Der Volkswagen Käfer ist Kult in Deutschland. Vor 80 Jahren stellte Porsche den ersten Prototypen vor. Wie groß der Erfolg des knubbeligen "Kraft-durch-Freude-Wagens" werden sollte, ahnte damals niemand.

Im Auftrag der Nazis entwarf Ferdinand Porsche 1935 den ersten Volkswagen Käfer. Vor 80 Jahren nickte der Auto-Reichsverband den Prototypen ab.
Es war ein großer Tag in der Porsche-Villa: Granden des Reichsverbands der Automobilindustrie (RDA) waren in den Feuerbacherweg in Stuttgart geladen. Auch Vertreter von Daimler-Benz, von Opel und des Audi-Vorläufers Auto Union waren gekommen, um den Prototyp des ersten "Volkswagen“ zu begutachten.
Anlaufschwierigkeiten bei der Präsentation
Allerdings hatten die Entwickler Startprobleme: Der heute als Käfer bekannte Wagen wurde bei der Präsentation seinem späteren Ruf, äußerst zuverlässig zu sein, nicht gerecht. Der eingebaute "A Motor" - ein Zweizylinder-Zweitakter mit 850 Kubikzentimetern - lief nicht.
Trotz des Motorenproblems war das „Erste Treffen der Technischen Kommission" kein Flop. Noch vor Kriegsbeginn wurde der unter dem Arbeitstitel V1 von Ferdinand Porsche für die Nazis entwickelte Volkswagen in Einzelstücken gefertigt. Das V stand in diesem Fall für Versuchswagen. Bis Ende des zweiten Weltkrieges 1945 wurden etwa 630 Limousinen gebaut.
Symbol für Wirtschaftswunder
In den Nachkriegsjahren ging der VW Käfer unter britischer Regie in Serie. Das Auto wurde über die nachfolgenden Jahrzehnte zur Erfolgsgeschichte für Volkswagen und zum Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder. Bereits 1950 fertigte VW knapp 82 000 Käfer .
"Die Sympathie für den Käfer speist sich aus verschiedenen Kanälen, einer davon ist mit Sicherheit das Aussehen", sagt Lutz Fügener, Designprofessor an der Hochschule Pforzheim. „Diese gefällige wiedererkennbare Form, die freundlich ist. Das Kindchenschema mit großen Augen weckt den Beschützerinstinkt. Das haben wir ja bei Autos heute eher im Gegenteil."
"Kleiner glänzender Käfer"
Seinen Namen verdankt der Käfer vermutlich einem Korrespondenten der "New York Times", der die Volkswagen Limousine als „little shiny bug“ (kleiner glänzender Käfer) bezeichnete.
Und auch der Slogan "Er läuft und läuft und läuft" kam nicht von ungefähr. "Der Käfer war ein Auto, das zu der Zeit mit seiner Zuverlässigkeit herausstach“, sagt Fügener. Durch den luftgekühlten Motor war die VW Limousine sehr einfach zu reparieren und zu warten.
Allerdings war die spätere Kult-Form des Käfers in den 1930er Jahren alles andere als revolutionär. Bei der Konstruktion bediente sich Ferdinand Porsche Ideen des österreichischen Designers Béla Barényi. Fügener: "So hat man sich das aerodynamische Design vorgestellt". Auch Fiat und Peugeot hatten damals ähnliche Formen im Portfolio.
"Ohne Käfer gäbe es kein VW"
Im Gegensatz zu den anderen Autobauern, blieb Volkswagen dem Käfer und seiner Formsprache jedoch treu und geriet dadurch beinahe in Schieflage. "Im Jahre 1970 war der Käfer von seiner Entwicklung am Ende und es kam eine große Durststrecke, bis der Golf sich später durchsetzte", sagt der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Klar ist aber auch: Ohne Käfer gäbe es kein VW und ohne Käfer wäre VW nie ein wichtiger Autobauer geworden."
Bereits 1985 verkaufte der Autobauer das letzte Exemplar in Deutschland. Produziert wurde jedoch noch bis 2003 in Mexiko. Insgesamt liefen über die Jahrzehnte 21,5 Millionen Autos vom Band, wodurch der Volkswagen Käfer lange das meistverkaufte Automobil der Welt war - bis ihn 2002 der Golf übertraf. dpa/dhz