Deutschlands größter Baukonzern verliert seine Unabhängigkeit Ein schwarzer Tag für Hochtief

Ein schwarzer Tag für Hochtief: Deutschlands größter Baukonzern hat seine Unabhängigkeit verloren. Der spanische Großaktionär ACS setzte am Donnerstag bei der Neuwahl des Aufsichtsrates auf der Hochtief-Hauptversammlung in Essen seine Personalpläne mühelos durch und übernahm damit de facto die Macht bei dem fast 140 Jahre alten Traditionsunternehmen.

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Ein schwarzer Tag für Hochtief

Essen (dapd). Ein schwarzer Tag für Hochtief: Deutschlands größter Baukonzern hat seine Unabhängigkeit verloren. Der spanische Großaktionär ACS setzte am Donnerstag bei der Neuwahl des Aufsichtsrates auf der Hochtief-Hauptversammlung in Essen seine Personalpläne mühelos durch und übernahm damit de facto die Macht bei dem fast 140 Jahre alten Traditionsunternehmen.

Die wichtigsten Gegner der Spanier - unter ihnen der bisherige Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter, Aufsichtsratschef Detlev Bremkamp und der frühere Konzernchef und BDI-Präsident Hans-Peter Keitel - räumten mit dem Ende des Aktionärstreffens ihre Posten bei dem Bauriesen.

Die acht von ACS ausgewählten neuen Aufsichtsratsmitglieder erhielten auf der Hauptversammlung durchweg mehr als 97 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die letzten ACS-kritischen Aufsichtsratsmitglieder hatten zuvor angesichts der Mehrheitsverhältnisse auf eine Kampfkandidatur verzichtet.

Die Arbeitgeberseite des Kontrollgremiums besteht damit künftig aus vier Vertretern der Spanier und einem Vertreter des Großaktionärs Katar. Außerdem ziehen drei von ACS ausgewählte "unabhängige" Aufsichtsratsmitglieder in das Gremium ein: der BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Eggert Voscherau, der frühere Finanzvorstand der Deutschen Börse, Thomas Eichelmann, und der frühere Continental-Chef Manfred Wennemer.

Der von ACS unterstützte neue Hochtief-Chef Frank Stieler bemühte sich, die Ängste vor der Machtübernahme durch die Spanier zu zerstreuen. "Hochtief ist und bleibt eine selbstständige Aktiengesellschaft und wird vom Vorstand geführt", versprach er den Aktionären.

Bei den anwesenden Anteilseignern stieß der Durchmarsch der Spanier allerdings auf heftige Kritik. Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler, meinte: "Wir tragen heute die Unabhängigkeit von Hochtief zu Grabe." Die Aktionäre müssten nun doppelt wachsam sein. Denn er befürchte, dass Hochtief ausgeplündert werden solle. Heidi Demke von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sprach vom "vielleicht schwärzesten Tag in der fast 140-jährigen Firmengeschichte" des größten deutschen Baukonzerns.

Bremkamp zeichnete in seiner Rede ein wenig kompromissbereites Bild des spanischen Baukonzerns. Mehrere Versuche von Hochtief, mit ACS eine Investorenvereinbarung abzuschließen, seien am Desinteresse der Spanier gescheitert. Ausdrücklich wies Bremkamp darauf hin, dass auch Konzernchef Lütkestratkötter das Unternehmen nicht auf eigenen Wunsch, sondern auf Druck der Spanier verlasse.

Lütkestratkötter selbst nutzte seine letze Rede als Konzernchef noch einmal, um die Vorteile von Hochtief ins rechte Licht zu rücken und damit indirekt bei ACS für den Erhalt des Konzerns zu werben. "Für alle internationalen Märkte gilt: Das hohe Renommee von Hochtief wirkt als Türöffner", sagte der Manager. Das Unternehmen stehe für Qualität, Zuverlässigkeit und erstklassige Ingenieursleistungen "made in Germany".

Der spanische Großaktionär trat auf der Hauptversammlung kaum in Erscheinung. Der Vertreter von ACS, der Rechtsanwalt Peter Erbacher, erklärte lediglich: "Die Hauptversammlung ist nach Auffassung von ACS nicht der Ort, einen abgeschlossenen Streit fortzuführen."

dapd