Neues Bürgerkonto Ein Guthabenkonto für finanzielle Notlagen

Egal ob zahlungskräftig, verschuldet oder zeitweise in finanziellen Schwierigkeiten: Ab Oktober soll jeder die Möglichkeit haben, ein Guthabenkonto bei einer Sparkasse zu eröffnen. Bislang gibt es in Deutschland – anders als in EU-Ländern wie Frankreich oder Belgien – keinen Rechtsanspruch auf ein Bankkonto.

Die deutschen Sparkassen bieten zum neuen Monatsstart Oktober ein "Bürgerkonto" auch für Bankkunden in finanziellen Schwierigkeiten an. Sie können hier jedoch keine neuen Schulden machen, ein Dispokredit ist nicht vorgesehen. - © Fotowerk/Fotolia

Schätzungen der EU zufolge haben in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen kein Bankkonto. Der Grund liegt oft darin, dass schon ein einzelner Kredit, der nicht mehr zurückgezahlt werden kann, zur Kündigung aller Konten und zu einem negativen Schufa-Eintrag führen kann. Mit diesem Eintrag wird es aber umso schwerer, sich bei einer anderen Bank um ein normales Girokonto zu bemühen.

Eine Selbstverpflichtung der Kreditwirtschaft gibt es zwar schon länger, jedem Bürger ein Konto zur Verfügung zu stellen, aber bislang ließen derartige Angebote auf sich warten. Doch auch wenn man mal in finanzielle Schwierigkeiten  gerät, braucht man heutzutage für fast alle bürokratischen Angelegenheiten trotzdem ein funktionierendes Bankkonto, um Zahlungen abzuwickeln – sei es die Anmeldung eines Autos oder für den Arbeitgeber als Lohnkonto.

Ohne Dispo, aber mit EC-Karte

Das neue Bürgerkonto stellt ein reines Guthabenkonto für Privatpersonen dar – ohne Überziehungsmöglichkeiten bzw. Dispokredit. Als Geschäftskonto kann es jedoch nicht genutzt werden. "Es ist wirklich nur für diejenigen gedacht, die gar kein anderes Konto bekommen und nicht als Ergänzung ", erklärt ein Sprecher des Sparkassenverbands.

Mit dem Bürgerkonto können die Bankkunden dann aber auch am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilnehmen. Sie bekommen eine EC-Karte wie bei jedem anderen Konto auch. Unterschiede soll es nach Angaben des Verbands auch bei den Kontogebühren nicht geben. Sie seien vergleichbar mit den Gebühren für ein normales Girokonto. "Um ein solches Konto zu eröffnen, genügt der Personalausweis. Weitere Unterlagen oder Angaben werden nicht benötigt", so der Sprecher des Sparkassenverbands.

Doch trotz dieser angekündigten Einfachheit, seien einige Details nicht geklärt, kritisiert der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Wie die "tageszeitung" (taz) berichtet, sei der komplette Leistungsumfang noch nicht abgeklärt und es stehe noch nicht fest, ob Online-Banking mit dem neuen Bürgerkonto möglich sein wird. jtw