Studium BWL Handwerk "Ein Lebensentwurf für Aufsteiger"

Unternehmen benötigen zunehmend kaufmännisch und handwerklich ausgebildete Führungskräfte. Das Studium "BWL Handwerk" in Stuttgart bildet sie aus.

Jan Brucker ist gelernter Gerüstbauer und Gerüstbaumeister. Irgendwann möchte der 25-Jährige den Familienbetrieb für Dachdeckerei, Flaschnerei und Gerüstbau in Stuttgart übernehmen. Noch leiten seine Mutter und ihr Bruder den 85-Mitarbeiter-Betrieb. Das ist gut so. Denn Brucker will noch viel lernen. Seit einem Jahr studiert er an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart "BWL Handwerk".

"Für mich war ganz klar, dass ich noch weitermache, um später den Betrieb leiten zu können", sagt er. Seit fünf Generationen ist die "Karl Sikler & Sohn GmbH & Co. KG." in Familienbesitz. Brucker will noch mehr Management-Wissen anhäufen. "Im technischen Bereich fühle ich mich schon fit", sagt er. In der Betriebswirtschaft sieht er aber noch Nachholbedarf. Der für angehende Führungskräfte im Handwerk angelegte Studiengang mit dreimonatigen Theoriephasen an der Hochschule und ebenso langen Praxisphasen im Betrieb ist genau das Richtige für ihn.

Seine Studien-Kollegen kommen aus ganz Deutschland. "Mit der Ausrichtung auf die Belange von Handwerksunternehmen ist der Studiengang in Deutschland einmalig", sagt Professor Michael Knittel. Manche kämen auch aus Österreich. Teils haben sie schon eine Lehre, manchmal schon den Meister gemacht. Andere kommen direkt von der Schule. Gemein ist ihnen eines: "Sie sind sehr leistungsorientiert", sagt Knittel.

Einen besonderen Notendurchschnitt müssen die Bewerber nicht mitbringen, wohl aber die Fachhochschulreife oder das Abitur und einen Betrieb, der den dualen Part übernimmt. Von Bau- und Ausbaubetrieben, dem Nahrungsmittelhandwerk, Autozulieferbetrieben oder dem Gesundheitshandwerk seien alle Gewerke vertreten. "Wichtig ist uns die Qualität der Ausbildung in den Praxisphasen", sagt Knittel. Die Studenten sollen ihr theoretisches Wissen über Marketing, Controlling, Finanzen oder Personal in der Praxis – etwa in Projektarbeiten – anwenden. Dafür sorgt Michael Pfeffer. Er arbeitet für die Reutlinger Malerwerkstätten Heinrich Schmidt, die mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg kooperieren. Der Werdegang vom Lehrling über den Gesellen zum Meister reicht Pfeffers Ansicht nach nicht mehr aus, um Führungsaufgaben in einem größeren Handwerksunternehmen zu übernehmen. Es geht Pfeffer darum, jungen und leistungsbewussten Menschen auch im Handwerk einen "Lebensentwurf für Aufsteiger" aufzuzeigen. bir

Neuer Bachelorstudiengang "Unternehmensführung"

Trendthema "Führung" – auch in München:?Zum Wintersemester 2012 beginnen die ersten 30 Handwerker an der Fachhochschule München ihren mit der Handwerkskammer konzipierten Bachelorstudiengang "Unternehmensführung". Der berufsbegleitende Studiengang ist speziell auf die Belange von Handwerksmeistern und Betriebswirten (HWK) ausgelegt. Die Studierenden erwerben die Kompetenz, um sich auch komplexeren betriebswirtschaftlichen Situationen zu stellen. Die Weiterbildung zum Meister wird mit drei Semestern und die Zusatzqualifikation zum Betriebswirt des Handwerks mit weiteren drei Semestern auf das berufsbegleitend elf Semester umfassende Studium angerechnet. rub