Das Handwerk plädiert dafür, die Berufsorientierung an Schulen zu intensivieren, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Den größten Erfolg bei der Nachwuchswerbung zieht Dirk Palige allerdings in der Imagekampagne. "Die Wahrnehmung des Handwerks hat sich gerade bei Jugendlichen positiv gewandelt", sagt der ZDH-Geschäftsführer Interview zum "Tag des Ausbildungsplatzes".
Karin Birk
DHZ: Was plant das Handwerk, damit auch dieses Ausbildungsjahr bis zum Jahresende 150.000 neue Lehrverträge im Handwerk unterzeichnet werden und gleichzeitig die Zahl der offenen Lehrstellen zurückgeht?
Palige: Das Handwerk hat frühzeitig Antworten auf die demografische Entwicklung gefunden. Die wichtigste ist, ein realistisches und gleichzeitig neugierig machendes Bild des Handwerks und seiner Berufe in der Öffentlichkeit zu zeichnen. Das gelingt mit der Imagekampagne: Die Wahrnehmung des Handwerks hat sich gerade bei Jugendlichen positiv gewandelt. Unsere weiteren Anstrengungen zielen darauf einerseits mehr Abiturienten und Studenten für eine Karriere im Handwerk zu gewinnen, andererseits um die Jugendlichen zu werben, die aus unterschiedlichen Gründen bisher überhaupt keine Ausbildung beginnen. Beides gelingt immer besser, wie die aktuellen Zahlen zeigen.
DHZ: Was wird getan, um die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu reduzieren?
Palige: Im Handwerk wird die Ausbildung selten abgebrochen, hier trügt die Statistik. Denn sie zeigt nur Vertragsauflösungen an – nicht aber, dass Jugendliche in der Regel nach einer Findungsphase lediglich den Betrieb wechseln oder auch den Ausbildungsberuf. In diesen Fällen werden beide Seiten von den Handwerksorganisationen beraten. Für mögliche Konfliktsituationen gibt es Unterstützungs-Programme wie z.B. VerA – hier helfen Senior-Experten mit individueller Ausbildungsbegleitung. Zielgerichtet operiert auch QUABB in Hessen, Ausbildungsbegleiter/innen und Beratungslehrer/innen bilden ein "Frühwarnsystem" und begleiten in Krisen. Der wichtigste Ansatz ist, die Berufsorientierung an Schulen zu intensivieren, damit auch der passende Beruf gewählt werden kann. Dies tut das Handwerk – mit unseren Partnern beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, bei den Bundesländern und der Bundesagentur für Arbeit.
DHZ: Was unternimmt das Handwerk, damit das Matching regional und beruflich besser passt?
Palige: Die Ausbildungsplatzbewerber sollten die Beratungsleistungen der Handwerkskammern, aber auch der Arbeitsagenturen unbedingt in Anspruch nehmen. Mit Unterstützung der Experten gelingt die Vermittlung und Eingliederung in die richtige Ausbildung besser. Die Partner im Ausbildungspakt haben hier erfolgreiche und wichtige Förderstrukturen geschaffen.
DHZ: Was kann helfen, damit mehr Betriebe ausbilden, die bisher noch nicht ausgebildet haben?
Palige: Die Handwerksorganisationen werben jedes Jahr neue Ausbildungsbetriebe. Sie beraten die Betriebe auch bei der Karriereplanung für Auszubildende. Besondere Ausbildungsleistungen werden als "best practice" ausgezeichnet und öffentlich vorgestellt. Als Dienstleistungen stehen Ausbildungsplatzbörsen im Internet. Eine App zur Ausbildungsplatzsuche wurde jüngst auf der CeBit ausgezeichnet. Dieses Engagement der Handwerksorganisationen wird von den Betrieben gerne angenommen, die Ausbildungsbereitschaft ist weiter sehr hoch.
DHZ: Inwiefern kann die Lehrstellenlücke durch ausländische Jugendliche gedeckt werden? (Stichwort, Spanien, Griechenland etc).
Palige: Das Handwerk verhandelt hier mit ausländischen Partnern und ist gleichzeitig eingebunden in Initiativen auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene. Für die Projekte braucht man jedoch einen langen Atem. Erste Erfolge sind dank großen Engagements jedoch bereits sichtbar, etwa bei den Handwerkskammern in München, Frankfurt und Koblenz.
