Ein Euro ist nicht genug

Die Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt ist eine beliebte Rechtsform durchaus mit Tücken

Von Franz Falk

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    ..., riskiert im Fall einer Haftung sein Privatvermögen.
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    Für die Gründung einer Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt wird ein Stammkapital von 1 Euro benötigt.

Ein Euro ist nicht genug

Knausrigkeit ist kein guter Start in die Selbstständigkeit. Zwar können Unternehmer in Deutschland seit 1. November 2008 mit einem Stammkapital in Höhe von 1 Euro eine Mini-GmbH, eine Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt, gründen. Doch bei genauer Betrachtung kommen auch Zweifel auf.


Die Vorteile der Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt

Die wichtigsten Merkmale dieser Rechtsform sind das geringe Gründungskapital, die vereinfachte und beschleunigte Gründung und die geringen Gründungskosten. Welcher Unternehmer will nicht seine Haftung auf ein Minimum begrenzen und in einfacher, schneller und kostengünstiger Form eine solche Firma gründen? Bei Handwerkern kommt noch ein weiterer Vorteil dazu: Ein Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft unterliegt nicht der Handwerkerpflichtversicherung. Dieses Argument ist manch einem Gründer sehr wichtig. Hartnäckig halten sich auch die Gerüchte, eine Kapitalgesellschaft brächte Steuervorteile, beispielsweise durch die Möglichkeiten bei der Altersversorgung eines Geschäftsführers durch Pensionszusage oder Direktversicherung oder durch die Vorteile eines Dienstwagens.


Die Nachteile der Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt

Kaum ein Geschäftsführer einer Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt ist aber über die Nachteile informiert, die mit dieser Rechtsform verbunden sind. Die Informationen über die vermeintlichen Steuervorteile sind meist nur eine Illusion der Gründer. Denn die gewünschten positiven Effekte stellen sich nur bei den Gesellschaften ein, die eine hohe Rendite erwirtschaften. Statt der erhofften Steuervergünstigungen ergeben sich vor allem bei kleinen Kapitalgesellschaften in aller Regel Nachteile. Wesentlich teurer werden die Buchhaltung und der Jahresabschluss. Denn unabhängig von ihrem Umsatzvolumen ist bei einer Kapitalgesellschaft eine doppelte Buchführung Pflicht. Selbst Kleinstbetriebe, die als Kapitalgesellschaft geführt werden, müssen ab 2010 neben einer Steuerbilanz noch eine Handelsbilanz erstellen. Die Gebührensätze der Steuerberater sind bei einer Kapitalgesellschaft wesentlich höher als bei einem Personenunternehmen und auch die Steuererklärungen sind aufwändiger und somit teurer. Zudem ist ein vertikaler Verlustausgleich zwischen unterschiedlichen Einkunftsarten nicht möglich.

Die Hoffnung auf die Haftungsbegrenzung ist in der Praxis in den meisten Fällen völlig unbegründet. Dass der Geschäftsführer einer Unternehmergesellschafter haftungsbeschränkt nur in Höhe des Stammkapitals haftet, steht nur auf dem Papier. Denn eine Firma, die nur ein minimales Stammkapital hat, ist nicht kreditwürdig. Einen Bankkredit wird sie nur erhalten, wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer persönlich haftet. Auch Lieferanten und Kunden werden bei so kapitalschwachen Firmen vorsichtig sein und in aller Regel private Sicherheiten fordern.


Haftung des Geschäftsführers

Das alles sind aber Kleinigkeiten im Vergleich zur Haftung des Geschäftsführers. Spannend wird es bei der persönlichen Haftung des Geschäftsführers bei vorwerfbaren Pflichtverletzungen und bei Insolvenzdelikten. Unabhängig von der Größe der Firma gelten für einen Geschäftsführer die gleichen Anforderungen. Kaum ein Geschäftsführer kennt die Pflichten, die ihm das GmbH-Gesetz auferlegt. Kaum einer weiß, was er bei einer Unternehmenskrise tun muss. Kaum einer kennt die Gründe, wann er einen Insolvenzantrag stellen muss. Das Gesellschaftskapital muss in bar erbracht werden. Sacheinlagen sind im Gegensatz zur GmbH-Gründung nicht möglich. Nach dem Gesetz muss das Mindestkapital nur 1 Euro betragen. Laut Musterprotokoll muss die Unternehmergesellschaft (UG) haftungsbeschränkt die Gründungskosten bis 300 Euro selbst tragen. Somit wäre bei dem Mindestkapital von 1 Euro die Gesellschaft schon mit der Eintragung überschuldet. Da sind die Spuren gelegt für Insolvenzverschleppung und Insolvenzvergehen, wie Eingehungsbetrug oder Veruntreuung. In diesen Fällen wird es besonders prekär. Denn wenn ein Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft wegen eines Insolvenzdelikts verurteilt ist, kommt er nicht mehr in den Genuss der Restschuldbefreiung, sondern er haftet für die Verbindlichkeiten 30 Jahre lang. Zudem ist er pfändbar auf Hartz-IV-Niveau. Aus der vermeintlichen Haftungsbegrenzung wurde somit eine wesentliche Verschärfung der Haftung des Geschäftsführers.

Als Kapitalgesellschaft unterliegt eine Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt der Publizitätspflicht. Sie muss ihre Wirtschaftszahlen veröffentlichen und jedermann kann sie im Internet einsehen. Auch wenn die veröffentlichten Zahlen stark komprimiert sind, sagen sie doch etwas über die finanzielle Solidität einer Firma aus.


Gründung durch ein Musterprotokoll

Wer den Vorteil in Anspruch nehmen will, muss sich darüber im Klaren sein, dass in diesem Musterprotokoll wichtige Regelungen fehlen und dass es nicht ergänzt werden kann. In der Praxis ist das Musterprotokoll nur dann geeignet, wenn die Gesellschaft genau einen Gesellschafter hat, der zudem auch Geschäftsführer ist. Sobald spezifische Vereinbarungen das Miteinander der Gesellschafter, wie z.B. der Verkauf der Anteile, das Ausscheiden aus der Gesellschaft, regeln sollen, muss ein individueller Gesellschaftsvertrag erarbeitet und notariell beurkundet werden. Die Umfirmierung in eine GmbH, sobald das Stammkapital von 25.000 Euro durch Rücklagen erreicht wurde, ist auch nicht so einfach, wie es sich die meisten UG-Geschäftsführer vorstellen.

Notwendig sind ein Gesellschafterbeschluss, der auch notariell beurkundet wird, die Rücklage, die in der Bilanz ausgewiesen wird, und eine notarielle Beurkundung des Gesellschafterbeschlusses zur Umfirmung. Zu diesen Nachteilen addieren sich noch die hohen formalen Anforderungen an die Geschäftsführung und an die Einhaltung der bestehenden Verträge. Damit sind die meisten Handwerker, die als Geschäftsführer fungieren, überfordert.


Fazit

Bei genauer Betrachtung erweist sich die Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt als eine Gesellschaftsform, die in der Praxis keine Begrenzung der Haftung bringt, sondern im Insolvenzfall die Haftung noch verschärft. In Verbindung zahlreichen anderen Nachteilen, insbesondere der komplizierten und formalen Handhabung und der höheren Kosten der Buchführung und des Jahresabschlusses, ist sie für einen kleinen Handwerksbetrieb nicht zu empfehlen. Jeder, der sich mit dem Gedanken an die Gründung einer Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt trägt, soll sich nicht von den vermeintlichen Vorteilen blenden lassen. Wer sich objektiv beraten lässt und die Nachteile betrachtet, kommt meist zu dem Schluss, dass ein Einzelunternehmen die bessere Alternative ist.