarf und sogar Jules Verne hat sie in einem seiner Werke beschrieben.
Ein Highlight unter den Ausflügen ist auch eine ganzjährig angebotene Bootstour zur Wal- und Delfinbeobachtung. Vor allem im Frühjahr und im Herbst kann man jeweils fünf verschiedene Wal- und Delfinarten finden. Wichtig ist dabei jedoch, dass man mit einem Boot unterwegs ist, in dem die Besatzung streng auf die Artenschutzbestimmungen achtet, so dass auch die Tiere die Ausflüge stressfrei erleben können. Vor der Insel gibt es vier Surfgebiete, die Tauchschulen kann man in den meisten Fällen über die Hotels buchen.
Durch ein Kulturerbe wandern
Eine einwöchige Wanderreise "Blühende Gärten und Levadas“ mit der ASI (Alpinschule Innsbruck) ist der sogenannte Wanderklassiker auf Madeira und führt durch kleine Dörfer entlang der Levadas, aber auch auf die Hochebene Paul da Serra. Levadas sind die historischen Wasserkanäle, die vor allem im Nordwesten der Insel zu finden sind.
Die Wanderwege an diesen Levadas sind gut gepflegt und bieten grandiose Ein- und Ausblicke in die Schönheit der Insel. Das Wanderpaket gibt es beispielsweise ab Düsseldorf in der aktuellen Wintersaison inklusive Flug ab 1.122 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Halbpension und Mittagseinkehr. Wanderausflüge werden in verschiedenen Schwierigkeitsgraden angeboten, bis hin zum alpinen Wandern. Spannend ist auch eine 14-tägige Inseldurchquerung in einer Gruppe von maximal elf Personen.
Da Madeira keine nennenswerten Strände hat, findet man in so gut wie jedem Vier- bis Fünf-Sterne-Hotel einen Spa-Bereich. Den größten Wellness-Bereich der Insel gibt es derzeit im "cs-hotel“ in Funchal. Das älteste und traditionsreichste Hotel ist das "Reids Palace“, 1891 von einem Schotten namens William Reid gegründet. Wem das Wohnen dort zu teuer oder zu exklusiv ist, der sollte sich wenigtens den legendären "Five-o’clock-tea“ mit Piano-Lifemusik gönnen.
Beinahe familiär wohnt man in Quintas, ehemaligen Herrenhäusern, die in Hotels umgewandelt wurden und das kulturelle Erbe der Insel widerspiegeln.
Die meisten Hotels haben keinen eigenen Badestrand. Teilweise gibt es nur die durch Leitern zugänglichen Steilküsten. Da auch nur wenige Hotels all inclusive anbieten ist Madeira für Familien mit kleineren Kindern weniger geeignet. Doch für die Teenies gibt es
ja jetzt "lokoloko“ und anderen Inselspaß.
