Der siebte Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Ein Münchner Märchen

Die Bayern befinden sich weiterhin im Sinkflug und ganz München rüstet sich schon für den Ausnahmezustand: Droht dem Rekordmeister womöglich am Ende der Saison die Relegation, fragt Stefan Galler in der DHZ-Bundesligakolumne.

Ein Münchner Märchen

Meisterbetrieb: Glückwunsch, Biene Maja!

Es ist an der Zeit, dem neuen Deutschen Fußballmeister zu gratulieren: Also Glückwunsch, liebe Dortmunder Borussia! Lasst Euch ruhig weiterhin als Biene Maja verspotten – letztlich lacht ihr, so wie schon 1996 und 2002, als es auch schon mal jeweils einen Konkurrenten gab, der mit sieben Siegen in die Saison gestartet ist. Damals waren es Kaiserslautern, beziehungsweise die Bayern, die so durchstarteten wie nun die Mainzer – am Ende aber jubelte der BVB. Kurios allerdings, dass damit erstmals ein Team ohne Trainer die Meisterschaft gewinnen wird, Denn Jürgen Klopp ist, machen wir uns nichts vor, eher ein Showmaster denn ein Fußballcoach. So ein bisschen der Jörg Pilawa der Branche: Stets einen lockeren Spruch auf dem Lippen, bestens gelaunt und massenkompatibel. Gut wäre, wenn er irgendwann die Moderation von "Verstehen Sie Spaß?" übernimmt, dann kann er gleich mal per Einspielfilm zeigen, wie der englische Schiri Dean seine Dortmunder am Donnerstag gegen Sevilla verschaukelt hat. Nur, dass da keine versteckte Kamera im Spiel war, stattdessen konnte wirklich jeder sehen, dass der Referee vor allem einige Male total danebenlag. Aber sie haben sich ja nicht mal 70 Stunden später gegen die Bayern eindrucksvoll zurückgemeldet, die Spaßfußballer aus dem Ruhrpott. Den FCB 2:0 geschlagen und um zehn Punkte abgehängt, da kann man schon mal bekloppt werden, liebe Freunde der Südsee.

Gesellenstück: Absurde Geheimnisse

Jetzt wissen wir also schon mal, dass der Startrekord die Mainzelmännchen am Ende nicht zum Meister machen wird. Und wir wissen noch viel mehr über den Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Nämlich dass Ösi-Verteidiger Christian Fuchs "Schlangenfuchsl" genannt wird, weil er eine Python namens Goldi und eine Königsnatter namens Diethilde besitzt. Wir wissen, dass der neue Shooting-Star Lewis Holtby ein Tattoo mit den Initialen seiner Verwandten am Handgelenk trägt und Manager Christian Heidel panische Angst hat, sein Auto durch Tunnel zu steuern. Weshalb er sich – ungelogen – auf Urlaubsfahrten in der letzten Kneipe vor dem Tunnel oftmals jemanden sucht, der ihm die Karre durch den Berg fährt.

Nun mag man einwenden, dass in der Kneipe vielleicht nicht das richtige Klientel sitzt, um einen Wagen zu lenken, erst recht keinen fremden. Und auch das Halten von gefährlichen Reptilien oder das Tätowieren mag nicht jedermanns Sache sein. Nicht mehr zu dulden ist allerdings, dass sich die karnevalistischen Balltreter jetzt in Person von Trainer Thomas Tuchel darüber beschweren, jeder würde meinen, alles über ihn und seine Spieler zu wissen. Er lese die Zeitung nicht mehr, weil da Leute über ihn schreiben, mit denen er zum Teil noch nie ein Wort gewechselt hätte, sagte der neue Jungstar unter den Fußballlehrern vor der jüngsten 4:2-Gala gegen Hoffenheim.

Da hätten wir einen guten Rat für den Erfinder des Matchplans: Tuchel hätte einfach Trainer seiner Juniorenmannschaft bleiben sollen, dann hätte sich auch kein Schwein für ihn und die Jungs interessiert und der ach so unangenehme Ruhm wäre spurlos an ihm vorbei gegangen.

Erstes Lehrjahr: Ehefrau als Spaßbremse

Ihr bisher einziges großes Saisonhighlight haben die Schalker schon während der Woche gefeiert, als sie in der Champions League den einst so ruhmreichen portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon mit 2:0 vernaschten und man Felix Magath erstmals abseits seiner geliebten Ausdauer-Trainingseinheiten mal wieder lächeln sah. Für so manchen Fan Grund genug, die Nacht zum Tag zu machen. Ein 55-jähriger aus Herne etwa ließ es nach dem Match in der heimischen Wohnung derart krachen, dass seine Frau um 1.20 Uhr die Polizei rief. Der Plan des sturzbesoffenen S04-Anhängers, bei einem Freund zu nächtigen, schlug fehl, so dass er nicht mal eine Stunde später abermals Rabatz machte, diesmal brüllte er wie einst Comic-Held Fred Feuerstein bei seiner Wilma um Einlass. Wieder rückten die Beamten an, der Mann aus Herne feierte anschließend in einer Ausnüchterungszelle weiter. Allerdings sollte man das unkooperative Verhalten der Frau schon noch einmal einer genaueren Untersuchung unterziehen: Angesichts derart unterschiedlicher Interessen mag man sich zunächst mal fragen, warum die beiden überhaupt geheiratet haben. Zumindest aber hätte der Hausdrachen doch wenigstens die in jüngster Zeit selten gewordene gute Laune des Gatten ein bisschen wohlwollender zur Kenntnis nehmen können. Da wird sich doch nicht unter dem Bett ein Nebenbuhler aus Dortmund versteckt haben?

Übrigens noch eine Schalker Nachlese zur vorletzten Woche: Peer Kluge wird zurzeit von allen Gelsenkirchnern beneidet. Der Grund: Nach dem Ellbogencheck des Freiburgers Banovic erlitt der Mittelfeldspieler einen Gedächtnisverlust und kann sich an die grottenschlechten Auftritte seiner Mannschaft zu Saisonbeginn nicht mehr erinnern. Nach der jüngsten Pleite in Nürnberg sieht man jetzt auf Schalke permanent Fans und Spieler mit dem Kopf gegen Wände laufen.

Zwei linke Hände: Ein Münchner Märchen

Die Bayern befinden sich weiterhin im Sinkflug und ganz München rüstet sich schon für den Ausnahmezustand: Droht dem Rekordmeister womöglich am Ende der Saison die Relegation? Knapp vor den Direktabsteigern Schalke und Stuttgart könnte der FCB mit Mühe ins Ziel kommen. Und würde dann im Entscheidungsspiel gegen den Dritten der zweiten Liga, sagen wir mal gegen den TSV 1860, um den Verbleib im Oberhaus spielen. Es gäbe eine Million Kartenanfragen, aus Sicherheitsgründen wird die Sache in einem Match und nicht in Hin- und Rückspiel entschieden. Die Fans müssten schon zwei Tage vor dem Spiel anreisen, um alle Eskalationen besser kontrollieren zu können und es wird fünf Kilometer vor dem Stadion ein Sperrring gezogen, den niemand durchbrechen darf. Der Bratwurst-Nachschub wird aus Flugzeugen abgeworfen, die Teams fliegen mit dem Helikopter ein. Die Bayern verlieren durch ein Eigentor von Demichelis und steigen ab, sie müssen aus der Arena ausziehen und Sechzig wird der neue alleinige Eigentümer. Endlich kehrt sich alles um, die Bayern verkommen zu einem skandalgeschüttelten Pleiteverein und die Löwen erobern zuerst die Bundesliga und danach Old Trafford, San Siro und Nou Camp. Und doch mag sich an der Grünwalder Straße keiner recht freuen. Das liebgewonnene Image ist futsch, der Schampus schmeckt nicht und in die Arena hat noch nie einer der Blauen wirklich gemocht. Und dann holen sie wieder irgendwelche Hallodris als Finanzmanager, unfähige Trainer und vogelwilde Fußballer – nur damit sie wieder dahin kommen, wo sie waren. Und die Bayern? Die wachen aus diesem Alptraum auf und schaffen es am Ende doch noch bis in die Champions League.